Full text: Hessenland (7.1893)

188 
3. Kurt Michael Karl von Ko pp, 
geboren am 20. Mai 1881 zu Diedenhofen. 
Als Wappen führt die Familie von Ko pp 
in Gold einen mit grünem Lorbeerkranz gekrönten 
schwarzen Kopf eines Mohren, als Kleinod drei 
goldene Kornähren mit Blättern, die Helm- 
decken schwarz-golden. 
(Fortsetzung folgt.) 
>err 
Wrosessor. 
von H. Keller-Jordan. 
(Fortsetzung.) 
r legte jetzt die Zinkplatte, die er in schwefel 
saurem Zinkoxyd aufgelöst, auf den Tisch und 
schritt nun, doch endlich die wahrhaft drückende 
Luft im Zimmer bemerkend, zum Fenster und 
öffnete beide Flügel. Eine reiche heiße Spät 
sommerluft strömte ihm entgegen und legte sich 
erquickend um seine erdrückenden Schläfen. Ueber 
dem Stück Welt, welches zwischen der gegenüber 
liegenden Häusermasse sichtbar wurde, lag ein 
feiner Dunst und dämpfte die Glut der Sonne, 
die sich nur zuweilen mühselig Bahn durch die 
Wolken brach. Der alte Herr liebte das eng 
begrenzte Bild, in welchem sich der schmale 
silberhelle Fluß durch die üppigen Aecker und 
Wiesen zwängte und dann hinter dem hohen Vor 
sprung der Bergkette verschwand. Es ließ sich 
dabei träumen, wenn maw seine Welt im Herzen 
trug, und die Bilder sich von selbst in schaffender 
Phantasie aneinanderreihten. 
Der alte Herr Professor hatte sich in den 
letzten Tagen über seine Kräfte hinaus müde 
gearbeitet, er hatte bei den interessanten Experi 
menten Welt und Zeit vergessen und sank jetzt, 
anstatt wie er sonst zu thun pflegte, seinen Rock 
zu wechseln und Hut und Stock zum Spazier 
gang zu nehmen, müde auf einen Stuhl, der 
neben dem Erker stand. 
Ein heißer, föhnartiger Wind spielte in dem 
feinen Geäste der Eschen, die in gerader Linie 
die Straße besäumten, die querfeldein durch die 
Aecker zum nächsten Dorfe führte, und machte 
ihm das Blut noch schwerer und unbequemer. 
Er strich mit seiner schmalen Hand durch die 
spärlichen, weißen Haare, zog den Stuhl bis 
dicht an die geöffneten Flügelthüren des hervor 
springenden Erkers und ließ die Luft, die immer 
bewegter wurde, um seine Schläfe wehen. Er 
sah in die schwarzen Wolken, die im dunstigen 
Aether ruhelos hin und her jagten, bald sich zer- 
stückten und dann wieder in schweren phantastischen 
Gebilden am Horizonte hingen. Es war eine 
Luft und ein Wolkenjagen, das etwas Be 
ängstigendes hatte und sich fast wie ahnendes 
Ungemach auf die Seele legte. 
Das zufriedene Lächeln, welches das Edi- 
sonlicht vorher auf die Lippen des Forschers 
gezaubert, war nach und nach einem ernsteren 
Ausdruck gewichen, der ihm beinahe etwas 
Fremdes gab. 
Seine Gedanken mochten wohl eine nachdenkende 
in die eigene Tiefe führende Wendung genommen 
haben, wenigstens folgten seine Augen träumend 
dem blauen Wellengekräusel des Wassers, das 
vom Föhn sanft gehoben, rastlos in die Ferne 
trieb. 
Es mußte eine eigenthümliche Stimmung sein, 
die den Professor in Banden hielt, denn Stunde 
um Stunde verrann, und erst, als die Sonne 
sich hinter den hin und her jagenden Wolken zu 
senken begann, erhob er sich von seinem Platze 
und sah eigenthümlich bewegt in die leuchtenden 
Gluten und in die sich mehr und mehr mit 
Purpur überfluthende Landschaft. 
Die Thür des Zimmers hatte sich geräuschlos 
geöffnet und seine Hauswirthin, Frau Schulte, 
war leise über die Schwelle geschritten. 
„Sind Sie krank, Herr Professor," fragte sie 
theilnehmend, indem sie bis dicht vor den Erker 
trat und besorgt in das eigenthümlich erregte 
Gesicht des Greises sah. 
„Krank? Nein, Frau Schulte, aber ich habe 
mich doch wohl in den letzten Wochen bei allen 
physikalischen Versuchen und Studien zu sehr 
überarbeitet, denn als ich heute mit den 
Präparaten fertig war, fühlte ich mich zu müde, 
um spazieren zu gehen." 
„Zu müde? Ei, ei", sagte kopfschüttelnd die 
alte Dame, indem sie mit den welken Händen 
über ihre Schürze strich, „das habe ich ja noch 
nie von Ihnen gehört, und zudem sehen Sie 
heute so jung und strahlend aus, wie ich Sie 
selbst vor 35 Jahren nicht gefunden. Was ist 
mit Ihnen vorgegangen, Herr Professor, es sieht 
ja beinahe aus, als habe auch Sie das Edisonlicht 
mit seinem Glanze gestreift und Ihnen neue 
Jugend verliehen." 
Der alte Herr lächelte, warf noch einen langen 
auf die mit goldenen Spitzen umsäumten Wolken,
	        

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