Volltext: Hessenland (7.1893)

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Republik es für angemessen halten dürften, 
solche Veränderungen zu treffen, durch welche 
der Grundsatz der Entschädigung als nothwendig 
aufgestellt würde, so verpflichten sich die beiden 
vertragschließenden Parteien ihre Mühe und 
ihre Macht zu vereinigen, damit wenigstens die 
erblichen Besitzungen der Fürsten und Stände 
auf dem rechten Rheinufer in ihrem ganzen 
Umfange ihrem gegenwärtigen Landesherrn 
erhalten bleiben. Dahingegen" soll angenommen 
und zur Ausführung gebracht werden der 
Grundsatz der Säkularisation der geistlichen 
Staaten und Stifter als sehr passend und 
bereits eingeführt durch den westfälischen Frieden. 
Im übrigen soll nichts an der deutschen Ver 
fassung geändert werden. 
8 3. 
Unter dieser Annahme und nachdem der oben 
erwähnte Grundsatz einmal festgestellt ist, ver 
pflichten sich beide kontrahirenden Theile nicht 
nur, sich nicht entgegenzuarbeiten, sondern im 
Gegentheil sich zu unterstützen und alle ihre 
Kräfte anzuwenden, um zu verschaffen 
1) dem königl. Preußischen Hause die Ent 
schädigungen , welche es ein Recht zu 
fordern hat, nämlich die Säkularisation 
der geistlichen Länder, welche zwischen 
seinen gegenwärtigen deutschen Staaten 
liegen, und welche ihm überhaupt passend 
sind, 
2) für das Haus Hessen-Kassel die Erfüllung 
seines Wunsches und seines Anspruches 
auf die Kurwürde und außerdem als 
Entschädigung für seine Opfer und Verluste 
das angrenzende Bisthum Paderborn mit 
dem Theile der Abtei Corvey, welche auf 
dem linken Weserufer liegt, die Stadt 
Volkmarsen, die Mainzischen Aemter, welche 
im hessischen Gebiete eingeschlossen sind, 
und das Bisthum Fulda, welches an 
Hessen grenzt. 
8 4. 
Die beiden vertragschließenden Parteien ver 
pflichten sich für alle ihre betreffenden deutschen 
Besitzungen das Recht der Nichtappellation zu 
erwirken. 
8 5. 
Dieselben werden gleicherweise Kenntniß dieser 
Konvention der französischen Republik geben 
und sie einladen derselben beizutreten, sowohl 
im Prinzipe, als auch in den darin enthaltenen 
eventuellen Bestimmungen. 
8 6. 
Vorstehende Konvention wird bestätigt und 
ratifizirt werden durch die beiden hohen kontra 
hirenden Parteien innerhalb höchstens acht Tagen, 
falls dies möglich ist. 
In der Erwartung darauf ist sie unterzeichnet 
und untersiegelt worden durch die unten 
erwähnten Minister. 
So geschehen zu Pyrmont am 19. Juli 1797. 
Christ. Heinr. Graf Friedr. Siegm. Waitz 
von Haugwitz. Freiherr von Eschen. 
Schon zwei Tage später, am 21. Juli ward 
die Konvention von dem Könige Friedrich 
Wilhelm ratifizirt. Derselbe genehmigte und 
bestätigte sie in allen Punkten und Klauseln 
und versprach auf Königliches Wort dieselben 
sorgfältig befolgen zu lassen. So endete die 
Phrmonter Zusammenkunft, welche etwa 14 Tage 
gedauert hatte. 
Nunmehr glaubte man in Kassel das Terrain 
genügend vorbereitet zu haben, um in Paris 
selbst entscheidende Schritte in dem sogenannten 
Entschädigungsgeschäfte thun zu können. 
(Schluß folgt.) 
M-äH“* 
US dem Weben Man; Hingelsteöt's 
Altes und Neues. 
Von F. Iwmger. 
II. Dingelstedt in Aukda. 
(Fortsetzung.) 
» en Durchfall, welchen die Fuldenser dem 
Drama „Das Gespenst der Ehre" bereitet 
~ hatten, konnte Franz Dingelstedt lange 
nicht überwinden. Eine düstere Stimmung hatte 
sich seiner bemächtigt, der Weltschmerz war 
wieder über ihn gekommen und brach selbst in 
den Momenten seiner größten Ausgelassenheit 
und seiner übermüthigsten Streiche durch. In 
jener Zeit mag denn auch das Gedicht „Ex 
Ponto" entstanden sein, bei dem ihm wohl der
	        

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