Full text: Hessenland (7.1893)

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Im Jahre 1816 wurde Hartig zum Mitglieds 
der „Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte 
Naturkunde/' 1818 zum korrespondirenden Mit- 
gliede der „Gesellschaft zur Beförderung der ge 
summten Naturwissenschaft in Marburg" und 1824 
zum Ehrenmitgliede der „Societät der Forst- und 
Jagdkunde in Dreißigacker" ernannt. 
Als durch das Organisationsgesetz vom 29. 
Juni 1821 die ganze Staatsverwaltung in Kur 
hessen umgebildet wurde und nun auch eine Ober 
forstdirektion für den ganzen Kurstaat ins Leben 
trat, wurde Ernst Friedrich Hartig zum 
Chef derselben,bezw.zumLnndforstmeistc r 
in Kassel befördert und ein Jahr später wurde 
ihm der Titel „Oberlandforstmeister" verliehen. 
(Schluß folgt.» 
•i— 
Belagerung von JJains nach öem Magebuch öes 
renaöiers Johannes Muber von Niedervellmar. 
1793. 
Milgeiheilt von F. W. Iunghsns. 
(Fortsetzung., 
>is zum 14.April war es gelungen, die Stadt auch 
" von der Westseite vollständig einzuschließen. 
Die Schanzen der Kaiserlichen zogen sich von 
Laubenheim bis Hechtsheim, hier schlossen sich die 
preußischen Batterien an über Marienborn und 
Mombach bis Bodenheim. Von Biebrich bis Mos 
bach standen Preußen und Darmstädter ; von Mos 
bach bis an die Erbenheimer Warte standen die 
hessischen Batterien; an diese reihten sich die 
sächsischen und preußischen bis an die Kost- 
heimer Ziegelhütte; die Mainspitze war von 
Preußen und Kurpfälzern besetzt. 
Am 15. April nahmen die Kaiserlichen Weisen 
au, mußten es aber wieder räumen und schossen 
es am 16. in Brand. 
Am 28. machten die Franzosen einen Ausfall 
auf die noch im Bau begriffene Schanze auf der 
Mainspitze und warfen die Kanonen ins Wasser. 
Am 29. nahmen die Preußen Kostheim und 
trieben die Franzosen nach Mainz hinein, aber 
am 30. Nachts 11 Uhr überfielen diese wieder 
das preußische Kommando, vertrieben es und 
steckten das Dorf in Brand. 
Am 1. 6. und 7. Mai machten die Franzosen 
wiederholt Ausfälle auf Hochheim. Am 8. dieses 
Monats nahmen Sachsen und Preußen abermals 
das Dorf Kostheim, wurden aber mit großem Verlust 
Zurückgeschlagen. Das preußische Grenadier 
bataillon von Borck hatte so große Verluste, daß 
es nach Koblenz mußte, um dort reorganisirt zu 
werden. Am 10. machten die Franzosen von 
Kostheim aus einen neuen Ausfall aus die von 
den Pfälzern und der preußischen Garde be 
setzte Mainschanze, wurden aber durch das Kreuz 
feuer der kaiserlichen Batterien bei Weisenau 
zurückgetrieben. 
Es folgten fast täglich Ausfälle, bald nach dieser 
bald nach jener Seite. Bei einem solchen am 
31. Mai gelang es den Franzosen, weil sie das 
preußische Feldgeschrei kannten, eine niit vier Ge 
schützen armirte Schanze vor Marienborn zu 
nehmen und bis ins preußische Hauptquartier 
vorzudringen. Sie wurden aber von den vereinigten 
Preußen und Kaiserlichen zurückgetrieben und 
mußten ihre Beute im Stich lassen. Nach dem säch 
sischen Berichterstatter hatte der Pfarrer von 
Marienborn, bei welchem derpreußische General von 
Kalkreuth im Quartier lag, das Feldgeschrei er 
kundet und den Franzosen verrathen, der Schul 
lehrer und Schultheiß aber hatten denselben als 
Führer gedient. Ihr Lohn war der Strang. 
Am 17. Juni begann man auf der Westseite 
mit Eröffnung der Laufgräben am heiligen Kreuz, 
am 27. mit dem Bombardement, wodurch die 
Frauenkirche und der Dom in Brand geriethen. 
Unter dem Bombardeinent wurde Weisenau von 
den Franzosen genominen und wieder an die 
Oesterreicher verloren, welche es dann bis zum 
Ende der Belagerung behaupteten. Am 29. 
machten die Preußen von der Mainspitze aus 
einen vergeblichen Versuch mit einer schwimmen 
den Batterie auf die Weisenau gegenüber liegende 
Rheininsel. Schon waren die Franzosen im Be 
griff das Gewehr zu strecken, da riß den Preußen 
das Ankerseil und die Batterie trieb steuerlos in 
den Rhein, wo sie von den Franzosen genommen 
und nach Mainz gebracht wurde. Am 1. Juli 
wagte die Besatzung einen Ausfall gegen die 
Sachsen und Darmstädter, denen sie eine Regiments 
kanone abnahmen. Vom 4. Juli an wurde das 
Feuer aus den immer näher rückenden Trancheen 
auf die St. Albanschanze und die Citadelle eröffnet. 
Am 6. nahmen die Preußen, wiewohl mit großem 
Verlust, die französische Schanze bei Zahlbach. Am 
7. Juli Nachts nahmen sechs Bataillone Preußen, 
Sachsen und Hessen, worunter das Grenadier-
	        

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