Full text: Hessenland (7.1893)

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der gesummte Marburger 8.-0. in vollem Wichs mit 
traucrumflorten Fahnen, unter Vorantritt des Korps 
nHasso-Nassovia", dem Grimm während seiner 
Marburger Studienzeit als aktives Mitglied angehört 
hatte. An der Grabstätte angelangt, ergriff Pfarrer 
Scheffer das Wort zu einem tiefempfundenen Nach 
ruf. — Nach Beendigung der Trauerfeier am Grabe 
zogen die drei Korps zum üblichen Schlägerschlagen 
nach dem Marktplätze und von da nach dem Saal 
bau. um das Andenken des Verstorbenen noch mit 
einem Trauersalamander zu ehrend 
Hessische Zeitungen berichten: Eine in kunstge 
schichtlicher Hinsicht interessante Entdeckung wurde vor 
kurzem in dem Keller des Landrathsamtsgebäudes 
zu Schmalkalden gemacht. Da bereits bekannt 
war, daß dort Malereien aus alter Zeit sich be 
fänden, so wurden aus Veranlassung des Landraths 
Dr. Hagen von Geh. Rath Professor Haase und 
einigen andern Sachkennern Nachforschungen angestellt, 
welche an der Decke des gegenwärtig als Kohlen 
behälter dienenden Raumes das Vorhandensein von 
alten Gemälden ergaben, welche den Abschied 
der hl. Elisabeth, Landgräsin von Thüringen und 
Hessen, von ihrem Gemahle Ludwig darzustellen 
scheinen, der sich im Jahre 1227 einem Kreuzzuge 
anschloß. Auf der Abreise zu demselben hatte die 
jugendliche Gattin von Eisenach aus dem Gemahl 
bis Schmalkalden das Geleit gegeben. Die von 
.dem Hennebergischen Chronisten Geisthirt genau 
beschriebene Abschiedsscene scheint mit den aufge 
fundenen Gemälden übereinzustimmen. Die weitere 
Forschung wird wohl klarstellen, ob das in Rede 
stehende Gewölbe mit der thatsächlich einst hier be 
standenen Kapelle der hl. Elisabeth im Zusammenhang 
steht, was höchst wahrscheinlich ist. 
Hessische Kücherschau. 
Bericht der Wetterauischen Gesellschaft 
für die gesammte Naturkunde zuHanau 
1. April 1889 bis 80. November 1892 
erstattet von Carl Knoop. 92 S. (Mit 
1 photographischen Tafel.) Hanau, Waisen 
haus-Druckerei 1893. 
Der vorliegende Band enthält außer dem Bericht 
über das Vereinsleben innerhalb des Zeitraumes 
vom 1. April 1889 bis 30. November 1892, er 
stattet von dem zeitigen Direktor Realschuloberlehrer 
Knoop, dem Nachfolger des langjährigen Vorstands 
der Gesellschaft Realschul - Direktor a. D. Friedrich 
Becker, vier werthvolle naturwissenschaftliche Ab 
handlungen. Anton Appun entwickelt in aus 
führlicher und theoretisch begründeter Darlegung ein 
natürliches Harmoniesystem mit besonderer Rücksicht 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: 
auf Anwendung in der musikalischen Praxis, ver 
bunden mit einer Anleitung zur Behandlung eines 
neu construirten Instrumentes mit reiner Stimmung, 
ohne Aenderung der gewöhnlichen Claviatur. — 
D. Paulstich giebt im Auftrag des Vorstands der 
Gesellschaft ein Verzeichniß der Brut- und Durchzugs 
vögel von Hanau und Umgebung, gegründet auf 
15jährige eigene Beobachtungen. — A v. Reinach, 
der an der geologischen Aufnahme des Blattes Hanau 
arbeitet, erstattet Bericht über seine bisherigen Resultate 
und behandelt den Untergrund von Hanau und seiner 
nächsten Umgebung — Zum Schluß beschreiben 
E. Limpert und R. Röttelberg eine seltene 
Varietät eines Schmetterlings, eines Spanners Biston 
Hirtarius L. var: Hanoviensis Heymons. Letzterer 
Abhandlung ist eine photographische Tafel mit 8 
Abbildungen beigegeben. —n. 
F. v. Sandberger, Ueber den Vulkan von 
Schwarzenfels bei Brückenau. — 
Sitzungsberichte der physikalisch - medizinischen 
Gesellschaft zu Würzburg, Jahrgang 1892 
Nr. 6, S. 95. Würzburg, Stahel 1893. " 
Ueber den genannten geologisch hochinteressanten 
Punkt unseres südlichen Hessenlandes hielt Hofrath 
v. Sandberger, der Geologe der Würzburger Uni> 
versität, in der Sitzung der physikalisch - medizinischen 
Gesellschaft am 18. Juni v. I. einen Vortrag. Er 
stellte darin fest, daß an dem in Rede stehenden Orte 
zweierlei Eruptionen stattgefunden haben, zuerst eine 
solche von Feldspathbasalt, dann eine von Dolerit. 
Die erste fand am Schelmeneck statt, und ihr gingen 
voraus reichliche Auswürfe von Basaltasche und ge 
glühten Urgebirgs - Felsarten, wie Gneiß, Granit, 
Gabbro und Olivinfels. Die zweite Eruption 
förderte lediglich doleritisches Material zu Tage, welches 
die basaltischen Produkte am Hopfenberge in großer 
Mächtigkeit überdeckt. Sie ist, wie die erste, aus 
einer Gangspalte erfolgt, deren Lava dann oben 
stromartig übergeflossen ist. Die Doleritbomben, 
welche in gelblicher Doleritasche eingeschlossen liegen, 
sind meist schon halb entglast und eckig, also rasch erstarrt. 
Schwarzenfels ist, wie der Vortragende be 
merkt, einer der wenigen Orte in Deutschland, wo 
sich die Unterschiede und Altersverschiedenheiten von 
Basalt und Dolerit so ausgezeichnet schön nachweisen 
lassen und nimmt in dieser Beziehung sogar den 
Rang vor dem Meißner und Ortenberg ein. — n. 
Inhalt des Zuniheftes (Nr. 12) der „Touristischen 
Mittheilungen aus Hessen und Waldeck": Der Bilsteinthurm 
bei Großalmerode. — Geschichte der Stadt Schwarzenborn. 
(Schluß.) — Berichte. — Botanisches. — Litteratur. — 
Anzeigen. 
F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel'
	        

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