Full text: Hessenland (7.1893)

159 
Wir zitiren hier nach der in den „Militärischen 
Blättern", herausgegeben von F. W. v. Mauvillon, 
1. Jahrgang 1821, enthaltenen Biographie Johann 
Ewald's, die u. W- den Sohn des letzteren, den 
dänischen General Karl von Ewald, zum Ver 
fasser hat. Von demselben erschien noch 1838 
zu Kopenhagen eine weitere Biographie seines 
Vaters unter dem Titel: „Generallieutenant 
Johann von Ewald's Leonetslöb". Die erst 
genannte Biographie haben wir unserem Artikel 
über Johann Ewald vorzugsweise zu Grunde 
gelegt. — 
Mußte auch Johann Ewald bei seinen be 
schränkten Verhältnissen vielen Annehmlichkeiten 
des Lebens entsagen, hatte er auch nur zu häufig 
mit Mangel und Noth zu kämpfen, so hinderte 
ihn dies nicht, mit größtem Eifer sich den mili 
tärischen Studien hinzugeben und seine Kennt 
nisse zu erweitern. Er lebte nur dem Dienste 
und bald sollte ihm Gelegenheit geboten werden, 
sich unvergängliche Lorbeeren im Kriegsdienste zu 
erwerben. — 
Im Januar 1776 erschien der englische General 
Faucitt zu Kassel, um mit dem Landgrafen 
Friedrich den bekannten Subsidienvertrag abzu 
schließen, kraft dessen der Landgraf den Eng 
ländern ein Truppenkorps in Sold gab, um an 
Seite dieser Bundesgenossen im nordamerika 
nischen Kriege zu kämpfen. Das hessische Truppen 
korps bestand vorerst aus 15 Infanterie- 
regimentern, 4 Grenadierbataillonen, 2 Feld 
jägerkompagnien und 3 Kompagnien Feldartillerie, 
im Ganzen 12,500 Mann. Von den beiden 
Jägerkompagnien zählte jede 150 Köpfe. Der 
Oberst von Donop, der sämmtliche Jäger und 
Grenadiere befehligen sollte, erhielt die erste Jäger- 
Kompagnie, während Ewald, dem die Errichtung 
beider Jägerkompagnien anvertraut worden war, 
das Kommando der zweiten übertragen wurde. 
Die hessischen Truppen insgesammt waren in 
2 Divisionen und 4 Brigaden eingetheilt. 
Nachdem bereits im März 1776 die erste 
hessische Division, und mit derselben die Donop'sche 
Jägerkompagnie, unter dem kommandirenden 
General von Heister zu ihrer Bestimmung ab 
gerückt war, verließen die übrigen Truppen, und 
mit diesen Ewald und die zweite Jägerkompagnie 
ihr Vaterland am 9. Mai, unter dem Kommando 
des Generallieutenants von Knyphausen. Am 
3. Juni kamen sie zu Cuxhafen an, segelten den 
9. von dort ab und gingen am 21. bei Ports 
mouth vor Anker. Hier stieß eine Braun 
schweigische Division und ein Waldeck'sches Regi 
ment zu ihnen. Am 28. Juni segelte die Flotte, 
welche sie überführte, 61 Transportschiffe und 
3 Fregatten an Zahl, unter dem Kommando 
des Kommodore Fielding von Portsmouth ab, 
mußte aber wegen widrigen Windes noch ein 
mal, und zwar bei Plymouth, anhalten und er 
reichte endlich am 18. Oktober die Mündung 
des Hudsons. 
Am 22. Oktober wurden die Truppen zu New- 
Rochelle ausgeschifft. Schon am folgenden Tage 
kam Ewald in Aktion. Die englische Haupt 
armee unter dem Oberbefehlshaber Sir William 
Howe war damals nur im Besitze von Staaten- 
Jsland, New-Pork und Long-Jsland. Washington 
stand hinter dem Brunx-Flusse, mit dem rechten 
Flügel an der befestigten Kingsbridge und mit 
mit dem linken bei White-Plains. General 
W. Howe unternahm eine Rekognoszirung, zu 
deren Deckung die beiden Jägerkompagnien 
kommandirt wurden. Ewald wagte sich bei dieser 
Affaire zu weit vor und wäre in Folge dessen 
beinahe ein Opfer seiner Kühnheit geworden, 
doch zog seine außerordentliche Bravour gleich 
bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit des 
kommandirenden englischen Generals auf sich. 
Ewald und Wreden, dem das Kommando der 
Donop'schen Jägerkompagnie übertragen worden 
war, blieben bei der königlichen Hauptarmee, 
welche, nachdem sie am 28. Oktober 1776 die 
Amerikaner bei White-Plains geschlagen hatte, 
sich der Forts Washington und Loe bemächtigte, 
den Hudson passirte und über Brunswick und 
Princetown. bis nach dem linken Ufer des Dela 
ware vordrang. 
Den höchsten Ruhm bei Freund und Feind 
errangen die Hessen durch die fast allein von 
ihnen am 16. November 1776 unter dem Kom 
mando des Generals von Knyphausen ausgeführte 
Eroberung des Forts Washington, das nunmehr 
die Benennung „Fort Knyphausen" erhielt, da 
mit der Name des Siegers den kommenden Ge 
schlechtern des fernen Welttheils ein Denkmal 
der unwiderstehlichen Tapferkeit hessischer Krieger 
sei. Der Ruf dieser Tapferkeit erlitt selbst keine 
Einbuße durch den unglücklichen Ueberfall bei 
Trenton, der dem heldenmüthigen, aber auch 
tollkühnen und unvorsichtigen Obersten Rall eine 
schwere Niederlage und den Tod brachte. 
Ewald hatte sowohl an dem Treffen von 
White-Plains, als auch an dem Angriffe ans 
das Fort Washington in ruhmvoller Weise theil- 
genommen. Auf dem Vormarsch vom Hudson 
nach dem Delaware wurde er mit seiner Jäger 
kompagnie und auch mit kombinirten Detache 
ments abwechselnd zur Avantgarde, zur Flanken 
bedeckung, bei Rekognoszirnngen, und auch zur 
Ausführung des einen oder des anderen Unter 
nehmens verwandt, bei welchem mehr als ge 
wöhnliche Kühnheit erfordert wurde. Durch seine 
militärische Einsicht, seine Gewandtheit und seine 
außerordentliche Bravour erwarb er sich schon
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.