Full text: Hessenland (7.1893)

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Universität (Unterschrift des eonsilium abeuncki) und 
gegen einen Studierenden auf einen Verweis erkannt 
ist, ihren Abschluß gefunden hat. 
Nachdem bei 14 der verurtheilten Studierenden 
die gegen sie erkannte Strafe der Androhung der 
Entfernung von der Universität im Wege der Straf 
milderung in einen Verweis umgewandelt ist, hat 
nunmehr die akademische Disziplinarbehörde mit 
Rücksicht auf den inzwischen erfolgten gütlichen Aus 
gleich der Angelegenheit beschlossen, von einem 
weiteren disziplinarischen Einschreiten gegen die ein 
fachen Theilnehmer an den Beschlüssen der allgemeinen 
Studentenversammlung vom 3. Juli cr. Abstand 
zu nehmen 
Marburg, den 31. Juli 1893. 
Der Rektor der Universität: 
Bauer-. 
Universitätsnachrichten. Zum Rektor der 
Universität Marburg für das Studienjahr 1893/94 
ist in der am Sonnabend den 29. Juli abgehaltenen 
Sitzung des akademischen Senats der Professor der 
Theologie Dr. Graf Wolf Wilhelm von Baudissin 
gewählt worden. — In der philosophischen Fakultät der 
Universität Marburg hat sich Dr. Paul Fritsch 
als Privat-Dozent für Chemie habilitirt. — Dem 
kürzlich zum außerordentlichen Professor für Mathe 
matik an der Universität Marburg ernannten Br. 
Eduard Study ist auf zwei Jahre Urlaub zu 
einer wissenschaftlichen Studienreise nach Amerikas er 
theilt worden. — Der Privat-Dozent Dr. Karl 
Friedrich Heimburger in Heidelberg ist als 
ordentlicher Professor für Staats- und Völkerrecht an 
die Universität Gießen berufen worden. 
Todesfälle. Am 12.-Juli starb zu Kassel 
nach langem schweren Leiden im Alter von 64 Jahren 
der Hauptmann a. D. Otto P e m p e l. Der 
Verblichene widmete sich, nachdem er d'e höhere Ge 
werbeschule zu Kassel absolvirt hatte, der Militär 
laufbahn, wurde 1852 Sekonde-Lieutenant im 2. 
kurhessischen Infanterieregiment und wurde 1860 zum 
Premier-Lieutenant befördert. Nach der Annexion von 
1866 trat er in gleicher Eigenschaft in das königlich 
preußische Infanterieregiment Nr. 82 über und 
wurde 1868 als Hauptmann in das Infanterieregiment 
Nr. 83 versetzt. Als solcher rr'achte er 1870 den 
Feldzug gegen Frankreich mit; er mußte aber nach 
der Schlacht von Wörth, in welcher er sich das eiserne 
Kreuz verdient hatte, wegen Krankheit in die Heimath 
zurückkehren. Ein langes Leiden zwang ihn, die 
militärische Karriere aufzugeben und in den Ruhestand 
zu treten. Bei seinen Kameraden, wie bei seinen 
Untergebenen war der Dahingeschiedene, der sich 
durch Wohlwollen und Herzensgüte auszeichnete, 
gleich hochgeschätzt und beliebt. — Mit seinem 
Bruder legte er vor Jahren auf dem Gras eine 
Thonwaarenfabrik an welches Unternehmen er aber 
wegen des geringen Thonbestandes dortselbst wieder 
aufgeben mußte. In den letzten Jahren leitete 
Pempel das Krankcnversicherungswesen in Kassel. 
Am 27. Juli verschied zu Fulda nach langem 
schweren Leiden im Alter von 74 Jahren der Apotheker 
Wilhelm Emanuel Comitti, früher Bürger 
meister der Stadt Hünfeld. Geboren am 22. 
Mäiz 1819 als ältester Sohn des Rentmeisters I. 
B. Comitti zu Großenlüder, besuchte er das Gymnasium 
zu Fulda und widmete sich dann dem Apothekerfache. 
Nachdem er in Jena Pharmazie studiert, und die vor 
geschriebenen Examina rühmlich bestanden hatte, über 
nahm er in der Mitte der 40er Jahre die der Familie 
zustehende Trainer'sche Apotheke in Hünfeld, welche 
er dann 1886, wenn wir nicht irren, seinem Sohne 
Wilhelm übergab. Im Jahre 1862 wurde er durch 
das Vertrauen seiner Mitbürger zum Bürger 
meister von Hünfeld gewählt, und wohl kann 
man sagen, daß die Hünfelder eine gute Wahl getroffen 
hatten. Eine lange Reihe von Jahren leitete er unter 
schwierigen Verhältnissen mit großem Geschicke und 
rühmenswerther Festigkeit nach oben wie nach unten 
die Angelegenheiten der Stadt, immer auf das Wohl 
derselben bedacht, mit Vertrauen seinen Mitbürgern 
entgegenkommend und dafür auch Vertrauen erntend. 
Nach dem großen Brande, von welchem die Stadt 
Hünfeld am 29. Oktober 1888 heimgesucht wurde, 
siedelte er nach Fulda über, um hier im Kreise naher 
Verwandter und Jugendfreunde den Abend seines 
Lebens zu verbringen. Auch in Fulda erfreute sich der 
Dahingeschiedene wegen seiner vortrefflichen Charakter 
eigenschaften und feiner persönlichen Liebenswürdigkeit der 
Werthschätzung aller, die ihn kennen zu lernen Ge 
legenheit hatten. Ehre seinem Andenken, Friede seiner 
Asche! 
Am 5. August verschied zu Königsberg in Preußen 
unser hessischer Landsmann, der Professor der 
Theologie Dr. Rudolf Friedrich Grau. Ge 
boren am 20. April 1835 zu Heringen an der 
Werra, er besuchte das Gymnasium zu Hersfeld und 
studierte von 1854 bis 1857 zu Leipzig, Erlangen 
und Marburg Theologie. 1860 erhielt er in Mar 
burg die Stelle eines Repetenten an der Stipendiaten 
anstalt; 1861 habilitierte er sich dortselbst als Privat 
dozent für neutestamentliche Exegese. 1865 wurde 
er zum außerordentlichen Professor befördert und folgte 
bereits im Jahre darauf einem Rufe an die Uni 
versität Königsberg, wo ihm die ordentliche Professur 
für neutestamentliche Exegese und die Mitdirektion 
des theologischen Seminars übertragen wurde. In 
dieser Stellung verblieb er bis zu seinem Tode. Pro 
fessor Dr. Grau gehörte der orthodoxen Richtung an; 
er hat eine sehr ausgebreitete schriftstellerische Thätig 
keit auf theologischem Gebiete entwickelt und sich 
namentlich durch seine Polemik gegen E. Renan's 
»Leben Jesu" bekannt gemacht.
	        

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