Full text: Hessenland (7.1893)

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werden soll, gehl seiner würdigen Vollendung in 
Bälde entgegen, so daß als Tag seiner Enthüllung 
der 18. October d. I. in Aussicht genommen worden 
ist. Ein zwei und einhalb Meter langer Löwe, aus 
bestem Sandstein-Material, in naturalistischer Aus- 
sührung von der Hand D e u t s ch m a n u s in Erfurt 
dargestellt, wird sich auf einem stylvollen Sockel von 
Sandstein aus den Arenshäuser Steinbrüchen erheben. 
Auf seiner Frontseite wird der Sockel die Inschrift 
tragen: „$)en Opfern französischer Fremdherrschaft 
aus dem Kreise Eschwege im Jahre 1807 “; auf 
seiner Rückseite aber die Namen der Erschossenen. Der 
Platz ist gut gewählt. Von vorn wird ein freier 
Raum dem Blicke die Total-Ansicht des Denkmals 
gewähren, während ein Paar prächtiger hoher Eschen, die 
charakteristischen Bäume der Umgegend, denen Eschwege 
auch seinen Namen verdanken soll, den Hintergrund 
bilden und abschließen. So wird das Andenken an 
ein Stückchen erhebender, allhessischer Geschichte durch 
dieses Denkmal auf einem exponirten Posten des 
Hessenthums aufgefrischt, indem das Mal den Folge- 
geschlechtern unausgesetzt althessische Fahnentreue in 
schwerer Zeit in das Gedächtniß zurückruft. Die 
Kosten des Denkmals, welche sich auf rund 2000 
Mark beziffern, sind nahezu durch die Rührigkeit 
der Eschweger Turner aufgebracht, und hoffen letztere 
auch noch den kleinen Rest aufzubringen. (Hess. Bl.) 
Die Bewegung der Marburger Studen 
tenschaft gegen den Professor Dr. Külz 
hat ihr Ende erreicht. Am 20. Juli hat die An 
gelegenheit dadurch einen befriedigenden Abschluß ge 
funden, daß sich der Geheime Medizinalrath Pro 
fessor Külz den Wünschen der Studentenschaft gefügt 
und einer von derselben gewählten Deputation die 
Erklärung abgegeben hat, daß er bedaure, durch seine 
Worte und sein Verhalten während seiner Vor 
lesungen seine Zuhörer verletzt zu haben. Auch ver 
sicherte er, daß er sich für die Zukunft bemühen 
werde, alles zu vermeiden, was zu neuen Zwistig 
keiten führen könnte. — Durch diese Erklärung hat 
die Studentenschaft die Genugthuung erhalten, welche 
sie als Zweck der ganzen Bewegung erstrebte. Am 
folgenden Tage ist denn auch der Besuch der Vor 
lesungen des Professors Külz wieder in seinem vollen 
Umfange aufgenommen worden. — Das gegen die Leiter 
der Bewegung auf Anordnung des Kultusministeriums 
verhängte Disziplinarverfahren hat jedoch mit der güt 
lichen Beilegung der Angelegenheit nicht seine Erledigung 
gefunden, es ist vielmehr mit der Führung der Unter 
suchung der Universitätsrichter der Berliner Hochschule 
beauftragt worden, und sieht man dem Urtheile mit Span 
nung entgegen.*) — Man muß es der Marburger Stu- 
*) Nach einer Zeitungs - Mittheilung sollen sämmtliche 
Vertreter der betheiligten Studentenkorporationen, an 
Zahl etwa zwanzig, das Consilium abcundi erhalten haben. 
Herausgeber 
dentenschaft nachrühmen, daß sie in dieser Angelegenheit 
mit seltener Einmüthigkeit und ancrkennenswerther 
Besonnenheit vorgegangen ist, und da es sich in 
vorliegendem Falle gewissermassen auch um die Ver. 
Iheidigung der akademischen Freiheit handelte, so hat 
ihr Verhalten die Zustimmung der Studirenden an 
anderen Hochschulen erhalten, und die Studenten 
schaften von Göttingen und Bonn haben in einem 
Schreiben an das präsidirende Korps Hasso-Nassovia 
zu Marburg sich mit der Marburger Studentenschaft 
solidarisch erklärt. 
Universitätsnachrichten. Unser hessischer 
Landsmann, der Professor der Physiologe Geheimer 
Rath Dr. Karl Ludwig in Leipzig, 
früher in Marburg, ist von der Akademie der 
Wissenschaften in Paris zum korrespondirenden Mit- 
gliede ernannt worden. — Der Professor der 
pharmazeutischen Chemie und Direktor des pharma 
zeutisch-chemischen Instituts zu Marburg, Dr. 
E r n st Schmidt, ist zum Ehrenmitgliede de 
Philadelphia College of Pharmazy ernannt 
worden. — Der Professor Dr. Albert Rands 
in Marburg, bisher in Berlin, ist zum Mitgliede 
der Kommission für die politische Korrespondenz 
Friedrichs des Großen, die bei der Berliner Akademie 
der Wissenschaften besteht, gewählt worden. — Der 
Privatdozent in der philosophischen Fakultät zu Mar 
burg, D r. E d u a r d S t u d y, ist zum außerordentlichen 
Professor der Mathematik befördert worden. — Der 
im vorigen Winter von Marburg nach Leipzig 
berufene Professor der Geschichte Dr. Max Leh- 
iii ann hat einen Ruf an die Universität G ö t t i n g e n 
erhalten. — Der Professor der klassischen Philologie 
Dr. Albert R e i tz e n st e i n in Gießen ist an 
die Universität Straßburg berufen worden. — 
Dem Professor der klassischen Philologie und Geschichte 
Dr. Ad. Philipp i in Gießen, der, wie bereits 
gemeldet, am 1. Oktober in den Ruhestand tritt, ist 
der Charakter als Geheimer Hofrath verliehen worden. 
Inhalt des Juli heft es (Jahrgang II. Nr. 1.) der 
„Touristischen Mittheilungen aus Hessen-Nassau und Waldeck", 
begründet von L. Deichmann und unter dessen Mitwirkung 
herausgegeben von Dr. phil. Fritz S eeli g: Der Bilstein 
bei Großalmerode. Von Hugo Frederking. — An 
unsere Leser! Von Deichmann und Dr. Seelig. — 
Berichte. — Touristische Literatur. — Anzeigen. 
Inhalt der Nummer 15 des „Hessenlandes": 
„Mittagstille", Gedicht von Georg Edward; „Johann Ewald 
in hessischen Diensten", von F. Zwenger; „Geschichte der 
Familie Kopp und von Kopp", von Otto Gerland (Schluß); 
„Der alte Herr Professor", von H. Keller-Jordan (Schluß); 
„Aus Heimath und Fremde"; Literatur. 
und verantwortlicher Redakteur: F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Fried r. Scheel in Kassel.
	        

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