Full text: Hessenland (7.1893)

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W. Stern, beide zu Kassel, die sich um den Verein 
große Verdienste erworben halten, zu Ehrenmitgliedern 
zu ernennen, welcher Beschluß allseitig mit Beifall 
aufgenommen wurde. Bei der zur Tagesordnung 
gehörigen Vorstandswahl fand eine Wiederwahl der 
seitherigen, den Vorstand bildenden Herren durch 
Akklamation statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. 
Brunner, dankte für das ehrenvolle Vertrauen und 
gab für sich sowie namens der andern Vorstands 
mitglieder die Erklärung ab, daß die Herren die 
Wahl annähmen. Er verbreitete sich sodann des 
Weiteren Über die vorgesteckten Ziele und die seither 
erreichten Erfolge des Vereins, worauf Dr. K. Scherer 
als Schriftführer des Vereins in ausführlicher Weise 
den eigentlichen Geschäftsbericht zur Kenntniß der 
Versammlung brachte. Dem durch Professor Lenz, 
dem Kassierer des Vereins, verlesenen Kassenbericht 
entnehmen wir, daß die Gesammteinnahme im ver 
flossenen Vereinsjahre sich auf 7950 Mark 80 Pfg., 
die Gesammtausgaben dagegen auf 6342 Mark 89 
Pfg. belaufen haben, sodaß der Verein am Beginn 
des neuen Rechnungsjahres einen Baarbestand von 
1601 Mark 91 Pfg. zu verzeichnen hatte. 
Beschlossen wurde sodann die nächstjährige Jahres 
versammlung, zufolge einer von Hauau eingegangenen 
freundlichen Einladung, in Hanau abzuhalten und 
zwar im Anschluß an das daselbst im nächsten Jahre 
stattfindende 50 jährige Jubiläum des dortigen 
Schwestervereins. Hierauf hielt Oberlehrer Pf aff 
von Hofgeismar den Festvortrag über: „Das Nieder- 
sürstenthum Hessen im Jahre 1637.- In ein 
gehender Weise und ansprechender Form schilderte 
Redner die Bedrängnisse der hessischen Bevölkerung 
während dieses Zeitabschnittes des 30 jährigen Krieges, 
mit besonderer Berücksichtigung der hiesigen Gegend. 
Rach Schluß des mit sichtbarem Interesse und Bei-- 
fall aufgenommenen Vortrags sprach Dr. Brunner 
dem Redner den Dank der Versammlung aus. Rach 
einer kleinen Pause fand daun um 3 Uhr Nachmittags 
im Hotel „Deutscher Kaiser- das Festessen statt. 
An demselben betheiligten sich ca. 60 Herren. Daß 
es während des Mahles an Toasten nicht fehlte, ist 
wohl selbstverständlich, und erwähnen wir davon nur 
den vom Vorsitzenden Dr. Brunner ausgebrachten 
Trinkspruch auf den Kaiser und den von Dr. S uch i er 
aus Hanau ausgebrachten auf die Stadt Hofgeismar, 
welcher durch Bürgermeister Schirmer in poetischer 
Form mit einem Hoch auf dem hessischen Geschichts 
verein erwidert wurde. Dr. Brunner toastete 
sodann noch auf die Festordner; Dr. Scherer auf 
die Damen, Pfarrer Wissemann aus Kassel 
auf die weitere Entwickelung des hessischen Geschichts 
vereins. Nach beendeter Mahlzeit begaben sich die 
Herren, denen sich nun auch die Damen anschlossen, 
nach dem Gesundbrunnen, wo in den herrlichen 
Parkanlagen bei Bier und Konzertmusik einige 
Stunden angenehm verlebt wurden. Den Schluß 
des Tages bildete ein arrangirtes Tänzchen im 
„Deutschen Kaiser-. Am letzten Festtage fuhren die 
Festtheilnehmer in einer Anzahl von 85 Personen 
auf mehreren Leiterwagen sowie einer Anzahl Chaisen 
nach Beberbeck zur Besichtigung des Gestüts und von 
da nach Sababurg, wo in der Malzfeld'schen Gast 
wirthschaft ein gemeinsames Frühstück eingenommen 
wurde. Oben auf dem Burghof hielt Apotheker 
Sander seinen auf die Burg bezüglichen, mit Bei 
fall aufgenommenen Vortrag. Die Rückkehr von 
diesem, alle Theilnehmer höchst befriedigten Ausfluge 
nach der Stadt erfolgte Nachmittags 3 Uhr. Am 
Abend verließen die auswärtigen Festtheilnehmer 
Hofgeismar, in hohem Grade befriedigt von der 
herzlichen Aufnahme, die sie hier gefunden, und von 
dem schönen Verlaufe, den das Fest genommen. — 
Wir werden auf die 59. Jahresversammlung des 
hessischen Geschichtsvereins zurückkommen. 
Die „Kasseler Allgemeine Zeitung- berichtet: „Es 
ist bis jetzt in weiteren Kreisen noch nicht bekannt 
geworden, daß in diesem Jahre manche der hervor 
ragenden Kunstschöpfungen unserer herrlichen 
Wilhelmshöhe ihren hundertjährigen 
Geburtstag feiern. Wie geschichtlich feststeht, 
wurde vor 100 Jahren, also 1793, der Steinhöfer'sche 
Wasserfall, welcher nach seinem Erbauer, dem im 
Jahre 1828 verstorbenen Baumeister Steinhöfer, 
benannt wurde, vollendet. Außerdem fällt in dieses 
Jahr auch die Fertigstellung des imposanten Aquaductes, 
jener Nachahmung einer altrömischen Wafferleitung, 
und am Sonntag Jubilate desselben Jahres fand die 
feierliche Einweihung der kleinen Schloßkirche durch 
den damaligen Konsistorialrath und Hofprediger 
Rouel statt. Das wichtigste Ereigniß dürfte aber 
unzweifelhaft die am 2. December 1793 vollzogene 
Grundsteinlegung jener unvergleichlich schönen Nach 
ahmung einer mittelalterlichen Burg des 14. Jahr 
hunderts, der heutigen Löwenburg, sein, welche in 
kurzer Zeit von ihrem Erbauer, dem Architekten 
Jussow, vollendet wurde, und eine der hervorragendsten 
Zierden unserer Wilhelmshöhe bildet. Hoffentlich 
werden diese 100jährigen Geburtstage nicht vorüber 
gehen, ohne daß ihrer in würdiger Weise gedacht 
würde. Es wäre eine dankenswerthe Aufgabe des 
Touristen-, Fremdenverkehrs- oder Verschönerungs 
vereins , eine entsprechende Säkularfeier anzubahnen. 
Der Dank all der vielen Tausenden von Verehrern 
unserer herrlichen Wilhelmshöhe würde ihnen sicher 
sein.- 
Hessen-Denkmal. Das Denkmal für die 
im Februar 1807 zu Esch wege auf dem 
„Wertchen- durch die Franzosen kriegsgerichtlich 
erschossenen fünf althessischen Soldaten, welches in 
Nähe ihrer letzten Ruhestätte auf dem ehemaligen 
Friedhofe in den jetzigen städtischen Anlagen errichtet
	        

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