Full text: Hessenland (7.1893)

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lich mindestens einmal zusammen, um an den Ufern 
der Spree oder der Havel, sowie im Grünewald 
chatnscher Wanderlust Genüge zu thun. — Die Be 
ziehungen zur alten Heimath Hessen werden in 
treuester Weise gepflegt. Dem vom Feuer heim 
gesuchten Immenhausen konnte der Ertrag einer 
Sammlung aus dem Kreise der Vereinigung über 
wiesen werden. — Alle vorübergehend in Berlin 
weilenden hessischen Landsleute sind an den Vereins 
abenden auch ohne besondere Einführung herzlich 
willkommen. — Der Bericht führt die Namen der 
Mitglieder der Vereinigung an. Es sind wohlbekannte 
Namen, die in unserem alten Hessenlande durchgängig 
einen guten Klang haben. — Wir wünschen der 
hochschätzbaren Vereinigung das beste Blühen und 
Gedeihen. 
Von dem Altmeister deutschen Gesanges, dem 
Musikdirektor Ludwig Liebe in Constanz, sind 
eben bei Fr. Luckhardt in Berlin zwei neue Werke 
erschienen (op. 149 und 150), deren Texte sämmtlich 
aus unseres hessischen Landsmannes Carl Pr es er 
„Gedichten- genommen sind. 
Das erste Werk enthält nur deutsche patriotische 
Gesänge in erhebenden, herz-erquickenden Melodien, 
wie namentlich der Chor: 
Es braust ein mächtiger Liederstrom, 
Wie Glockenklang von hohem Dom, 
Durch Deutschlands weite Marken, — 
in welchem der Uebergang von 0- nach As-dur in 
der Crescendostelle: 
Sein Quell, das ist der deutsche Geist, 
von zündender Wirksamkeit ist. Die Chöre „Deutscher 
Geiste „Du deutscher Wald-, „Rheinweinduft- und 
„Die Nordsee- sind wirklich Perlen patriotischer 
Chöre. 
Würdig hieran reihen sich die Chöre des zweiten 
Werkes (op. 150 ). „Die Rhein-Undine-, im 
Volkston gehalten, erscheint in einer Komposition, 
die sehr bald als Volkslied erklingen wird, und uns 
Deutsche vielleicht noch von dem Vorwurfe befreit: 
daß wir, wenn wir recht l ustig seien, nichts anderes 
zu singen wüßten, als „Ich weiß nicht, was soll es 
bedeuten, daß ich so traurig bin.- Ein ungemein 
ansprechender Chor in diesem Hefte ist das Lied 
„Erwache mein Kind.- 
Wir glauben auf diese Erscheinungen unsere 
hessischen Männergesang-Vereine aufmerksam machen 
zu sollen. 
Wir freuen uns, berichten zu können, daß die 
Intendanz der König!. Schauspiele zu Kassel ein 
kürzlich von Franz T r e l l e r eingereichtes einaktiges 
Lustspiel „Die zehnte Legion- zur Aufführung 
angenommen hat. — Am 16. November v. I. ging 
Franz T r e l l e r 's dreialtiges, sich durch originelle 
Handlung sowie durch eleganten humorvollen Dialog 
auszeichnendes Lustspiel „Der neueste Schwank- im 
Stadttheater zu Hanau zum ersten Mal über die 
Bühne und fand großen Beifall. 
Universitätsnachrichten. Professor Dr. 
Max Lehmann in Marburg hat einen Ruf 
als Professor für neuere Geschichte nach Leipzig, 
an des verstorbenen Professors Dr. Wilhelm Mauren- 
brecher's Stelle, erhalten und angenommen. — An 
des verstorbenen Geheimen Negierungsraths Professors 
Dr. R. Greeff's Stelle ist der Privatdozent 
Dr. Eugen Korschelt in Berlin zum ordent 
lichen Professor der Zoologie und Direktor des 
zoologischen Instituts in Marburg berufen worden. 
— Professor Dr. R. Cosack in Gießen ist als 
Professor für deutsches Privatrecht und Handelsrecht 
an die Universität Freiburg i. Br. berufen worden. 
— Die Privatdozenten Dr. phil. Karl Groos 
und Dr. iur. Ludwig Guenth er in Gießen 
sind zu außerordentlichen Professoren, ersterer in der 
philosophischen, letzterer in der juristischen Fakultät, 
ernannt worden. — Der Privatdozent für Zoologie 
Dr. Albert Seitz in Gießen ist zum Direktor 
des zoologischen Gartens in Frankfurt a. M. 
ernannt worden. — Dr. med. Rudolf Armin Fick, 
bisher Prosektor an dem anatomischen Institute der Uni 
versität Würzburg, ist als außerordentlicher Professor 
der Medizin, speciell für Anatomie, an die Universität 
Leipzig berufen worden. Er ist ein Sohn unseres 
hessischen Landsmannes, des rühmlichst bekannten 
Physiologen Professor Dr. Adolf Fick in Würzburg. 
Am 27. Dezember des verflossenen Jahres starb 
zu Kassel nach längerem Leiden im Alter von 
71 Jahren und 4 Monaten der Reichsgerichtsrath 
a. D. Dr. iur. Viktor von Meibom, rühm 
lichst bekannt als ausgezeichneter Jurist und hoch 
geschätzt wegen seiner vortrefflichen Charaktereigen 
schaften von allen, die ihn kannten. Viktor von 
Meibom war am 1. September 1821 zu Kassel 
als Sohn des Generalmajors von Meibom geboren. 
Er besuchte von 1632 bis 1835 das D^eeuui 
Fridericianum und von 1835 bis Ostern 1839 
das Gymnasium seiner Vaterstadt. Nach glänzend 
bestandenem Maturitätsexamen — er erhielt die 
äußerst selten ertheilte Note I, 1 — studierte er 
in Marburg und Berlin Rechtswissenschaft. In Mar 
burg war er ein angesehenes und beliebtes Mitglied 
des Korps Hasso-Nassovia. Nach beendigtem Universi 
tätsstudium und vorzüglich bestandenem Fakultäts 
und Staatsexamen trat er als Referendar bei dem 
kurfürstlichen Obergerichte zu Kassel in den juristischen 
Vorbereitungsdienst. Von 1848 bis 1851 war 
Viktor von Meibom Assessor an dem neu errichteten 
Obergerichte zu Rotenburg. Als im letztgenannten Jahre 
in Folge der Le Hassenpflug'schen September-Ordon
	        

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