Full text: Hessenland (7.1893)

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Dornrßsche. 
(Schwälmer Mundart.) 
Es wor so schie') ö wongcrbor,*) 
Grob fite ee Dann gewosse'), 
Met Himmelsööje, flohsgem 4 ) Hoor, 
Äus inem Steck gegosse, 
Bie Morjerot ö Blüt ö Melch, 
Hold Rosche met halwoffnem Kelch. 
Ö Montan sprach: „Bie wongerschie 5 ) 
Es doch meng Rosche werrer 3 )!" 
Verlüß') doroff Walhallas Hieh 3 ) 
£) führ zür Är 3 ) mol nerrer'") 
Ze priese: Wedd ööch Rosche meng 
Fer all die Schieheet dLnkbor seng?") 
Om Lengeborn "), off weechem Moos, 
I länrer Stolz ö Pranke, 
Dr Rose Blärrer ") i dennn Schooß, 
Saß Rosche, schieheetstronke, ") 
Äs Montan flehte: „Sei doch meng, 
Dü Häzblöt, schienes Techterleng!" ' 3 ) 
Doch's Mäirelche' 3 ) wor owenüus' 
Müßt escht is Bennche") gücke, 
Ü de Verglich hüll l8 ) hä net äus. 
Es müßt de Ahle bücke: 
„Gieh, Ahler, schwatz net immer zü; 
Dü machst mich schloffrig ") läß iner MH !". — 
Ö Montan, bos, ross: „Matt dü Deng! 20 ) 
Ich schneid der scho die Henner! 3 ') 
Dr Bläumeflor, dr dich emfeng, 
Verwanle sich i Denner 22 ) 
Dodrenn schloff 23 ) nü i Freed ") ö Rüh 
Zür Beßreng 23 ) alle Wenter dü. 
Ö bann dü treemst vo mengem Grüß, 
Da steihjt Sonnseifreed nerrer 26 ), 
Ö met dr Liewe heeßem 22 ) Küß 
Erweckt hä dich da werrer — 
Doch märk der, Häzche Kisselstee: 
De Källe Höst dü net allee. 28 ) 
Jo, Hann dü en 23 ) rächt liewe wett 3 "), 
Da zeegt hä der de Recke") 
O sprecht: „Best dü met Montan quett!" 32 ) 
Ö dreckt 33 ) sich dorch die Hecke, 
Da dankbar es hä nü ö nie, 
Ö schlüchzend schläffst dü werrer i!" — 
! ) schön 2 ) wunderbar ») Tanne gewachsen <) flachs 
blondem 5 ) wunderschön (1 ) wieder 7 ) verließ s j Höhn 
») Erde ><>) nieder >‘j Wird auch Röschen mein für all 
die Schönheit dankbar sein? tr) Lindenborn **) Blätter 
") schönheitstrunken >s) Sei doch mein, du Herzblatt, 
schönes Töchterlein! '<>) Mädchen 17 ) Börnchen, Brümlein 
w) hielt 19 ) schläfrig 20 ) Und Woutan, böse, rief: Warte 
du Ding! *i) Hörner 22 j Dörner 2S ) schlafe 24 ) Frieden 
Do schloß dos Ööje Rosche rot, 
Füll 34 ) i die Denver nerrer. 
Rengsem wor alles starr ö tot, 
Ö Woutan kehrte werrer 
Hereck off senge Görrerthron, 
£) Rosche treemte 35 ) vo Woutans Sohn. 
Kurt Aul)». 
Aus aller und neuer Zeit. 
Ein isr ae li tisch er K u rfür ste n- Psa lm 
de anno 180 3. Im ,Hessenland" Nr. 9 dieses 
Jahres giebt Herr Pfarrer G. Innghans zu 
Steinau an der Straße Nachricht von einem Glück- 
wünschungs-Carmen, welches dem regierenden Fürsten, 
Erbprinzen Wilhelm zu Hessen-Kassel und seiner 
Frau Gemahlin, königl. Prinzessin von Dänemark, 
gelegentlich deren Vermählung im Oktober 1764 im 
Namen des Hanauischen reformirten Ministeriums 
ist überreicht worden. Das besagte Carmen, das für 
mich und Viele von besonderem Interesse gewesen 
wäre, kennen zu lernen, ist uns jedoch leider nicht 
vergönnt gewesen, man hat es trotz allem Bemühen 
nicht auffinden können. 
Unter den zahlreichen Gedichten, welche dem Kur 
fürsten Wilhelm I. aus den Kreisen seiner Ge 
treuen, hohen und niedern, sind gespendet worden, 
besitze ich..eins,welches dem^.hoben Herrn anläßlich 
seiner 'Erhebung" zum ReiHskrsürsten im Jahre 1803 
namens der sämmtlichen Judengemeinden „in 
den Kurfürstlich Hessischen Staaten unterthänig ge 
widmet" worden ist. Die Ehre dieser Widmung 
gaben sich die Hof- und Kammeragenten Susmann 
Abraham und Moses Joseph Büdinger und Jakob 
Simon Michel als Vorsteher, nebst den übrigen 
judenschaftlichen Landesvorstehern. — Kassel bei 
Martin Aubel 1803 in Folio gedruckt. 
Ich darf wohl annehmen, daß das Vermählungs 
gedicht von 1764, welches einen Herrn Sekretär 
Scheel zum Verfasser hatte, der dafür ein praemium 
von 40 Gulden erhielt, einen andern Stil gehabt 
hat, wahrscheinlich noch im Alexandriner, der bis auf 
Klopstock im Schwange war, verfaßt gewesen ist. 
Dieser hier mitgetheilte Kurfürstenhymnus, charakte 
ristisch für die damalige Zeit, sentimental in hohem 
Grade, hat damals wohl auch als ein Meisterstück 
gegolten, wie das obige anno 1764. Wer den Hymnus 
gedichtet hat, ist wohl nicht mehr zu ermitteln. 
Möglich aber ist es, daß wir in ihm ein Geistes 
produkt von Philippine Engelhard, geb. 
Gattcrer, hier besitzen, die mit ihren poetischen Gaben 
25) Besserung 26) Wenn dü träumst von meinem Gruß, 
dann steigt Sonnensiegsried nieder. 27 ) heißem 28) Herzchen 
Kieselstein, den Kerlen (Buhlen, Schatz) hast du nicht 
allein. 29) ihn 3°) willst 31 ) Rücken 82) quitt 88) drückt 
34) stel 85) träumte.
	        

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