Full text: Hessenland (7.1893)

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von welcher Art sie auch sein mögen, die des 
Krieges wegen, der zwischen Frankreich und 
Hessen stattgefunden hat, zurückbehalten, weg 
genommen oder konfiszirt worden sind, gelegt 
war, sowie auch eine schnelle Justiz in Betreff 
aller Schulden und Forderungen, die sie in den 
Ländern der kontrahirenden Theile haben könnten, 
stattfinden soll. 
Art. 8. 
Alle Gefangene, die beiderseits seit dem Anfange 
des Krieges gemacht sind, sollen ohne Unterschied 
der Anzahl und der Grade spätestens in der 
Zeit von zwei Monaten nach Auswechselung der 
Ratifikationen des gegenwärtigen Traktates ohne 
irgend eine Forderung, wenn sie anders die 
Privatschulden bezahlen, die sie etwa während 
ihrer Gefangenschaft gemacht haben, ausgeliefert 
werden. Ebenso wird man es auch mit den 
Verwundeten gleich nach ihrer Genesung halten. 
Es sollen zugleich von beiden Seiten Kommissarien 
ernannt werden, um zur Ausführung dieses 
Artikels zu schreiten, dessen Verfügung aber 
nicht auf die hessischen Truppen, die rm Dienste 
von England zu Gefangenen gemacht sind, 
angewendet werden kann. 
Art. 9. 
Das gegenwärtige Traktat soll nur, wenn er 
von beiden kontrahirenden Theilen ratifizirt ist, 
giltig sein. Die Ratifikationen sollen in dieser 
Stadt binnen einem Monat, oder noch früher, 
wenn es möglich ist, von diesem Tage an 
gerechnet, ausgewechselt werden. 
Dessen zur Urkunde haben wir, die unter 
zeichneten Bevollmächtigten der französischen 
Republik und Sr. hochfürstlichen Durchlaucht des 
Landgrafen von Hessen-Kassel, kraft unserer 
Vollmachten, den gegenwärtigen Friedensvertrag 
unterzeichnet und unsere beiderseitigen Siegel 
beidrucken lassen. 
So geschehen zn Basel am 11. des Monats 
Fruktidor im 3. Jahre der französischen Republik 
(am 28. August 1795). 
Unterzeichnet: 
Franz Barthelemy, 
Friedrich Sigmund Baron Waitz von Eschen. 
So lautete das zur Veröffentlichung bestimmte 
Dokument. Wie gewöhnlich in Friedensvcrträgen 
waren indessen die wichtigsten Klauseln in 
geheimen Separatartikeln enthalten. (Der Inhalt 
derselben wird in der nächsten Nummer mitge 
theilt werden). 
(Fortsetzung folgt.) 
US hm Weben Kanz Wngelfkeöt's 
Altes und Neues. 
Von F. Swenger. 
II. Dingelstedt in Auldn. 
^»u Ende September 1838 traf der durch 
W kurfürstliches Dekret vom 21. Oktober 1838 
Ost von Kassel an das Gymnasium zu Fulda 
strafversetzte Hülfslehrer Franz Dingelstedt an 
seinem neuen Bestimmungsorte ein. Er stieg 
im Gasthofe zum Stern bei dem alten Senator 
Peter Follenius, einem weit und breit bekannten 
jovialen Gastwirth, ab und nahm seine Wohnung 
in der sog. alten Post, der Pfarrkirche gegen 
über, bei dem Kaufmann Wilhelm Schimmel- 
pfeng, der damals daselbst eine Schnittwaaren- 
handlung betrieb. Der Sohn des Senators 
Peter Follenius, Adalbert, war ein Mitschüler 
von uns und so erfuhren wir denn auch gleich 
die Ankunft unseres neuen Lehrers, von dem 
wir schon so viel gehört hatten und den kennen 
zu lernen wir ganz außerordentlich gespannt 
waren. Diese Gelegenheit sollte uns aber erst 
bei der Wiedereröffnung des Gymnasiums nach den 
Herbstferien zu Anfang Oktober zu Theil werden. 
Es war Sitte bei dem Fuldaer Gymnasium, 
daß der Direktor dieser Anstalt, die neuen 
Lehrer in die einzelnen Klassen, in welchen sie 
Unterricht zu ertheilen hatten, persönlich ein 
führte. So geschah es denn auch mit Franz 
Dingelstedt bei uns in Quarta. Nachdem der 
Direktor vr. Nikolaus Bach die herkömmliche 
Einführungsrede gehalten, sprach dann auch 
Franz Dingelstedt zu uns. Erinnere ich mich 
recht, so war der Inhalt der Rede des letzteren 
etwa folgendermaaßen. Von Kassel nach Fulda 
versetzt, ist es mir eine angenehme Aufgabe,
	        

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