Full text: Hessenland (7.1893)

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Schiller im Herbst 1782 auf der Flucht mit seinem 
treuen Freunde Streicher in Frankfurt bei dem 
Storchenwirth Steiner jenseits des Maines unverhofft 
angenehmes Unterkommen findet, die verhängnißvolle 
Wirkung seiner «Räuber- bei dem Verlobten der 
schönen Wirthstochter erkennt und schließlich den 
Konflikt durch Bekehrung des Ferdinand und Ver 
söhnung der Liebenden löst. Ferdinand, Luise, der 
alte Steiner, seine Frau und die episodenhaften 
Figuren des Barons von Recken und der Madame 
de Lermelte geben dem jungen Schiller neuen Stoff 
zu einem Drama, welches, wie man leicht erräth, 
«Kabale und Siebe* heißt. 
Als eine glückliche Idee ist es zu preisen, daß 
Schiller nicht im Vordergründe des Stückes steht, 
nicht allein, weil er als Bühnensigur doch nie dem 
Ideal des Zuschauers entspräche, sondern weil er in 
der geschilderten Zeit, innerlich noch in der Ent 
wicklung begriffen, auch äußerlich wenig aus sich zu 
machen wußte. So ist denn der Wirth zum «Storchen- 
— durch Herrn Strohecker vorzüglich repräsen- 
tirt — die Hauptperson des Stückes geworden, welche 
allein schon zu der Annahme berechtigt, das verdienst 
volle Werk der aus Marburg in Hessen stammenden 
Autorin noch recht oft über die Bretter gehen zu sehen. 
Viel wird es bedauert werden, daß die Arbeit trotzdem 
eine «lokale- bleiben dürfte, d. h. wegen des spezifisch 
Sachsenhäuserischen auf Frankfurt beschränkt bleiben 
wird. 
'Me Jnszeniruüg üb DarsttÄüng war eine recht 
gute. Das Publikum zeigte sich sehr animirt und 
rief Schauspieler und Verfasserin — welcher auch 
der Lorbeer nicht fehlte —, zu wiederholten Malen 
lebhaft vor die Rampen. Der glänzende Erfolg 
wird die so beliebte Dichterin sicherlich ermuthigen, 
dem Theater (und zwar nicht allein der Frankfurter 
Bühne) weitere Gaben ihres reichen Talentes zuzu 
führen. Hh. Schw. 
Universitätsnachrichten. Der außerordent 
liche Professor der Philosophie, vr. Paul Natorp 
in Marburg ist zum ordentlichen Professor ernannt 
worden. 
Am 16. August starb zu Marburg im 62. 
Lebensjahre der berühmte Psychiater Geheimer 
Medizinalrath Professor vr. H e i n r i ch C r a m e r, 
seit 1876 Direktor der neugegründeten Irren Heilanstalt 
zu Marburg. 
Der außerordentliche Professor vr. Gott hold 
Gundermann zu Jena ist als ordentlicher Pro 
fessor für klassische Philologie au die Universität 
Gießen berufen worden. 
Der Geheime Medizinalrath, Professor der Physi 
ologie vr. Ernst Pflüger zu Bonn ist nach 
stattgehabter Wahl zum stimmfähigen Ritter des 
Ordens pour le merite für Wissenschaft und Künste 
ernannt worden. Geboren 1828 zu Hanau, und 
dort vorgebildet, studirte Pflüger zunächst in Marburg, 
München und Heidelberg Rechtswissenschaft. Für 
die Dauer aber behagte ihm die Jurisprudenz nicht 
und er ging zum Studium der Medizin über, das 
er in Marburg begann und in Berlin fortsetzte. 
Unter der Anleitung von Johannes Müller und Du 
Bois-Reymond beschäftigte er sich namentlich mit der 
Physiologie des Rückenmarkes, und die Ergebnisse 
seines Studiums, die er schon als Student erzielte, 
bedeuten eine wesentliche Bereicherung der Wissenschaft. 
1855 erwarb sich Pflüger in Berlin den medizinischen 
Doktorgrad. Im Winterhalbjahre 1857/58 habilitirte 
er sich als Privatdozent für Physiologie an der 
Universität Berlin, wurde aber schon 1659 als 
Professor nach Bonn berufen. Hier verblieb Pflüger- 
dauernd. In den verschiedenartigsten Theilen der 
Physiologie hat er sehr bedeutsame Beiträge geliefert 
und das von ihm 1868 begründete «Archiv- ist 
für die Entwickelung der Physiologie in Deutschland 
hervorragend von Nutzen gewesen. — 
Todesfälle. Es starben am 15. August zu 
Wiesbaden der frühere ArchitektA. Rosengarten 
buchhändler August Freyschmidt; am 23.' August 
zu Wahlershausen der Oberförster a. D. Karl 
Ludwig Mergelt; am 24. August zu Berlin 
der Geheime Justizrath vr. Karl Oetker; am 
24. August zu Marburg der Landgerichtsrath 
Eduard Bork; am 24. August zu Fulda der 
Dompfarrer und Jubilar-Priester Joseph Anton 
Schmitt. — Wegen Mangels an Raum konnten 
wir hier blos die Namen der Verewigten verzeichnen, 
die Nekrologe werden wir später bringen. 
Driefkasten. 
V. R. Kassel. Wir sind Ihnen für Ihre Mittheilungen 
zu aufrichtigem Dank verpflichtet. Freundlichsten Gruß. 
A. W. Kassel. Mit bestem Danke angenommen. 
F. St. Kassel. Zusendung erhalten. Mit dem Abdrucke 
wird in einer der nächsten Nummern begonnen werden. 
E. B. Vaacke. Empfangen Sie unsern Dank für Ihre 
gefällige Zusendung. 
8. W. Fulda. Sie erhalten Antwort. 
Ph. Schw. Frankfurt a. M. Wie Sie sehen, gleich be 
nutzt. Verbindlichsten Dank. 
K. H. Wiesbaden. Wir werden Ihrem Wunsche bald 
möglichst nachkommen. 
A. F. Hannover. Wir bedauern, von Ihrem Anerbieten 
keinen Gebrauch machen zu können. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Fried r. Scheel in Kassel.
	        

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