Full text: Hessenland (7.1893)

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gehörte erdochzudenhervorragendstenForstmännern 
seiner Zeit, und ganz besonders hat er sich um 
die Forstwissenschaft inKurheffen verdient gemacht. 
Am 1. Juli 1841 trat Ernst Friedrich Hartig 
in den Ruhestand, den er jedoch nur zwei Jahre 
genießen sollte. Er starb am 17. August 1843. 
Verheirathet war er seit 1823 mit Katharina, 
geborene Martin, aus Burgtann. Die Ehe war 
kinderlos. 
Zum Schlüsse unseres Artikels lassen wir 
einen Auszug aus der kurfürstlichen Verordnung 
vom 6. April 1816 folgen, durch welche die 
von Ernst Friedrich Hartig gegründete Privat- 
Forstlehranstalt in Fulda zu einer Staatsanstalt 
erhoben wurde: 
„In der Ueberzeugung, daß das Wohl Unserer 
Lande und der Flor des Nahrungsstandes Unserer 
getreuen Unterthanen von dem guten Zustande 
der Forste und von deren zweckmäßigen Ver 
waltung durch ununterbrochene Erzielung und 
Verabreichung des nöthigen Holzbedarfs wesent 
lich mit abhängt, haben Wir Wilhelm I., 
Kurfürst von Hessen, Großherzog von Fulda rc., 
verordnet: 
1. Zu Fulda wird für Unsere sämmtlichen 
Lande ein Forstinstitut errichtet, das heißt eine 
Lehranstalt, worin vollständiger Unterricht in 
sämmtlichen Theilen der eigentlichen Forstwissen 
schaft, in Verbindung mit den nöthigen Hülfs- 
und Vorbereitungswissenschaften, auch der Jagd- 
und Fischereikunde, durch die dazu eigens er 
wählten und besoldeten Lehrer ertheilt wird. 
2. Zugleich bildet dieses Institut eine praktische 
Anstalt, da in den zunächst gelegenen Waldungen 
und bei deren Verwaltung durch Unsere Forstbe 
diensteten, nach Auswahl und Vorschrift des 
Direktors, thätige Anleitung zur Geschäftsführung 
selbst sowie zur Ausübung und Anwendung dessen, 
was wissenschaftlich gelehrt worden, gegeben 
werden soll. 
3. Zum Spezialdirektor dieses Instituts er 
nennen Wir allergnädigst Unsern dasigen Ober 
forstmeister Hartig, welchem, unter Anleitung 
und Oberaufsicht Unseres Geheimen Staats 
ministers und Oberjägermeisters von W i tz l eb e n, 
die ganze Führung der Anstalt mit dem Vortrage 
der Haupttheile der eigentlichen Forst- und Jagd 
wissenschaft selbst, und zugleich die zweckmäßige An 
ordnung des ganzen Unterrichts nach einem von 
ihm zu entwerfenden, von Uns aber zu geneh 
migenden Lehrkursus und die Abfassung der 
nöthigen Statuten übertragen ist. 
4. Acht, durch Fleiß, Vorkenntnisse und gute 
Aufführung ausgezeichnete Jäger Unseres Jäger- 
korps sind, nach bestandener Prüfung, zu Eleven 
dieser Anstalt bestimmt. 
5. Ein jeder derselben erhält, außer freier 
Wohnung, Holz und Licht, zu seinem Unterhalte 
monatlich fünf Thaler. 
6. Bei entstehenden Erledigungen reitender 
oder gehender Försterstellen in Unsern gesummten 
Landen, ingleichen bei eintretender Unbrauchbar 
keit, Altersschwäche oder anhaltender Krankheit 
einzelner Forstbediensteten soll sowohl die Besetzung 
wirklicher Stellen, als die einstweilige Verwaltung, 
wo sie nöthig ist, allein aus dieser Anstalt ge 
schehen. 
Bei dem Abgänge des einen oder andern Ele 
ven aus dem Institute, wird jederzeit die Anzahl 
bis zu acht aus dem Jägerkorps ergänzt. 
7. Der Direktor hat darauf zu sehen, daß 
durch einen völlig zweckmäßigen Unterricht in 
den verschiedenen Theilen der Forstwissenschaft, 
verbunden mit der nöthigen praktischen Anleitung 
zur Forstverwaltung im Walde selbst, und mit 
einer landesverfassungsmäßigen nothwendigen 
Geschäftskunde die vollständigste Anleitung zu 
einem gründlichen, anwendbaren und nicht blos 
spekulativen Wissen gegeben und die Eleven zu 
wahrhaft brauchbaren Forstdienern des Staats 
erzogen werden. 
8. Ein Jeder, welches Standes und Abkunft 
er auch sei, der künftig in Unsern Staaten auf 
ein Forstamt und einen wirklichen Dienst als 
Forstbediensteter Anspruch macht, ist, ohne Aus 
nahme, gehalten, dieses Institut wenigstens zwei 
Jahre lang zu besuchen, oder, wenn er die nöthigen 
Forstkenntnisse bereits erlangt zu haben vorgibt, 
sich einer Prüfung bei den Lehrern des Instituts 
in allen Theilen der Wissenschaften, die daselbst 
gelehrt werden, zu unterwerfen, um dadurch die 
angeblich bereits erlangten Kenntnisse vollständig 
nachzuweisen. 
Es muß daher einem Jeden, der sich dem 
Forstwesen widmen will, diese Anstalt um so 
erwünschter sein, da dem Direktor nachgelassen 
ist, mit dieser öffentlichen Anstalt ein Privat 
institut zu verbinden, dergestalt, daß er mit jedem, 
außer den acht Jägern, eintretenden Eleven, über 
Unterricht und Honorar für sich und die übrigen 
Lehrer, eine besondere Uebereinkunft treffen kann." 
Am Schluffe der Verordnung wird allen den 
jenigen, welche sich in diesem Institute besonders 
auszeichnen werden, nicht nur das „allergnädigste 
Wohlwollen" des Landesherrn, sondern auch das 
Versprechen zugesichert, daß bei Besetzung der 
Stellen auf sie besonders Rücksicht genommen 
werden soll. — 
Die Forstlehranstalt zu Fulda erlangte bald 
einen ausgezeichneten Ruf. Nicht nur von In 
ländern, auch von Ausländern wurde dieselbe 
besucht. Die Zahl der Forststudenten mag sich 
immer auf 40 bis 50 belaufen haben. Das In
	        

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