Full text: Hessenland (7.1893)

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Frankreich nach Seligenstadt; sie starb 1824. 
Er war Vater von drei Töchtern und einem 
Sohne. Auguste Kopp wurde am 15. Juni 
1814 geboren, verheirathete sich an den Gymnasial 
lehrer. späteren Gymnasial-Direktor Georg 
Wilhelm Matthias (gestorben 1870) und starb 
zu Kassel am 15. August 1890; RosalieKopp 
wurde am 12. November 1815 geboren, verheirathete 
.sich an den Regierungs-Assessor, späteren Finanz 
rath Ludwig Schrader und starb zu Kassel 
am 25. Dezember 1839; Anna Kopp, geboren 
7. Februar 1821, starb ledig zu Hanau am 14. 
Oktober 1891. Hohe Berühmtheit erreichte der 
Sohn 
Hermann Kopp. Geboren zu Hanau am 
30. Oktober 1817 besuchte er das dortige Gym 
nasium und studierte seit 1835 zu Heidelberg 
und Marburg Naturwissenschaften. Am 31. 
Oktober 1838 wurde ihm auf Grund einer Disser 
tation de oxydorum densitatis calculo reperien- 
dae modo der Titel eines Doktors der Philosophie 
verliehen , nachdem er bereits 1837 ein neues 
Differentialbarometer konstruirt und in Po g g en 
do rffs Annalen beschrieben hatte. Er ging 
dann nach Gießen, wo er sich weiter ausbildete 
und 1841 als Privatdozent niederließ. An der 
dortigen Universität wurde er 1843 zum außer 
ordentlichen und 1853 nach Liebigs Abgang 
zum ordentlichen Professor ernannt. 1864 folgte 
er einem Ruf nach Heidelberg. Seine Studien 
hatten anfänglich den Naturwissensdiaften im all 
gemeinen, insbesondere aber der Physik und Chemie 
gegolten, in Gießen entschloß er sich unter Lie 
bigs Einfluß, sich ausschließlich der Chemie zu 
widmen. Seine frühere Beschäftigung mit der 
Physik führte ihn jedoch dazu, sich vorzugsweise 
mit den auf der Grenzscheide zwischen Physik und 
Chemie liegenden Fragen zu beschäftigen. Auf 
diesem Gebiete hat er bahnbrechend gewirkt, er 
wurde der Begründer der physikalischen Chemie 
als selbstständige Wissenschaft. Daneben widmete 
er sich krhstallographischen Studien vor allem den 
Untersuchungen über die Geschichte der Chemie, 
über welche er von 1843—47 ein vierbändiges 
Werk herausgab; eine zweite Auflage dieses Werks 
ist leider trotz den Vorarbeiten dazu nicht er 
schienen. Er las abwechselnd über theoretische 
Chemie, Krystallographie, Meteorologie und 
physische Geographie und auch über die Geschichte 
der Chemie. 1849 (1850) erschien die Einleitung 
in die Krystallographie mit einem prächtigen 
Atlas. Neben der Abfassung zahlreicher Gelegen 
heitsschriften gab er seit 1849 (bis 1857 mit 
Liebig, von da an bis 1862 mit Will) ge 
meinschaftlich die Jahresberichte über die Fort 
schritte der reinen pharmazeutischen und technischen 
Chemie, der Physik, Mineralogie und Geologie 
heraus, wovon er 1862 aus Mangel an Zeit 
zurücktrat. Seit 1851 war er an der Heraus 
gabe der von Liebig begründeten chemischen 
Zeitschrift, später „Liebigs Annalen" genannt, 
lebhaft betheiligt, und zwar an der Herausgabe 
von 190 Bänden. Die historische Kommission 
der Akademie der Wissenschaften zu München 
ertheilte ihm in Folge dessen den Auftrag, für 
die von ihr herausgegebene Geschichte der Wissen 
schaften in Deutschland die Entwicklung der 
Chemie darzustellen. In Folge dessen gab er 
1872 eine Entwicklung der Chemie in der neueren 
Zeit heraus und verfaßte in den achtziger Jahren 
dieses Jahrhunderts eine zweibändige Geschichte 
der Alchymie, in welcher er die Bedeutung der 
alchymistischen Lehren für die Kulturgeschichte 
darlegte. Nachdem er eine zweimalige förmliche 
Berufung nach Berlin und Einladung dorthin 
und nach Leipzig überzusiedeln abgelehnt hatte, 
feierte er als Großherzoglicher Geheimer Rath 
am 1. September 1888 sein fünfzigjähriges 
Doktordiplom unter großen Beweisen der An 
erkennung von allen Seiten. Er starb am 20. 
Februar 1892 zu Heidelberg. Verheirathet war 
er mit Johanna Tiedemann aus Bremen, 
welche ihn mit einer Tochter Therese beschenkte, 
die an den Professor Eugen Baumann zu 
Freiburg im Breisgau verheirathet ist. 
>er alle Herr Professor. 
von H. Keller-Jordan. 
(Schluß.) 
)rau Schulte sah das Alles mit unerklärlicher 
Angst. Was war mit ihm vorgegangen? War 
es denn möglich, hätte Er, gerade Er, für den 
ihr die Reinste kaum rein genug schien — hätte 
Er eine Unwürdige geliebt? Und mit einer 
Liebe, die vierzig Jahre lang begraben lag um 
dann mit socher Wucht aus ihrer Gruft zu 
steigen — so lebendig — so rührend lebendig? 
So gäbe es doch dämonische Kräfte, auch in 
schwachen, elenden Menschen, die sie fähig
	        

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