Full text: Hessenland (7.1893)

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rnst Kreörich Karttg^ 
ein hesfischer Forstmann. 
Von F. Iwmger. 
or fünfzig Jahren, am 17,. August 1843 starb 
zu Kassel der Oberlandforstmeister Ernst, 
Friedrich Hartig. Möge es uns gestattet 
sein, zur Erinnerung an diesen um das kurhessische 
Forstwesen hochverdienten Mann hier eine kurze 
Schilderung seines Lebenslaufes zu entwerfen. 
Drüben in dem sog. hessischen Hinterlande, 
in dem freundlichen, nur wenige Stunden von 
Marburg entfernten Marktflecken Gladenbach stand 
die Wiege dreier Brüder, welchen es beschieden 
war, zu den hervorragendsten Vertretern der Forst 
wissenschaft in der ersten Hälfte dieses Jahr 
hunderts zu zählen. Es sind Georg Ludwig, 
Friedrich Karl und Ernst Friedrich Hartig, 
Söhne des landgräflich Hessen - darmstädtischen 
Forstmeisters Friedrich Christian Hartig und 
dessen Ehefrau Sophie Katharina, geb. Venator, 
Tochter des Oberpfarrers Venator zu Friedberg 
in der Wetterau. Kabbalisten würden schon aus 
den Namen des Vaters und der Mutter, aus 
„Hartig" (Hart, der Bergwald) und „Venator" 
(der Jäger) den zukünftigen Beruf der Söhne 
herausgedeutet haben, selbst wenn diese nicht die 
Sprößlinge einer uralten Forstfamilie gewesen 
wären. 
Der jüngste der drei Brüder, E r n st 
Friedrich Hartig war am 24. März 1773 
geboren. Bis zu seinem 16. Lebensjahre durch 
den Rektor Stausebach in Gladenbach unterrichtet, 
entwickelte sich in dem Knaben in Folge der 
ersten Eindrücke des Elternhauses und des 
fleißigen Umgangs mit Naturforschern, wie Bork 
hausen und Diel, die er auf ihren Exkursionen 
begleitete, schon frühzeitig in ihm ein reger 
Sinn für die Natur, zumal für den Wald. 
Im Jahre 1789 kam Ernst Friedrich zu 
seinem ältesten Bruder Georg Ludwig, damals 
Forstmeister zu Hungen in der Wetterau (nach 
mals Oberlandforstmeister und Staatsrath in 
Berlin, der berühmteste der drei Brüder) als 
Lehrling in der Forst-, Jagd- und Fischereikunde. 
Hier erhielt er den sorgfältigsten Unterricht in 
diesen Wissenszweigen. Sein Bruder sammelte die 
Materialien zu seinen Schriften über Holzzncht, 
Forsttaxation und Brennkraft der hauptsächlichsten 
deutschen Holzarten. Ernst Friedrich war ihm 
dabei immer, sowohl im Walde, wie in der 
Arbeitsstube, zur Seite und legte hier unter 
der Anleitung seines Bruders den Grund zu 
jener gediegenen forstwissenschastlichen Bildung, 
welche ihm später im Geschäftsleben so außer 
ordentlich zu statten kam. 
Im Frühjahre 1792 bezog Ernst Friedrich die 
Universität Göttingen. Die blos praktische Aus 
bildung war dem alten Hartig nicht genügend. 
Selbst ohne wissenschaftliche Bildung, empfand 
er selbst deren Mangel auf das lebhafteste. 
Auch seine beiden älteren Söhne hatten in 
Gießen ihre akademischen Studien gemacht, und 
sich vornehmlich mit der Kameralwissenschaft 
beschäftigt. Ernst Friedrich besuchte in Göttingen 
die Vorlesungen Kästner's, Blumenbach's, Lichteu- 
berg's, Gmelin's, Runde's und des Ingenieur- 
majors Müller in der praktischen Geometrie rc. 
Zugleich nahm er Unterricht im Zeichnen und 
Malen, sowie in der ökonomischen Baukunst. 
Auf den Wunsch seines Vaters ging er 1793 
zur Universität Marburg über, um hier bei 
dem Professor Jung-Stilling staatswirthschast- 
liche Kollegien zu hören. Im Jahre 1794 
beendete er seine akademischen Studien. In 
dieser Zeit hatte sein zweiter Bruder Friedrich 
Karl, der Forstmeister zu Mergentheim war, 
dem Auftrag- erhalten , die dortigen Forsten des 
Deutschmeisterordens zu vermessen und einzu 
richten. Diese Gelegenheit zur praktischen Aus 
bildung benutzte Ernst Friedrich und half seinem 
Bruder bei dessen Arbeiten, bis ihn zwei Jahre 
später sein Vater zurückrief und ihn veranlaßte, 
eine Probearbeit zum Behufe einer Anstellung 
in seinem Heimathlande anzufertigen. Nachdem 
er jene durch die Vermessung, Kartierung und 
Taxation des Forstreviers Seibelshausen bei 
Gladenbach vollendet hatte, wurde er 1797 als 
Forstkommissar bei der Forstbetriebskommission 
des Oberfürstenthums Hessen-Darmstadt und 
zugleich als Adjunkt seines Vaters angestellt. 
Im Sommer 1798 trat er in die Forsttaxations 
kommission ein, die damals in dem sehr lehrreichen 
Forste Romrod beschäftigt war. Als nachher 
sein Vater den Auftrag erhielt, in der Grafschaft 
Jsenburg-Wächtersbach die Forsten systematisch 
einzurichten, stand er demselben zur Seite, und 
nach Beendigung dieser Arbeit wurde ihm die 
Forstdirektion der Grafschaft übertragen, die er 
neben seinen Dienstgeschäften im Darmstädtischen 
versah. Im Jahre 1798 errichtete er eine 
Lesegesellschaft für Forst-, Jagd- und Fischerei 
schriften , an welcher sich eine große Anzahl 
Forstmänner in dem nördlichen Theile des Ooer- 
fürstenthums Hessen-Darmstadt betheiligte. Die
	        

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