Full text: Hessenland (7.1893)

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Und so wurde denn auch der Fürst, nachdem 
er den Frieden wieder hergestellt hatte, nebst 
seinem Minister ob dieser That in über 
schwänglicher Weise gepriesen. Die Stadt 
Kassel ernannte meinen Großvater wegen seiner 
Verdienste um den Baseler Friedensschluß zum 
Ehrenbürger, und der Residenz folgten mehrere 
Landstädte nach. Auch wir, die wir den 
damaligen Zeitverhältnissen wohl erst jetzt völlig 
objektiv gegenüberstehen, dürfen den Vertrag 
schon um deswillen nicht tadeln, weil er unserem 
engere'.: Vaterlande reichlich für elf Jahre den 
ungestörten Genuß des Friedens verschafft hatte, zu 
einer Zeit, in welcher ganz Europa von Waffen 
starrte und die an Hessen angrenzenden Land 
striche auf das äußerste verwüstet wurden. Wir 
müssen vielmehr den vom Landgrafen Wilhelm IX. 
am 28. August 1795 zu Basel abgeschlossenen 
Friedensvertrag in der Weise beurtheilen, in 
welcher er sich dem kühlen Geschichtsforscher der 
Gegenwart darstellt: als einen geschickten Schach 
zug der landesfürstlichen Staatskunst, als ein 
gutes Abkommen in böser Zeit. 
Hefchichle der Aamilie Mopp und von 
von Klio Gerlsnö- 
(Fortsetzung.) 
1. Ulrich FriedrichKopp wurde zu Kassel 
mpp. 
am 18. März 1762 geboren, studierte die Rechte und 
wurde zunächst Assessor bei der Regierung zu Kassel, 
1802 Direktor des Hofarchivs und und 1803 Ge 
heimer Kabinetsrath. Als Regierungs-Assessor 
hatte er den Vorsitz im Konsistorium zu führen, 
und da er noch ziemlich jung war, so ärgerte dies die 
älteren geistlichen Mitglieder, welche ihm deshalb 
beim Verlassen des Sitzungszimmers den Vor 
tritt streitig machten. Er beendigte diesen Streit 
auf eine ebenso einfache als scherzhafte Weise, 
indem er dem vor ihm herschreitenden geistlichen 
Herrn auf den nach damaliger Sitte über der 
Schulter getragenen Mantel trat und dann an 
dem also Gefesselten vorbei zur Thür hinaus 
eilte. Er gehörte in Kassel zu den bekanntesten 
Persönlichkeiten, was sowohl durch seinen scherz 
haften, launigen Verkehr mit dem Volk, der sehr 
von dem Auftreten anderer Beamten abstach, als 
auch durch sein auffallendes Wesen hervorgerufen 
wurde. Wenn er nicht gezwungen war, in Uniform 
und mit langem Zopf zu erscheinen, dann ging 
er oft in einer kurzen Reitjacke, gelbledernen Reit 
hosen und hohen Reiterstiefeln, mit einer Beutel 
mütze auf dem Kopfe und trug dann einen ganz 
kurzen Zopf unter dem Jackenkragen versteckt. 
Er war ein leidenschaftlicher Reiter, so daß er 
oft, wenn er nach langem Studieren das Be 
dürfniß zum Reiten empfand, sich gar nicht die 
Zeit nahm, das Pferd zu satteln, sondern auf 
ungesatteltem Pferde ritt. Als seine noch zu 
erwähnenden Brüder sich adeln ließen, erklärte 
er auf deren Aufforderung, sich gleichfalls adeln 
zu lassen: „So lange ich noch einen Kopf habe, 
will ich Kopp heißen." Im Jahre 1804 gerietst 
er in Streit mit Kurfürst W i l h e l m I., verließ 
deshalb den hessischen Staatsdienst und zog nach 
Heidelberg, wo er 1809 zum Ehrenprofessor er 
nannt wurde. Durch seinen heiteren Verkehr 
mit den Studenten war er zwar bei diesen sehr 
beliebt, für seine Vorlesungen über Diplomatik 
und Heraldik fand er aber namentlich wegen 
seines zu einem öffentlichen Vortrag wenig 
geeigneten Sprachorgans so wenig Zuhörer, daß 
er seine Professur aufgab und sich in das Privat 
leben nach Mannheim zurückzog. Als 1831 
Belgien sich gegen die niederländische Herrschaft 
erhob, begab er sich nach Holland, um trotz seiner 
69 Jahre gegen die Aufständischen zu kämpfen, 
wurde aber dort nicht angenommen. Er starb 
als Großherzoglich Badischer Geheimer Kabinets 
rath am 26. März 1834 zu Kassel gelegentlich 
einer zum BesuchKarlFriedrich Hermann's 
dorthin unternommenen Reise. Verheirathet war 
er mit N. N. von Lars zu Kassel und wurde 
Vater einer Tochter, welche an den Professor 
D a h m e n zu Heidelberg und Freiburg im Breis 
gau verheirathet war. 
Von seinen Schriften seien hier nur zwei er 
wähnt : Handbuch zur Kenntnis der hessen-kassel- 
schen Landes-Verfassung und Rechte in alpha 
betischer Ordnung, 2 Theile, Kassel 1796, die 5 
weiteren Theile bis „Rauchtabak" sind von 1798 
bis 1808 von Wittich herausgegeben. 
Bruchstücke zur Erläuterung der deutschen Ge 
schichte und Rechte, 2 Bände, Kassel 1799, 1800. 
Ueber Diplomatik hat er auch Schriften hinter 
lassen. 
2. Karl Friedrich Kopp (von Kopp) 
wurde am 4. Januar 1764 geboren, war 1787 
Assessor und Sekretär beim Kriegskollegium zu 
Kassel, später Kriegsrath und starb am 7. Sep 
tember 1837 als Kurfürstlich Hessischer Finanz 
minister zu Kassel in seinem oben am Rondel
	        

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