Full text: Hessenland (7.1893)

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selben Augenblicke auf die am Wege nach Bound 
brook befindliche Feldwache gestürzt und hatte 
dieselbe zurückgeworfen. Ewald sandte eine Ab 
theilung zur Deckung seiner rechten Flanke ab 
und eilte mit 16 Jägern den Angegriffenen zu 
Hilfe. Da verzieht sich plötzlich der Nebel und 
Ewald sieht hinter einem Hohlwege eine große 
feindliche Linie aufgestellt, die sofort eine Salve 
abgibt. Die so plötzlich überraschten Jäger ergreift 
ein panischer Schrecken, eiligst laufen sie zurück 
und lassen ihren Hauptmann allein. Dieser 
weicht nicht und ruft den Fliehenden nach: „Wollt 
ihr zum Teufel laufen, so will ich allein da bleiben!" 
— Nur e i n Jäger bleibt stehen und antwortet: 
„Nein, Herr Hauptmann, sie sollen nicht allein 
bleiben," und seinen Kameraden ruft er zu: 
„Kerls steht! Nur ein Hundsfott läuft weg." 
Das wirkte. Die Jäger kamen wieder zur Be 
sinnung, kehrten um und hielten Stand, bis 
Unterstützung kam und der Feind zurückgeworfen 
wurde. Der Jäger, der zuerst stehen geblieben 
war und seine Kameraden zur Umkehr bewogen 
hatte, hieß Bauer, und stammte aus dem Ans- 
bach'schen. Als Ewald die beiden Jäger-Kom 
pagnien in Kassel errichtete, bot er seine Dienste an, 
da er aber kein empfehlenswerthes Aeußere hatte, 
auch kein forstgerechter Jäger war, so wies ihn 
Ewald ab. Die Kompagnie schoß damals in der 
Waldau nach der Scheibe und Bauer bat den 
Hauptmann, ihm einige Schüsse zu gestatten, was 
ihm derselbe lächelnd gestattete, während sich die 
umstehenden Jäger über den plump aussehenden 
Burschen lustig machten. Bauer zeigte sich dabei 
als einen so ausgezeichneten Schützen, daß Ewald 
mit ihm eine Ausnahme machte und ihn auf 
der Stelle in seine Kompagnie aufnahm. Bald 
sollte Bauer seinen Muth und seine Anhänglich 
keit an den Hauptmann und die Truppe noch in 
stärkerer Weise bekunden. Ewald unternahm in 
der Nacht des 24. Mai einen Streifzug mit 11 
Jägern und 30 Dragonern nach Boundbrook zu. 
Er gerieth bei Tagesanbruch in einen Hinterhalt 
und schien verloren, denn von allen Seiten um 
ringten ihn die ihm an Zahl zehnfach überlegenen 
Amerikaner. Zum Unglück stürzte Ewald noch 
mit dem Pferde und blieb am Wege liegen. 
Er hatte nur die Dragoner bei sich, während 
die Jäger die Unterstützung bildeten. Als das 
Pferd ihres Hauptmanns ohne diesen auf sie zu 
gerannt kam, sprangen drei Jäger rasch vor, um 
den Gefallenen aufzusuchen, koste es was es wolle. 
Sie achteten des Kugelregens nicht, der sich über 
sie ergoß, fanden ihren Führer, der eine starke 
Kontusion davongetragen hatte, und brachten 
ihn in Sicherheit. Da bemerkte Bauer, der unter 
den Dreien war, daß Ewald's Hut fehlte. „Den 
müssen wir haben," sagte er zu den beiden an 
deren, „denn sonst tragen morgen die Hundsfötter 
den Hut unseres Hauptmanns im Triumphe nach 
Boundbrook hinein." Ewald vermochte nicht, sie 
zurückzuhalten; trotz des Kugelregens gelang den 
Braven das Unternehmen, sie brachten den Hut 
zurück, den sie mit freudestrahlenden Augen wie 
eine Trophäe dem Hauptmann überreichten. Ewald 
wurde zur Heilung der erhaltenen schweren Kon 
tusion nach Brunswick gebracht und mehrere 
Wochen hatte er zu leiden, ehe er so weit her 
gestellt, daß er seinen Dienst wieder aufnehmen 
konnte. 
Während Ewald noch auf dem Krankenbette 
lag, erhielt er die Nachricht, daß zu den beiden 
Jägerkompagnien noch zwei neue, darunter eine 
reitende, errichtet würden, daß diese vier 
Kompagnien ein geschlossenes Ganze unter dem 
Kommando des Oberstlieutenants von Wurmb 
bilden sollten und daß der Rittmeister von 
Prüschenk als Major dabei angestellt werden 
würde. Ueber die Anwerbungen zur Verstärkung 
des hessischen Jägerkorps während des Winters 
1776—1777 im Heimathlande Hessen heißt es 
in dem angeführtem Werke von M. von Eelking: 
Die Anwerbungen hatten einen guten Fortgang. 
Man nahm hierzu nur gelernte Jäger oder Leute, 
die mit der Büchse gut umzugehen wußten, auch 
jagdkundig waren. Sie wurden unter besseren 
Bedingungen angeworben, als die übrigen Mann 
schaften, erhielten auch, außer dem erhöhten fest 
gesetzten Werbegeld, noch extra einen Louisd'or 
zur Anschaffung der nöthigsten Bedürfnisse. 
Später, als der Andrang nicht mehr so groß 
war, erhielt der Ausländer sogar vier Louisd'or, 
der Inländer drei Louisd'or und derjenige, der 
einen Jäger anwarb, einen Louisd'or. Das 
Werbebureau unter Hauptmann Romstädt war 
in Waldau bei Kassel errichtet. Nicht gewaltsam 
wurden die Leute in die Kompagnien gesteckt, 
die Werbung war eine durchaus freiwillige. 
Wir lesen darüber in der Kasseler Zeitung vom 
27. Januar 1777: 
„Da zur Rekrutirung des in Amerika sich 
befindlichen hessischen Korps kein einziger Mann 
aus dem Lande genommen, sondern durch Frei 
willige der etwaige Abgang ersetzt wird, so hat 
man um so weniger bei den aufzurichtenden 
Jägerkorps nothwendig, auf eine Ausnahme zu 
sehen, da ohnehin der hohe Sold und übrige 
zu hoffende Vortheile den Zulauf stark genug 
machen. Es ist also grundfalsch, was eine ge 
wisse öffentliche Zeitung meldet, daß nämlich 
das in Amerika schon befindliche Jägerkorps durch 
starke Aushebungen vermehrt werde und 
vorzüglich die Förstersöhne häufig wegge 
nommen würden, dergestalt, daß Eltern von 
drei bis vier Söhnen nicht ein einziger gelassen
	        

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