Full text: Hessenland (7.1893)

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Lampen gesprungen und mit einer extemporirten 
Danksagungsrede der Höllenpein einer mehrstün 
digen Viertheilung entwichen. Den Schauspielern 
stand der Schweiß auf der Stirne, wenn sie wieder 
hinaus mußten, und zitternd kamen sie von der 
Scene zurück und stammelten Entschuldigungen, 
deren es wahrlich bei mir nicht bedurfte. Ich 
war „impopulär", — da lag das ganze Räthsel, 
war es damals in Fulda, und bin es jetzt am 
Ende auch, nur wo anders, und werde es, so 
Gott will, noch recht lange bleiben. Die kleine 
Stadt verzieh und vergaß mir, wie die große 
Literatur, meine gelben Handschuhe nicht, in de 
nen ich als „Professor" auftrat, statt in hohen 
Klerusstiefeln. Die Häuser, denen ich keinen 
Besuch gemacht, so wenig es deren waren, statte 
ten mir nun im Theater den ihren ab. Gegner, 
welche in der Journalistik keine Stimme führen 
konnten, antworteten auf jene Art den „Kassler 
Bildern" und „den Neuen Argonauten". Daß 
noch tiefere Gründe zu einer Opposition gegen 
mich trieben, ich will es nicht glauben, so oft ich 
es auch erfahren habe, und nicht erwähnen, wie 
erwähnenswerth es sein mag. So viel ist gewiß, 
um als Schauspieldichter die Feuerprobe zu be 
stehen, welche Kabale, Neid, Heuchelei und Feind 
schaft Einem bereiten, braucht man nicht nach 
Paris zu gehen, nach Hamburg, nach Leipzig, 
und als ich jüngst in Stuttgart Gutzkow's Molisre 
deklamiren hörte, hätte ich ihm gern zugerufen: 
,Vont eoinius oll ez nous! das heißt: tont 
comme ä Foulde! . . .* 
Woher kam denn nun aber diese Jmpopnlarität 
Franz Dingelstedt's, die sich durchaus nicht auf 
die große Bürgerschaft Fulda's erstreckte? Die 
Motive zu der schnöden Behandlung seines 
Trauerspiels werden aus unserer nachfolgenden 
Schilderung sich leicht ersehen lassen. 
(Fortsetzung folgt.) 
lohann Kwalö in hessischen Diensten. 
Von F. Iw eng er. 
(Fortsetzung.) 
f as hessische Jägerkorps hatte sich durch seine 
Tapferkeit während des siebenjährigen 
-« Krieges einen ausgezeichneten Ruf er 
worben. Vorzugsweise aus Forstleuten hervor 
gegangen , bestand das Korps seine Feuertaufe 
am 23. Juli 1758 bei Sandershausen. Es be 
stand zur Zeit des siebenjährigen Krieges aus 
zwei Kompagnien zu Pferd und zwei Kompagnien 
zu Fuß. Nach dem Kriege, 1763, wurde das 
Korps reduzirt, und es blieb nur eine Leib-Jäger- 
Kompagnie bestehen, die fast nur bei dem Forst- 
und Jagdwesen Verwendung fand. Im Jahre 
1774 wurde es wieder militärisch eingerichtet und 
erhielt eine zweite Kompagnie, zu deren Kapitän 
Johann Ewald ernannt worden war. In Waldau 
war das Standquartier derselben, dort, wo auch 
eine Unterrichtsanstalt für Forstleute bestand, 
wie denn auch sämmtliche Jäger des Korps 
„sorstgerecht" sein mußten. Für Johann Ewald 
war diese Beförderung vom Sekondelieutenant 
des Leibregiments zum Kapitän der Leibjäger 
eine große Ehre und seine Stellung war mit 
manchen Vortheilen verbunden. Er hatte nur 
Befehle vom Generaladjutantcn von Jungten anzu 
nehmen und hatte hier die beste Gelegenheit, 
sich vollständig dem Jägerdienste zu widmen, 
im Felde praktisch zu probiren, was er sich 
theoretisch auf der Stube ausgedacht hatte und 
sich im Kleinen in dem zu üben, worin er im 
Größeren später als Meister glänzen sollte. 
Die Besoldung, welche die hessischen Offiziere 
damals erhielten, war eine geringfügige. In 
seinem früheren Dienstverhältnisse hatte er nicht 
nur sein kleines Vermögen aufgebraucht, er 
war auch genöthigt gewesen, Schulden zu 
machen. Waren nun auch seine Einkünfte 
durch seine Beförderung erhöht, so rückten jetzt 
die Gläubiger mit ihren Forderungen heran, 
und da er dieselben möglichst zu befriedigen be 
strebt war, so blieb ihm selbst nur wenig übrig. 
„Bei allem äußeren Glücke, welches ich in meiner 
neuen Lage genoß," — heißt es in den hinter 
lassenen Papieren Ewald's — „legte ich mich 
manchen Abend hungrig zu Bette und verlebte 
mehrere Wintermonate ohne Feuer im Ofen. 
Aber in der Zeit, wo es mir am allerelendesten 
erging, trug ich meinen Nacken am stolzesten, 
und schlug manche Einladung aus, um kein 
Schmarotzer zu werden. Doch muß ich gestehen, 
es herrschte damals ein esxrit äs oorxs unter den 
Offizieren, welcher durch die Verfeinerung der 
Welt nun leider auch vertrieben zu sein scheint. 
Ich verstehe darunter, daß keiner seine Umstände 
dem andern verbarg, und daß derjenige, der zwei 
Bissen Brot hatte, seinem Kameraden den einen 
abgab und dies ohne auch nur an einen Dank 
zu denken. Und so theilten ein Schimmelpfennig, 
Wurmb, Motz, le Long u. A. oft mit mir."
	        

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