Full text: Hessenland (7.1893)

209 
hatte schon die Hoffnung aufgegeben, an der 
Expedition gleichfalls theilnehmen zu können, als 
er zu seiner größten Freude auf das ausdrückliche 
Verlangen der Generale Clinton und Cornwallis 
schließlich doch noch mit 80 Jägern zu der Ex 
pedition kommandirt wurde. Und das war, wie 
die Folge zeigen wird, wohlgethan. 
(Fortsetzung folgt.) 
)ie Ablagerung von Mainz nach dem Mgebuch öes 
Grenadiers Johannes Aeuber von Miedervellmar. . 
1793. 
Mitgetheilt von F. W. 
lunghsns. 
» ie Familie eines Landwirths zu Bergen bei 
Hanau besitzt das Tagebuch eines hessischen 
Grenadiers, "welches in der Familie desselben 
fortgeerbt durch einen Nachkommen Reubers, der 
in Bergen als Gensdarm stationirt war, dort 
hin gekommen ist. 
Der Verfasser, Johannes Reuber, 
ein Bauernsohn von Niedervellmar, in 
seinem 17. Jahr zum Militär ausgehoben, 
hat nicht nur den amerikanischen, sondern auch 
alle anderen Feldzüge der hessischen Truppen 
bis zur Okkupation Kurhessens durch die Franzosen 
mitgemacht und über seine Erlebnisse gewissen 
haft Buch geführt. Seine Auszeichnungen zeugen 
von einer scharfen Beobachtungsgabe und enthalten 
manche interessante Einzelheiten, welche man sonst 
nicht findet. 
Nachfolgende Zeilen sind ein Auszug aus 
Reuber's Schilderung der Belagerung von Mainz 
im Jahr 1793, au der die hessischen Truppen 
infolge der ersten Koalition, welcher Landgraf 
Wilhelm IX. beigetreten war, Theil nahmen. 
Der Einsender ist durch Zufall auch in den 
Besitz des Tagebüchleins eines kursächsischen 
Soldaten vom Bataillon Kurprinz gekommen, 
welcher ebenfalls der Belagerung beiwohnte, wo 
raus hervorgeht, daß Reuber die Daten der ver 
schiedenen Gefechte treu und gewissenhaft auf 
geschrieben hat. 
Nach dem unglücklichen Feldzug in der Cham 
pagne wurde das hessische Korps in Eilmärschen 
nach Koblenz gesandt, um die von Cüstine be 
drohte Rückzugslinie der Alliirten zu sichern. 
Das Grenadierbataillon von Hessen-Philipps- 
thal, welchem Reuber angehörte, wurde auf 
Wagen vorausgeschickt, um Koblenz noch vor 
Tagesanbruch zu erreichen, wo man die Franzosen 
erwartete, welche am 20. Oktober 1792 Mainz ohne 
Schwertstreich eingenommen hatten. Schon um 
12 Uhr Nachts traf das Bataillon in Koblenz 
ein und besetzte alle Thore und Plätze. Des 
Morgens kamen die übrigen Hessen nach und 
behaupteten die Stadt bis die preußische Avant 
garde ankam und sie ablöste. Am 3. November 
marschirten die Hessen über den Rhein, um 
Cüstine zuvorzukomnien, der bereits Frankfurt 
und Königstein eingenommen und der freien 
Reichsstadt Frankfurt eine Kontribution von 2 
Millionen Gulden auferlegt hatte. Am 5. hatte 
die retirireude Armee ein Gefecht mit einer 
französischen Abtheilung bei Weilburg, wobei das 
GrenadierbataillonunddieHusarenengagirtwaren. 
Am 10. trafen sie bei Marburg ein, wo sie sich mit 
den beiden Regimentern Erbprinz und Prinz 
Karl verstärkten, traten aber schon am 12. im 
Vereine mit preußischen Truppen den Vormarsch 
nach Frankfurt an. Am 28. fand ein heftiges 
Gefecht bei dem von den Franzosen besetzten 
Bergen statt, wobei Kapitän von Starkloff von 
den Husaren blieb und 50 Mann Franzosen 
gefangen genommen wurden, worauf die ver 
einigten hessisch-preußischen Armeen sich vor 
Bergen aufstellten und einen Angriff von Seiten 
Cüstines erwarteten. Des Nachts bezogen die 
Truppen Lärmquartiere in den benachbarten 
Dörfern. Das Bataillon von Hessen-Philipps 
thal lag am 28. in Preungesheim, am 29. in 
Enkheim, am 30. in Bischoffsheim und Hochstadt, 
am Tag standen sie auf dem alten Berger Schlacht- 
felde im Gewehr. Da aber Cüstine nicht erschien, 
so ging man am 2. Dezember selber zum An 
griff über. 
Die heldenmüthige Erstürmung Frankfurts 
durch die Hessen, bei der so viel edles Hessen 
blut floß, und besonders das Grenadierbataillon 
von Hessen-Philippsthal, welches die Spitze bildete, 
so große Verluste erlitt, ist aus der musterhaften 
Darstellung des Hauptmanns und Historikers 
Maximilian von Ditfurth hinlänglich bekannt. 
Auch Reuber beschreibt sie ausführlich. Cüstine 
kam mit 7000 Plann Sukkurs eine Stunde zu 
spät. 
Nach kurzer Rast, während welcher die zwei 
Flügelkompagnien der Gardegrenadiere, da die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.