Full text: Hessenland (7.1893)

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Aus Heimat!) und Fremde. 
Wir entnehmen dem „Kasseler Tageblatt * folgenden 
Artikel: „Kassel, 10. August. (Aus dem 
Museum.) Von heute an ist dem Publikum die 
praehistorische Abtheilung des Museum 
Frid eri ci an um wieder geöffnet, die völlig neu 
geordnet wurde. Es ist dafür gesorgt worden, 
daß der reiche Inhalt der Sammlung in würdiger 
und übersichtlicher Weise sich darstellt Besonders 
auf den Schrank mit den Alterthümern der hessischen 
Vorzeit machen wir aufmerksam. Hier sind die 
Funde nach Kreisen geordnet, oben die Waffen und 
Geräthe der Steinzeit, unten die der frühen Metall 
zeit. Die Gräberfunde, die größtentheils der fleißige 
und glückliche Spaten des verstorbenen Direktors 
Di*. Pindcr ans Licht gefördert hat, sind auf schwarzen 
Tafeln vereinigt. Aufschriften geben den Fundort 
an und weisen auf die mit dem Metallgeräth zu 
sammen gefundenen Urnen hin, die in demselben 
Schranke stehen. In einem Pulte in der Fenster 
nische desselben Saales sind links die Funde vom 
Wartberg bei Kirchberg ausgestellt, auf dem sich eine 
alte Opferstätte befunden haben muß, rechts die 
Reste einer alten bei Hochstadi (Kreis Hanau) ent 
deckten Bronceschmiede. In der durch den Raum 
bedingten engen Aufstellung macht die Sammlung 
den Eindruck einer recht vollständigen. Es fehlt 
aber noch viel, bis dies Ziel auch nur annähernd 
erreicht ist. Viele Kreise sind noch gar nicht ver 
treten ; von dem Vorhandenen stammr fast die Hälfte 
aus Eschwege und Fulda. So wird es noch vieler 
Grabungen bedürfen. Wir möchten uns deshalb bei 
dieser Gelegenheit an alle die wenden, welche im 
Besitze einzelner vorgeschichtlicher hessischer Alterthümer 
sich befinden. Diese Sachen sind in der Vereinzelung 
werthlos und nur zu oft einem ungewissen Geschicke 
Preisgegeben. Sie würden zu werthvollem und 
sicherem Materiale der hessischen Alterthumskunde 
werden, wenn sie unserer Sammlung, der größten 
kurhesstschen, zugewiesen würden. Die Münz 
sammlung ist bis auf Weiteres geschloffen worden. 
Es wird im Unterstock der Gemäldegalerie ein eigenes 
Münzkabinet eingerichtet, in dem sämmtliche hessische 
Münzen ständig, daneben eine wechselnde Auswahl 
aus dem übrigen reichen Bestände, ausgestellt werden 
sollen. Gleichzeitig werden neue Jnventare angefertigt. 
Einer besonders kostbaren Erwerbung, die in diesem 
Jahre gelang, wollen wir aber hier noch gedenken. 
Landgraf Wilhelm I. (1483 — 1493) ließ, als er von 
seiner Wallfahrt zum heiligen Grabe heimkam, einige 
Thaler prägen „zweilöthig, klein und dicke", wie es 
in einer Chronik von ihnen heißt. Sie tragen auf 
der einen Seite das Bild der heiligen Elisabeth, 
unseres Hessenlandes ruhmreichen Patronin, zwischen 
dem hessischen und ungarischen Wappen, auf der 
anderen Seite das hessische Wappen, rechts davon 
das Kreuz von Jerusalem, links das geweihte 
Schwert und Barett, das der Papst Jnnocenz dem 
Landgrafen nach der Rückkehr von Jerusalem ver 
lieh. Einen solchen Thaler, den einzigen bisher, be 
kannten, konnte unser Museum erwerben. Abgesehen 
von dem wissenschaftlichen Werthe ist das Stück für 
Kassel besonders deshalb von Interesse, weil sich das 
geweihte Schwert bekanntlich im Besitze unserer 
Sammlung befindet." 
Aus Klein-Krotzenburg im Freigericht wird 
der »Offenbacher Zeitung" berichtet: Herr Gymnasial 
professor Dr. G. Wolfs aus Frankfurt a. M, welcher 
von der Reichs-Limes-Kommission für die diesseitige 
Strecke zur Forschung beauftragt wurde, ließ während 
der letzten Wochen im benachbarten, ehedem durch 
eine Röm.erbrücke mit hiesiger Gemeinde verbundenen 
Groß-Krotzenburg wiederum Nachgrabungen vor 
nehmen. Unweit der Kirche wurden im sogenannten 
»Limesstall" die Grundmauern des Prätoriums blos- 
gelegt. Außerdem legte man bei dieser Gelegenheit 
in Folge des Abbruchs der im Jahre 1722 vom 
Mainzer »Peterstift" erbauten Zehntscheuern, römische 
Mauern und einen von Kastel nach dem Main 
führenden Abzugskanal frei. Die Hauptfunde wurden 
indessen in der »bürgerlichen Niederlassung" in der 
Form römischer Gräber mit Urnen und anderen 
Gegenständen, sowie je einem Altare des Jupiters 
und des Mars gemacht. Letzterer, ein dem Kriegs- 
gotte geweihter Gelübdestein oder »Votivaltar", 
stammt aus dem Jahre 212 nach Christus und ist 
von einem Kaufmann aus Trier gelobt. Dieser 
Altar unterstützt wesentlich die schon früher von 
Herrn Dr. med. Kihn aus Groß-Auheim aufgestellte 
Behauptung, daß die große Alemanenschlacht des 
Kaisers Caracalla im Jahre 213 nach Christus 
beim benachbarten Kahl und nicht bei Eisenfeld, wo 
eine Hunnenschlacht stattfand, geschlagen wurde. 
Zur Marburger Studentenbewegung. 
Erst durch die am 3. Juli erfolgte Publikation 
des Urtheils der akademischen Dis 
ciplinarbehörde ist die Streitsache der Mar 
burger Studenten mit dem Geheimen Medizinalrath 
Professor Dr. Külze amtlich zum Abschlüsse ge 
kommen. Das Urtheil ist in folgender, von Sr. 
Magnifizenz dem Rektor Professor Dr. Bauer am 
schwarzen Brett veröffentlichten Bekanntmachung ent 
halten : 
„Den Herren Studierenden mache ich hiermit be 
kannt, daß die gegen den Studierenden der Medizin 
von Both und Genossen wegen Vergehens gegen die 
akademische Sitte und Ordnung eingeleitete Dis 
ziplinaruntersuchung mit dem am 26. Juli d. I. 
von der Universitäts-Deputation gefällten, am heutigen 
Tage eröffneten Urtheil, durch welches gegen 22 
Studierende auf Androhung der Entfernung von der
	        

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