Full text: Hessenland (7.1893)

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würde." Allerdings befanden sich viele Söhne 
von hessischen Förstern bei dem Jägerkorps, die 
sich aber sammt und sonders freiwillig hatten 
anwerben lassen. 
Die Jäger hatten noch die Vortheile, heißt es 
in dem Werke von M. von Eelking weiter, daß sie 
eine höhere Löhnung erhielten, von aller Schanz 
arbeit befreit waren und auch eine bessere Aus 
rüstung erhielten. Ihre Kleidung bestand in 
Hüten, grünen Fräcken mit karmoisinrothen 
Kragen und Aufschlägen, gelben Westen mit 
Goldborten und kurzen engen Hosen mit langen 
Gamaschen. Als Bewaffnung führten sie eine 
Büchse, ein Schußtäschchen, das vorn getragen 
wurde und einen Hirschfänger, der jedoch nicht 
aufgepflanzt werden konnte. Ihr Gepäck bestand 
in einem umgehängten Ranzen und einer Feld 
flasche. Die Feldkessel waren für ganze Ab 
theilungen bestimmt. — Am 25. Mai wurden 
500 Mann Hessen-Kasseler in Bremerlehe ein 
geschifft , nachdem sie dort vom britischen Oberst 
F a u c i t, der von Hannover herüber gekommen 
war, vereidigt worden waren. Bei diesen Mann 
schaften befanden sich auch die zwei neugebildeteu 
Jägerkompagnien, die am 8. März aus Kassel 
unter Major von Prüschenk abmarschirt waren. 
Kurz vor dem Einschiffen ließen sich noch neun 
Jäger mit ihren Liebsten, die sie aus Hessen mit 
gebracht hatten, durch den dortigen lutherischen 
Pfarrer in der Karlsstadt unter freiem Himmel 
und unter einem großem Volkszulaufe trauen. — 
Nachdem der britische General en chef William 
Howe sich vergebens bemüht hatte, den Ober 
befehlshaber der amerikanischen Truppen George 
Washington aus dem festen Lager von Moris- 
town zu locken, verließ die königliche Armee, 
Ende Juni 1777, Jersey und ging nach Staaten - 
Jsland. Dort wurde das Hauptkorps ein 
geschifft, um gegen Philadelphia zu operircn. 
Am 23. Juli segelte die Expedition ab, an deren 
Spitze sich außer dem General en chef die 
Generallieutenants Lord Cornwallis und von 
Knyphausen befanden. Erst am 15. August 
erreichte die Flotte die Chesapeak-Bay, segelte 
hinauf bis zum Elkflusse und begann am 
25. August die Ausschiffung bei Head of Elk, 
um von hier aus auf Philadelphia zu marschiren. 
Hauptmann -Ewald, der wieder so weit her 
gestellt war, daß er seinen Dienst zu Pferde 
verrichten konnte, wohnte dieser Expedition mit 
dem ganzen Jügerkorps bei. Dieses erhielt 
Gelegenheit, sich auf dem Marsche vom Elkfluffe 
nach dem Schuylkillflusse, am 3. September, ganz 
besonders hervorzuthun, indem es ein über 
legenes feindliches Korps unter dem General 
Maxwell, vor Jren-Hill an der Crutscher-Mühle, 
zurückschlug und demselben einen bedeutenden 
Verlust beibrachte. Ewald führte an diesem 
Tage die Avantgarde des Jägerkorps und be 
gann den Angriff, der dann von dem ganzen 
Korps unterstützt und durchgeführt wurde. Der 
General Howe belobte das Jägerkorps am 
folgenden Tage in einem Tagesbefehle, der 
lautete: 
„Die herzhafte Art und Weise, mit welcher 
der Oberstlieutnant von Wurmb, alle übrigen 
Herren Offiziere und die ganze Mannschaft des 
Jägerkorps gestern den Kern der feindlichen 
Armee über die Gebirge bei Crutscher-Mühle 
geschlagen haben, verdient das höchste Lob und 
die vollkommenste Erkenntlichkeit des Generals 
en chef und hat die größte Bewunderung der 
ganzen Armee auf sich gezogen." 
Jeder bei diesem Gefechte gewesene Jäger 
erhielt noch vom General Howe 5 bis 10 Thaler 
zum Geschenke. 
Als General Washington, der mit etwa 
14000 Mann hinter dem Brandywilicfluffe 
Stellung genommen hatte, am 11. September 
angegriffen und geschlagen wurde, führte Ewald 
gleichfalls die Avantgarde von der Kolonne unter 
General Cornwallis. Die hessischen Jäger 
hatten hier wieder Gelegenheit, glänzende Proben 
ihres Muthes und ihrer Ausdauer abzulegen. 
Die Hauptleute Ewald und von Wreden, sowie 
der Oberjäger Bickell hatten sich ganz besonders 
ausgezeichnet; den beiden ersten wurde in An 
erkennung ihrer Verdienste der Orden xour 1a 
vertu militaire verliehen, der letztere wurde 
zum Offizier befördert. 
Nachdem die königliche Armee über den 
Schuylkillfluß gegangen war und Lord Corn 
wallis am 26. September Philadelphia ruhig 
in Besitz genommen hatte, erhielt das Jägerkorps 
am Schuylkill, hinter Wissahickon-Creck seine 
Stellung, um die linke Flanke der Armee zu 
sichern. Auf diesem Posten erlebte Ewald, wie 
in dessen Biographie in F. W. von Mauvillon's 
„Militärischen Blättern von 1821" berichtet 
wird, einen merkwürdigen Beweis von Dank 
barkeit. Durch uneigennütziges und edles Be 
tragen gegen die Einwohner hatte er sich große 
Achtung und persönliche Ergebenheit bei den 
selben erworben. Einer von ihnen, dessen Eigen 
thum Ewald in Schutz genommen hatte, suchte 
den Hauptmann am Abend des 3. Oktober auf, 
zog ihn bei Seite und redete ihn mit bewegter, 
abgebrochener Stimme mit folgenden Worten au: 
„Mein Herr, ich gestehe Ihnen, daß ich kein 
Freund des englischen Gouvernements bin; aber 
Sie haben mir Menschenliebe bewiesen, die kein 
Soldat je vergessen sollte, und ich will Ihnen 
zeigen, daß ich erkenntlich bin. Sie dienen in 
einem Korps, welches bei einem feindlichen An-
	        

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