Full text: Hessenland (7.1893)

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storbenen hergekommen ist, so gut wie solch ein 
Theil, alsdann soll sich der Ueberlebendc mit 
dieser begnügen. 
8 6. 
Ist eine Frau ihrem Manne fortgelaufen und 
hat Ehebruch, adulterium, getrieben, dann soll 
sie von den nachgelassenen Gütern ihres Mannes 
nicht erben, sondern seine rechten nächsten Erben. 
Gleicherweise, wenn ein Mann seine Frau ver 
lassen und sich dieses Verbrechens schuldig ge 
macht hat. Haben sich beide Theile des Ehebruchs 
schuldig gemacht, dann tritt die oben erwähnte 
Erbfolge ein. 
Zweites Kapitel. 
Von dem Erbrecht der Descendenten. 
8 7- 
Hinterläßt der Verstorbene Kinder oder andere 
Descendenten, so erben diese alle unbeweglichen 
Güter des Verstorbenen, es mögen dieselben 
getheilt oder ungetheilt sein. Der Ueberlebendc 
erbt alle fahrende Habe. 
8 8. 
Den Gebrauch und die Nutzung von diesen 
unbeweglichen Gütern hat der Vater oder die 
Mutter. Dieselben bewahren die Güter und 
sorgen für die Kinder solange bis dieselben 
entweder großjährig werden oder sterben. Als 
dann sollen die Kinder nach Maßgabe der Güter 
entweder ausgestattet oder bestattet werden. 
8 9. 
Ist die fahrende Habe so groß und besser als 
die Hälfte der unbeweglichen Güter, alsdann soll 
der Lebende mit den Kindern alle fahrende und 
liegende Habe gleich theilen und einen Theil, so 
groß wie der eines Kindes ist, nehmen. - 
8 10. 
Solche unbewegliche Erbgüter darf der Lebende 
ohne Einwilligung der Kinder verkaufen, versetzen, 
verpfänden und veräußern nur zur Bezahlung 
der Schulden und zum Lebensunterhalt und zur 
Bestattung. Anderer Gebrauch ist ausgeschlossen. 
8 11- 
Ist der Verstorbene reich gewesen und kommen 
die Güter von ihm her, ist der Lebende arm und 
hat keine fahrende Habe oder kleinere als ein 
Kindes Antheil ist, geerbt, alsdann soll der 
Lebende von den beweglichen und unbeweglichen 
Gütern einen Kindestheil erhalten. 
' 8 12. 
Mit den unbeweglichen Erbgütern, die von 
dem Lebendem allein herkommen, mit der 
fahrenden Habe oder mit dem Kindestheil mag 
derselbe nach seinem Willen handeln und davon 
nach Ordnung der Rechte, Testament oder letztem 
Willen Gebrauch machen ohne Hinderung und 
Einwilligung seiner Kinder, doch so, daß den 
Kindern an den Gütern ihre gebührliche Anzahl, 
legitima genannt, bleibe und ohne rechtliche 
Ursache nicht verletzt werde. 
8 13- 
Haben die Ehegatten zusammen Schulden 
gemacht, so sollen diese Schulden aus ihrer 
Beiden beweglichen und unbeweglichen Gütern 
bezahlt werden. 
8 14- 
Hat ein Theil allein Schulden vor oder nach 
der Ehe gemacht, so soll die Schuld aus den 
unbeweglichen und beweglichen Gütern desjenigen 
bezahlt werden, der die Schulden gemacht hat. 
8 15. 
Haben Mann und Frau ihre unbeweglichen 
Güter mit einander erworben und überlebt ein 
Theil den anderen, so erhalten die eine Hälfte 
die Kinder, die andere Hälfte der Ueberlebendc. 
An diesen Kindestheil hat der Lebende den Ge 
brauch und die Nutzung. Ohne Bewilligung der 
Kinder darf dieser Theil nicht beschwert und 
veräußert werden, denn allein zur Bezahlung 
der Schulden, Ernährung und Bestattung der 
Kinder. 
8 16. 
Nach dem Tode des Ueberlebenden geht dieser 
Antheil, soweit er noch vorhanden ist, auf seine 
aus eventueller späterer Ehe hergekomniencn 
Kinder, die fahrende Habe auf seinen Ehegemahl 
über. Sind solche Kinder aus zweiter Ehe nicht 
vorhanden, alsdann erbt der überlebende Ehegatte 
die fahrenden und liegenden Güter. Lebt dieser 
auch nicht mehr, dann erben die Kinder erster 
Ehe. 
8 17. 
Stirbt ein Bruder oder eine Schwester eine 
desceudentenlosen Ehegatten, so fällt das un 
bewegliche Erbgut an seinen Bruder, Schwester 
oder ihre Kinder. Haben aber der Bruder, die 
Schwester oder die Kinder jeglicher seinen 
Theil 30 Jahre lang gebraucht, genutzt und 
ruhig besessen, so ist solcher langer Besitz so 
anzusehen, als wenn das Gut erblich getheilt 
wäre. 
Solches Landrecht und solche Gnade, daß 
der eheliche Manu sein ehelich Weib und die 
Frau ihren ehelichen Mann erbt, ist den frommen, 
ehrlichen Eheleuten zu Ehren und Beschirmung 
der heiligen Ehe gegeben worden. In allen anderen 
Erbfällen, die in diesem Rechte nicht beschrieben 
sind, soll das gemeine Recht gehalten werden.
	        

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