Full text: Hessenland (7.1893)

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und Louise Friederike (5) früh. Eine 
am 8. Februar 1761 geborene Tochter Marie 
Amalie (2) verheirathete sich au den Ober 
amtmann August Kasimir von Lindau, 
Herrn zu Elbersdorf, zu Hersfeld, hinterließ 
aber keine Kinder, sodaß nach dem Tod ihres 
Gatten das Lehngut Elbersdorf dem Kurfürsten 
anheim fiel, der damit den General Müldner 
von Mülnheim belieh. Von erheblicher 
Bedeutung sind seine drei weiteren Söhne 
Ulrich Friedrich (3). Karl Friedrich (4) 
und Karl Wilhelm (6). 
<Fortsetzung folgt.) 
'i'«'!' 
Abrecht öer jtta&f Wassel aus dem Fahre 1366. 
Dechlsgesckzichlliche Skizze Von H. Metz. 
snter dem Titel „Alt Gewohnheit und Stadt- 
Recht zu Kassel in Erbfällen, geschrieben 
in der Stadt-Buch und durch Fürsten zu 
Hessen gebotten, Anno a Nativitate Christi 
Millesimo Trecentesimo. Ex Codice Bibliothecae 
Uffenbachianae" hat, wie er sich selbst unter 
schreibt, „Der Ehrwürdiger und Hochgelahrter 
Herr Widdekindus Bruchner, der Freyen Künste 
und Geistlichen Rechten Doctor, Canonicus 
dieses Stisfts Sancti Martini zn Kassel," der 
eben angeführte Widdekindus Bruchner dieses 
alte Stadt-Recht „fleißlich besichtigt, bevestigt 
und glossiret." Dieses alte Stadtrecht ist in er 
zählender Form geschrieben worden. 
Um nun die einzelnen Punkte besser ausein-^ 
anderhalten und größere Uebersicht bieten zu 
können, ist dasselbe, gleichwie unsere neuen Ge 
seke, in Titel, Kapitel und Paragraphen ge 
gliedert worden. 
Zur Erklärung im Gesetze vorkommender 
Ausdrücke ist demselben gleichsam ein Anhang 
beigefügt worden, der folgende Erklärungen ent 
hält: 
„Erbgut und fahrende Habe sind, alle Häuser, 
Gärten, Aecker, Wiesen, Lehen-Güter, Pacht- 
Güter, alle Pfandschaft unbeweglicher Güter, ge 
nannt Hypotheken und alle jährliche Zinsen sind 
Erbgut. Alle beweglichen Güter, alles Geld, 
alle Pfandschaft beweglicher Güter, pignus, und 
alle Schulden sind fahrende Habe. Es wäre 
dann das Geld oder die fahrende Habe gegeben 
oder verordnet, um unbewegliche Erbgüter anzu 
legen und wäre angelegt, dann ist solches Geld 
oder solche fahrende Habe als unbewegliches Erb 
gut zu erkennen und für unbewegliche Güter zu 
halten." 
Nachdem diese Erklärungen vorausgeschickt sind, 
kommen wir nun zum Erbrecht selbst. 
Erster Titel. 
Testament ist vorhanden. 
Erstes Kapitel. 
Die Erbschaft ist nach den in diesem Testament 
oder dem letzten Willen enthaltenen Bestimmungen 
zu regeln. 
Zweiter Titel. 
Testament ist nicht vorhanden. 
Erstes Kapitel. 
Von den Rechten des überlebenden Ehegatten. 
8 i. 
Wenn der Verstorbene keine Kinder zurückläßt, 
so gehört seine Hinterlassenschaft, worunter Alles, 
was der Verstorbene mit in die Ehe gebracht 
hat, und was er während derselben erworben 
hat, dem ihn überlebendem Ehegatten. 
8 2. 
Sind Ascendenten des Verstorbenen am Leben, 
so sollen diese einen Antheil, „legitima" von 
den nachgelassenen Gütern erhalten, wenn nicht 
ini Ehevertrag anders bestimmt worden ist. 
8 3. 
Vom Erbtheil ausgeschieden sind alle unbe 
weglichen „Erbgüter", die der Verstorbene ein 
getheilt mit seinen Geschwistern, Neffen, Nichten, 
Onkel, Tante und anderen Blutsverwandten im 
vierten Grade in ungetheiltem Besitz gehabt hat. 
Solche ungetheilte unbewegliche Güter erben der 
Bruder oder die Blutsverwandten, mit denen 
der Verstorbene dieselben zusammen besessen hat. 
8 4. 
Jedoch soll der überlebende Ehegatte von den 
eingetheilten Gütern soviel als Brautschatz erben, 
wie der Brautschatz des Lebenden betragen hat, 
den er mit in die Ehe gebracht hat. 
8 5. 
Hat der Lebende keinen Brautschatz, dos, oder 
Brautgaben, donationes propter nuptias, mit in 
die Ehe gebracht und der Verstorbene keine 
fahrende Habe hinterlassen, dann soll der Lebende 
an den unvertheilten unbeweglichen Gütern einen 
gleichen Theil haben, wie der nächste Verwandte. 
Ist die ererbte fahrende Habe, die vom Ver
	        

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