Full text: Hessenland (7.1893)

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Le Kntwickelung der geiftlichen und weltlichen Gerichts 
barkeit Ln den fürstlich Kessen-Kaffel'schen Wanden. 
Von H. Metz. 
(Fortsetzung.) 
II. 
(Die geistlichen Gerichte in Hessen.) 
[er größte Theil von Hessen stand unter dem 
Erzbischof von Mainz. Zur Diözese Trier 
gehörte nur Schiffenberg und die Gegend 
um Gießen, — die Gegend um Marburg gehörte 
schon zu Mainz, — Wetzlar und ein Ort bei 
Friedberg, Werheim genannt. Die Diözese 
Paderborn umfaßte die Grafschaft Marburg, im 
jetzigen Landgerichte Paderborn, den größten 
Theil der Grafschaft Waldcck der Herrschaft 
Schonenberg, sowie einen Theil der Herrschaft 
Jetter. Die Städte Wolfhagen und Hofgeismar 
hingegen gehörten wieder zu Mainz. Da die 
Bischöfe bei dem großen Umfange ihrer Diözesen 
der Ausübung der Gerichtsbarkeit allein nicht 
mehr gewachsen waren, legten sie einen Theil 
derselben den Archidiakonen auf. Jeder Archi- 
diakon hatte seinen bestimmten Gerichtssprengel, 
der oft ganze Provinzen betraf. Die Bischöfe 
visitirten die Amsthätigkeit der Archidiakonen 
gewöhnlich einmal im Jahr, entweder in eigener 
Person, oder, wie später üblich wurde, durch 
einen besonderen Kommissar. Diese Archi- 
diakonate waren wieder in Archipresbhteriate 
oder Dekanate eingetheilt. Der Archipresbyter 
hatte keine geistliche Gerichtsbarkeit, sondern 
hatte nur die Geistlichen bei ihrer Annahme 
der Gemeinde vorzustellen und über Leben, 
Wandel und Amtsführung zu wachen. Zu diesem 
Zwecke hielt er besondere Zusammenkünfte, 
„oouventus", unter dem Namen „Rural- oder 
Landcapitul" ab und berichtete wichtigere Sachen 
an den Archidiakonen. 
Drei Mainzer Diakonen regierten in Hessen. 
Der eine zu Horhausen bei Stadtberge (Ober 
und Niedermarsberg), dieser hatte auch die 
Gegend um Korbach unter sich. Der zweite zu 
Marburg, der die Gegend von Scherfen, der 
dritte zu Iburg, der die Gegend von Helmars 
hausen und Herstall unter sich hatte. Bon 
ausländischen Orden bewohnte Stifter und 
Klöster befanden sich in Hessen. Die Klöster 
waren von der bischöflichen Gerichtsbarkeit be 
freit und dem Papste unmittelbar unterstellt. 
Die Exemtion von des Bischofs Gerichtsbarkeit 
erstreckte sich aber nur auf die geistliche Gerichts 
barkeit, die weltliche, sowie die Landeshoheit 
des Landesherrn war stets unbestritten. Solche 
Orden waren in Hessen die Barfüßer und 
Predigermönche zu Marburg, die Johannitter 
oder Malteser zu Wiesenfeld und Nidda, der 
deutsche Orden zu Marburg, Schiffenberg rc., 
die Antoniter zu Grüneberg, die Prämon- 
stratenser zu Spießkappel und Altenburg, die 
Cisterzienser zu Haina, Kaldern und St. Georgen 
bei Frankenberg. 
Auch gab es Stifter, die von der Jurisdiktion 
der Archidiakonen durch besondere Gnadcnbriefe 
befreit waren. So hatte z. B. das Benediktiner- 
Kloster zu Breitenau das Privileg erhalten 
allein unter der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs 
zu stehen. 
Den Uebergriffen der geistlichen Gerichts 
barkeit entgegenzutreten, waren die Landgrafen 
von Heinrich I. an bestrebt. Dieser Fürst 
befreite verschiedene Städte, wie z. B. im Jahre 
1294 die Stadt Frankenberg von den Send 
gerichten und suchte sie bei dem Privilegium der 
Sendfreiheit zu schützen. Das Wesen der Send- 
sreihcit nun bestand darin, daß kein fremder 
Prälat die Visitation halten durfte, dieselbe 
wurde in den sendfreien Städten nur durch den 
Ortspfarrer unter Beistand der Rathsschöppen, 
die hier die Stelle der Sendschöppen vertraten, 
abgehalten. Fast während seiner ganzen Regierungs 
zeit lag Heinrich II. der Eiserne im Streit mit 
den Mainzer Erzbischöfen der Uebergriffe der 
geistlichen Gerichte wegen. Verschiedene Verträge 
mit dem Erzbischöfe in Mainz, die aber stets 
nicht gehalten wurden, kamen zur Regelung der
	        

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