Full text: Hessenland (7.1893)

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höchsten Gesellschaftskreise, die Tradition feinster 
französischer Bildung und der direkte persönliche 
Zusammenhang mit einer in Deutschland damals 
noch mächtigen Literaturrichtung. Der Marquis, 
ein feiner, gebildeter Mann in den besten Jahren, 
des Deutschen durchaus mächtig und mit der 
deutschen Literatur vertraut, hatte lange in dem 
Tieck'schen Kreise gelebt und verstand es, sich 
bei Gelegenheit in französischen Versen sinnreich 
und artig auszudrücken. Die Marquise war, 
wie Heinrich Koenig schreibt, eine so entschiedene 
Schönheit blonder Art, daß sie es selber wissen 
mußte, und die Anerkennung, ja die Huldigung 
der Männer, die in ihren Kreis traten, erwarten 
durfte. Und mit ihrer gewinnenden Erscheinung 
verband sie in hohem Grade Bildung und Talent, 
besonders auch für Musik und Gesang, worauf 
sich der Marquis ebenwohl verstand. In diesem 
Hause fühlte sich Franz Dingelstedt wohl, und zu 
dem Grafen Wolf von Baudissin trat er gleich 
bei der ersten Bekanntschaft in nähere Be 
ziehungen; daher ist es auch erklärlich, daß er 
sich in seiner Bedrüngniß gerade au diesen 
wandte und ihm sein Leid und seine Schmerzen 
in dem Gedichte klagte. — 
Greifen wir um ein Jahr zurück. Im Som 
mer 1839 trafen drei alte Korpsbrüder Franz 
Dingelstedts, ehemalige Mitglieder des Marburger 
Korps „Schaumburgia", in Fulda ein, sein Busen 
freund, Julius Hartmann, der als beauftragter 
Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften von 
dem Gymnasium zu Marburg an das zu Fulda 
versetzt war, der Referendar Karl von Sodenstern, 
dem ein Gerichtskommissorium in Fulda übertragen 
war, und der Literat Gustav Adolf Vogel, der 
in der Buchhandlung von Euler eine Stellung 
angenommen hatte. Und nun begann das burschi 
kose Leben Franz Dingelstedt's, von dem man 
heute noch, nach mehr denn vierundfünfzig 
Jahren, zu erzählen weiß. Der Schilderung 
des Treibens Franz Dingelstedt's in jener 
Periode sei der nächste Artikel gewidmet. 
(Fortsetzung folgt.) 
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ieschichte der Kamille Mopp und von Mopp. 
von Klto Gerlgnb. 
s giebt wohl wenige Familien in Hessen, 
welche im Verhältnis zur Zahl ihrer Mit 
glieder darunter so viele hervorragende 
Personen zu rechnen haben als die Familie Ko pp 
(von Ko pp), sodaß eine Geschichte dieser 
Familie auch von allgemeinerem Interesse sein 
dürfte. 
Zu Offenbach am Main lebte um 1700 
der Oberförster Johannes Kopp, der mit 
Anna Maria, der Tochter des Predigers 
Thomä zu Reichenbach im Jsenburgischen 
verheirathet war. Dieser Ehe entsprossen, ohne 
daß man sagen kann, ob es die einzigen Kinder 
der genannten Eltern waren, zwei Söhne 
Johann Adam Kopp und Johann 
Christoph Kopp. Die Eltern starben kurz 
nach einander zwischen 1712 und 1716, He 
Söhne wurden Stifter zweier Linien. 
I. Johann Adam Kopp wurde am 
22. März 1698 zu Offenbach geboren, sollte 
sich anfangs auf den Wunsch seiner Mutter 
der Gottesgelehrtheit widmen und bezog zu 
diesem Zweck 1712 das Gymnasium zu Hanau. 
Nach dem Tode der Eltern sattelte er um, 
widmete sich der Rechtswissenschaft und lag 
dieser seit 1716 auf der Universität zu Jena ob. 
Nach vollendetem Studium lebte er kurze Zeit 
als Advokat zu Büdingen, wo ihm der regierende 
Graf von Jsenburg-Birstein 1719 seine 
drei ältesten Söhne anvertraute und ihm 1722 
den Auftrag ertheilte, mit diesen als Reise- 
sekretarius nach Straßburg zu gehen. 1724 kehrte 
er nach Offenbach zurück, wo er zum Rath 
ernannt und mit der Besorgung der Geschäfte 
des Grafentags beauftragt wurde; diese besorgte 
er 12 Jahre lang und hatte während dieser 
Zeit alljährlich dem zu Frankfurt abgehaltenen 
Reichsgrafentag als Abgeordneter des Wetterau- 
ischen Grafenkollegiums beizuwohnen. Nachdem 
er 1727 für seine Herrschaft einige Reisen nach 
Holland gemacht hatte, wurde er 1728 zum 
Kanzleidirektor zu Birstein ernannt, wobei er 
den Direktorialgeschäften des Gesammthauses 
Isenburg vorstand und u. a. die zwischen 
dem Bischof von Würzbnrg und dem Reichs 
grafenstand bei dem Reichshofrath schwebende 
Streitigkeit über das Recht der Grafen, bei den 
Würzburgischen Belehnungen mit sechs Pferden 
einzufahren, zur Zufriedenheit beider Theile 
erledigte. In Folge Vermittelung Estor's 
wurde er 1736 zum Kanzleidirektor bei der 
Regierung und dem Konsistorium zu Marburg 
berufen und, nachdem er "euten Ruf als Geheime 
rath und Kanzler nach Bayreuth abgelehnt hatte,
	        

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