Full text: Hessenland (7.1893)

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Garde nach Kassel zurückkehrte, mit den zwei 
Grenadierkompagnien des Regiments Prinz Karl 
zum 3. Grenadierbataillon von Wurmb ver 
einigt wurden, marschirte dasselbe nach Mainz, 
um im Verein mit preußischen, kaiserlichen und 
Reichstruppen diese wichtige Festung zu belagern. 
Am 5. Januar kam es nach Hattersheim und 
überfiel in der Nacht vom 5. auf den 6. die 
französischen Vorposten in Hochheim. Das 
Grenadierbataillon von Wurmb hatte den An 
griff auf das frankfurter Thor, während die 
Preußen unter dem Prinzen von Hohenlohe 
von Wiesbaden herkamen. Die Franzosen wurden 
vollständig überrascht und ließen dem hessischen 
Bataillon 12 Kanonen und 12 Pulverwagen als 
Beute zurück. 
Die Belagerung von Mainz beschränkte sich 
zuerst bis zur Ankunft der Sachsen und Kaiser 
lichen auf eine bloße Cernirung. Das Grenadier 
bataillon von Wurmb, welches, nachdem die 
Grenadiere des Regiments Prinz Karl durch die 
des Regiments Erbprinz ersetzt worden waren, 
den Namen 2. Grenadierbataillon vonEschwege 
erhielt, kantonnirte in Hattersheim, dann in 
Haßloch jenseits des Mains, darauf in Rüsselsheim, 
am 23. März aber bezogen diese Truppen Lager 
bei Mosbach unter dem Häßlerberg, wo sie während 
der Belagerung ihre Stellung behielten. Unter 
dem Marsch dahin gab die ganze Armee ein 
Freudenfeuer wegen der Siege, die der Prinz 
von Koburg in den Niederlanden davongetragen 
hatte.*) 
Die Hessen lagen eine Nacht in den Zelten, 
da es aber sehr kalt war und die Zeltdecken ans 
Hessen noch nicht angekommen waren, so wurden 
die hessischen Regimenter, die Gardegrenadiere, 
das Leibregiment, das Grenadierbataillon von 
Eschwege und die Leibdragoner nach Erbenheim 
ins Quartier gelegt, von wo aus sie abwechselnd 
mit den Sachsen, Pfälzern und Hessen Darm 
städtern den Vorpostendienst auf der Linie von 
Hochheim bis Biebrich versehen mußten. Die 
Husaren, die Jäger und die leichte Infanterie 
waren nach Landau und an die Weißenburger 
Linien detachirt. 
Am 6. März waren diejenigen, welche den Eid 
auf die republikanische Verfassung nicht leisten 
wollten, aus Mainz vertrieben worden; sie wurden 
von den preußischen Vorposten in Empfang ge 
nommen ; am 29. und 30. folgten ihnen mehrere 
*) Es galt der Einnahme von Aachen. 
hundert Bürger, Weiber und Kinder, deren sich 
die Belagerten entledigen wollten; am 6. April 
die Geistlichen; ein späterer Transport von 7000 
(?) am 24. Juni wurde nicht angenommen, sondern 
zurückgeschickt. 
Am 11. April unternahmen die Franzosen 
den ersten stärkeren Ausfall aus Castell in drei 
Kolonnen. Die erste Kolonne ging auf das von 
den Preußen besetzte Kostheim, welche dasselbe 
räumen mußten. Die zweite wendete sich gegen 
das hessische Lager bei Mosbach. Es gelang ihr 
in das noch unbelegte Lager einzudringen und 
im ersten Ansturm eine Schanze mit drei Zwölf- 
pfündern und einer Haubitze zu nehmen, aber die 
Gardegrenadiere und das Leibregiment kamen 
ihnen aus dem Lager in den Rücken, das Grenadier 
bataillon von Eschwege auf der Straße von 
Castell in die Flanke, so daß sie mit einem Ver 
lust von 5OO Todten und Verwundeten retiriren 
mußten. Der Angriff der dritten Kolonne aus 
Biebrich wurde von den preußischen Jägern eben 
falls zurückgeschlagen. 
Diese für die Hessen ruhmreiche Affaire be 
schreibt der sächsische Kamerad in folgenden Wor 
ten : Den 11. April überfielen die Franzosen das 
Lager auf beiden Flügeln. Auf dem rechten 
Flügel standen die Hessen, in der Mitte die 
Sachsen, auf dem linken Flügel die Preußen. 
Die Hessen, welche noch, auf den Dörfern standen 
uüd vor Kälte nur eint Wache ins Lager gestellt 
hatten, waren ganz sicher, aber die Franzosen 
drangen in die Schanze, vernagelten den Hessen 
die Kanonen, aber die Hessen kamen geschwind 
aus den Dörfern in Hemden und barfuß mit 
Gewehr, mit Hacken, mit Schaufeln und Prügeln, 
schlugen darein wie auf die Esel, nahmen den 
Franzosen vier Kanonen weg, nahmen 14 Mann 
gefangen, 4OO todt geschlagen und von Hessen 
blieben nur zwei Tode und drei Blessirte. Da lief 
der Franzmann über den Rhein, aber auf dem 
linkenFlügel bei den Preußen blieben von Franzosen 
200 Mann todt und blessirt. 
AmTag darauf(12. April) mußte das Grenadier 
bataillon von Eschwege die Zelte beziehen, während 
die Dragoner in Erbenheim blieben. An diesem 
Tag erhielten die Hessen noch 5O Mann Ver 
stärkung per Kompagnie, so daß dieselben den 
etatsmäßigen Bestand von 150 Mann hatten. 
Das Bataillon wurde nebst einem preußischen 
Jägerkorps und den darmstädter Füsilieren zum 
Dienst in den Trancheen kommandirt, von Biebrich 
bis zur Erbenheimer Warte. (Fortsetzung folgt.)
	        

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