Full text: Hessenland (7.1893)

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Gedanken.der buchstäblichen Wiedergabe vorgezogen 
und die Assonanzen des Dichters meist durch den 
Reim ersetzt. Und daß hier der Uebersetzer Vorzüg 
liches geleistet hat, darüber wird, wir sind dessen 
überzeugt, das Urtheil der Kritik ein einstimmiges sein. 
Am 8. d. M. feierte bei voller geistiger und 
körperlicher Frische der älteste Bewohner Kassels 
und einzige noch dort lebende Veteran von den Frei 
heitskriegen Hofgärtner z. D. Wilhelm Eubell 
seinen fünfundneunzig st enGeburtstag. Möge 
es dem Jubilare vergönnt sein, auch die Zahl hundert 
an Jahren bei gleichem geistigen und körperlichen 
Wohlbefinden zu erreichen. 
Universitätsnachrichten. Die Zahl der in 
diesem Sommersemester an der Universität Marburg 
immatrikulirten Studirendcn beträgt 941 gegen 832 
im verflossenen Winterhalbjahre. Außer diesen 
immatrikulirten Studirenden haben noch 30 Personen 
vom Rektor die Erlaubniß zum Hören der Vor- 
lesungen erhalten, so daß sich die Gesammtzahl der 
Berechtigten auf 971 erhöht. Von den immatrikulirten 
Studirenden entfallen 154 (127 Preußen und 27 
Nichtpreußen) auf die evangelisch-theologische, 223 
(194 Preußen, 29 Nichtpreußen) auf die juristische, 
245 (194 Preußen, 51 Nichtpreußen) auf die 
medizinische und 319 (251 Preußen, 68 Richtpreisen) 
auf die philosophische Fakultät. Der Staatsange 
hörigkeit nach vertheilen sich die Studirenden auf 
folgende Länder: Preußen 766 (Hessen-Nassau 
305), übrige Reichsländer 129, Oesterreich - Ungarn 
6, Großbritannien 8, Italien 1, Niederlande 1, 
Rußland 8, Schweiz 10, Afrika 4, Amerika 4. 
Asien 3. 
An der Universität Gießen studiren im Sommer 
semester 551 immatrikulirte Studenten gegen 516 
im Winterhalbjahre, außerdem besuchen noch 52 
nicht immatrikulirte Hörer die Vorlesungen, so daß 
die Gesammtsumme der Hörer 603 beträgt. Von 
den Studirenden widmen sich 74 der Theologie, 118 
der Rechtswissenschaft, 111 der Medizin, 27 der 
Thierheilkunde, 6 der Zahnheilkunde, 46 der Kameral- 
wissenschaft, 7 der Forstwissenschaft, 18 der Mathe 
matik, 28 der klassischen Philologie, 36 der neueren 
Philologie, 17 der Philosophie und den Naturwissen-- 
schäften, 7 der Geschichte, 23 der Pharmazie, 33 
der Chemie. Der Staatsangehörigkeit nach vertheilen 
sich die Studirenden auf folgende Länder: Hessen- 
Darmstadt 410, Preußen 95, Bayern 16, Sachsen 
4, Baden 5, Sachsen-Weimar 3, Oldenburg, 
Schwarzburg - Sondershausen, England, Schweiz, 
Nord - Amerika je 2, Württemberg, Sachsen - Gotha, 
Sachsen - Meiningen, Braunschweig, Schaumburg- 
Lippe, Hamburg, Oesterreich, Rußland je 1. 
Der im vorigen Semester von Marburg nach Gießen 
berufene Professor der Rechtswissenschaft Dr. H e r m a n n 
Nehm hat einen Ruf an die Universität Erlangen er 
halten und angenommen. — Der Privatdozent Dr. 
Matthäi zu Gießen ist zum Professor der Kunst 
geschichte an der Universität Kiel ernannt worden.— 
Der außerordentliche Professor in der medizinischen 
Fakultät zu Berlin und Direktor der städtischen Jrrenheil- 
anstalt zu Lichtenberg bei Berlin Dr. Karl Moeli 
ist zum ordentlichen Mitgliede der wissenschaftlichen 
Deputation für das Medizinalwesen ernannt worden. 
— Dr. Wilhelm Trabert in Wien, geboren 
am 17. September 1863 zu Frankenberg in Hessen, 
Sohn des damaligen kurhessischen Landtagsabgeordneten 
Adam Trabert, hat die Zulassung als Privatdozent 
für Meteorologie an der Wiener Universität 
erhalten und wird im nächsten Semester seine Vor 
lesungen mit einem mathematisch gehaltenen Kollegium 
über diese Wissenschaft für Physiker und einem 
populär gehaltenen für Nicht-Pbysiker beginnen. 
Seine Stellung als Assistent der k. k. Centralanstalt 
für Meteorologie und Erdmagnetismus in Wien 
behält Dr. Wilhelm Trabert bei. 
Am 2. Juni verschied zu Frankfurt a. M. in 
seinem 82. Lebensjahre der Obergerichtsrath a. D. 
Ludwig Wolf, ein angesehener, scharfsinniger, 
hessischer Jurist. Geboren war derselbe am 24. 
Oktober 1811 zu Schmalkalden als Sohn des um 
die Entwickelung der Eisen- und Schwerspath- 
Jndustrie in seiner engeren Heimath hochverdienten 
Bergrathes Georg Friedrich Wolf. Auch Ludwig 
Wolf hat sich für das Bergwesen lebhaft interessirt, 
er war ein treuer Freund der Bergleute und einer 
der besten Kenner des Bergrechts in unserem 
Hessenlande. Nach absolvirtem Rechtsstudium und 
juristischem Vorbereitungsdienste wirkte Ludwig Wolf 
von 1840—1848 als Obergerichtsanwalt in Fulda 
und hatte hier eine sehr ausgedehnte Praxis, wurde 
dann Staatsprokurator an dem neugebildeten Ober 
gerichte zu Rotenburg a. F., in welcher Stellung 
er zu der Konfliktszeil von 1850 sich als verfassungs 
treuen Beamten zeigte. Als die sog. Strafbayern 
in Rotenburg einrückten, wurde er nicht nur mit 
einer erheblichen Straf-Bequartierung bedacht, er 
wurde auch mit den Obergerichtsräthen Eggena, 
Gerlach und von Starck vor das Kriegsgericht, 
das, wie für die gemeine Mannschaft, aus einem 
bayerischen Hauptmann, Lieutenant und 10 Ge 
meinen zusammengesetzt war, gestellt und mit seinen 
Leidensgefährten zu einer Festungshaft von neun 
Monaten verurtheilt, weil der Kriminalsenat des 
Obergerichts zu Rotenburg, der aus den genannten 
Räthen bestand, auf seinen Antrag einen Verwalmngs- 
beamten, der sich im Auftrage des Oberbefehlshabers 
Generals von Haynau Überschreitung seiner Macht 
befugnisse hatte zu Schulden kommen lassen, zu einer 
sechswöchentlichen Festungshaft verurtheilt hatte. Das 
Urtheil gegen die Richter selbst und den Staats-
	        

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