Full text: Hessenland (7.1893)

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Verlag zur Anschaffung von Büchern beträgt 18 000 
Mark. Begründet ist die Bibliothek, wahrscheinlich 
1527 mit der Universität, hauptsächlich aus Kloster- 
Bibliotheken. Einverleibt wurde 1605 die Bibliothek 
des Grafen Chr. E. von Diez, Sohnes des Land 
grafen Philipp des Großmüthigen aus dessen Ehe 
mit Margaretha von Saal. An die Universität 
Gießen kamen Bücher der Marburger Bibliothek im 
Jahre 1650, als die Gießener Universität wieder von 
Marburg getrennt und nach Gießen zurückgeführt 
wurde. Später kamen größere Sammlungen von 
Büchern aus öffentlichen und Stiftungs-Bibliotheken 
an die Marburgs Universitäts-Bibliothek, wie 1810 
aus der Bibliothek der Deutsch Ordens-Kommende 
Lucklum, 1811 aus der Bibliothek der Benediktiner- 
Abtei: Korvey, 1813 und 1817 Reste der Universitäts- 
Bibliotheken von Helmstedt und Rinteln. Auch aus 
Privat Bibliotheken erhielt sie reichen Zuwachs. Die 
jährliche Vermehrung an Büchern durch Kauf, Schenkung, 
Lieferung von Pflichtexemplaren etc. beträgt nach fünf 
jähriger Durchschnittsrechnung 4548. Benutzt werden 
jährlich durch Ausleihen am Orte 21149, durch 
Versendung 1765 Bände. 
Die ständische Landes-Bibliothek zu 
Kassel umfaßt 150000 Bände, 4347 Handschriften, 
923 Bände Musikalien. Der jährliche Verlag zur 
Anschaffung von Büchern beträgt 11 000 Mark. 
Begründet wurde dieselbe 1580 vom Landgrafen 
Wilhelm IV. dem Weisen. Einverleibt wurden 1632 
die ältere Jesuiten-Bibliothck von Fulda, 1686 die 
durch Erbschaft erworbene sehr werthvolle Pfälzische 
Hof-Bibliothek von Heidelberg, 1751 die Bibliothek 
des hessischen Landgrafen und schwedischen Königs 
Friedrich I., 1761 die des Landgrafen Wilhelm VIII. 
1804 der größte Theil der Stifts-Bibliothek von 
Fritzlar. Aus der neuern und neuesten Zeit stammen 
viele werthvolle Erwerbungen, von denen wir nur 
den Nachlaß des Archivars Georg Landau, (f 1665) 
zur hessischen Geschichte und Landeskunde, die Biblio 
theken von Heinrich Schubart (1885) und Franz 
Ludwig Mittler (1892) anführen wollen. Jährlicher 
Zuwachs durch Kauf, Schenkung, Lieferung von 
Pflichtexemplaren 2659 Bände. Benutzt werden 
jährlich durch Ausleihen am Orte, Versendung und 
Gebrauch im Lesesaale 8485 Bände. 
Die ständische Landes-Bibliothek zu 
Fulda zählt c. 80 000 Bände (darunter 620 In 
kunabeln) und 697 Handschriften. Der jährliche 
Verlag zur Anschaffung von Büchern beträgt 1800 
Mark. Begründet wurde die Bibliothek vom fuldaer 
Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra (regierte von 
1759—1788) durch Vereinigung der geringen Reste 
der alten Bibliothek des Benediktinerordens mit der 
Schloßbibliothek. Diese neue Fuldaer Landes-Bib 
liothek wurde am 5. Mai 1778 in einem eigens 
für dieselbe errichteten Gebäude eröffnet. Einen sehr 
werthvollen Zuwachs namentlich in alten Handschriften 
und Inkunabeln, erhielt dieselbe unter der Regierung 
des Prinzen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau 
(1802—1806) aus der Kloster-Bibliothek zu Wein 
garten. Seit dem Jahre 1886 ist sie durch die A. 
Joseph Schwank'sche Stiftung, die separate Aufstellung 
gesunden hat und gegenwärtig c. 6000 Schriften 
zählt, darunter viele werthvolle Hassiaca und 
Fuldensia, bereichert worden. Jährlicher Zuwachs 
durch Kauf, Schenkung und Pflichtexemplare 275 
Bände. Benutzt werden jährlich durch Ausleihen am 
Orte, Versendung und Gebrauch im Lesezimmer 2900 
Bände. 
Die Murhard'sche Stadtbibliothek zu 
Kassel umfaßt 62908 Bände und 4959 Karten. 
Sie befindet sich gegenwärtig in dem gemietheten 
Gebäude Terrasse Nr. 7. Der in Aussicht genommene 
Bau eines eigenen Bibliotheks-Gebäudes im fürstlich 
Hanauischen Park (Rondelstraße) soll bis 1697 
vollendet sein. Der jährliche Verlag zur Anschaffung 
von Büchern beträgt gegenwärtig 2100 Mark, wird 
aber nach Vollendung des Neubaues auf ca. 15000 
Mark sich erhöhen. Begründet wurde die Bibliothek 
1863 durch die Gebrüder Friedrich und Karl Mur- 
hard, die durch ihr gemeinschaftliches Testament vom 
3. Juni 1845. bezw. Nachtrag vom 4. September 
1852 ihre Privat - Bibliothek und eine bedeutende 
Kapitalstiftung der Stadt Kassel zu diesem Zwecke 
vermacht haben. 1882 wurden ihr die Bibliothek 
des Kasseler Gewerbevereins und 1886 die allgemeine 
städtische Schul-Bibliothek (9065 Bände) einverleibt. 
Der jährliche Zuwachs an Büchern durch Kauf und 
Schenkung beträgt 3850 Schriften. Benutzt werden 
jährlich 3000 Lände. 
Die Stadt-Bibliothek zu Hanau mit ca. 
14000 Bänden. Jährlicher Verlag zur Anschaffung 
von Büchern: 400 Mark. Begründet wurde und wird 
dieselbe 1845 durch die Büchersammlung des Regierungs 
rathes I. P. Ruth und vermehrt außer durch Einzelge 
schenke und durch Zuwendung mehrere Privat Biblio 
theken, sowie durch Ueberweisung derjenigen Bücher 
der „städtischen Lese-Gesellschaft«, welche sechs Jahre 
lang den Mitgliedern derselben zur Verfügung ge 
standen haben. 
Die Bibliothek des königlichen Staats- 
Archivs zu Marburg mit ca. 17000 Bänden, 
die zumeist deutsche und hessische Geschichte und 
Hassiaca überhaupt, sowie die historischen Hülfs- 
wissenschasten betreffen. Sie besitzt ferner neben 
den hessischen Zeitungen und gedruckten hessischen 
Verordnungen ca. 2000 gedruckte historische Karten 
und Stiche, sowie 150 Handschriften im engeren Sinne. 
Jährlicher Verlag zur Anschaffung von Büchern: 
300 Mark. 
Die Bibliothek des bischöflichen Kle- 
rikal-Semrnars zu Fulda. Enthält ca. 25000 
Bände, die vorzugsweise Theologie betreffen , daneben 
eine Anzahl jüngerer Handschriften, die sich meist
	        

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