Full text: Hessenland (7.1893)

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spruch vom 5. Januar 1801 wurden 130 Re 
publikaner zur Deportation nach den Sechellen ver- 
urtheilt. Unter den Angeklagten befand sich auch 
Charles Hesse, den Bonaparte als unbeugsamen 
Freiheitsschwärmer haßte. Ihm wurde die Insel 
Re b. Larochelle zum Aufenthalte angewiesen, und 
dort, in der langweiligen Stadt St. Martin, mußte 
er fünf Jahre zubringen, bis er schließlich die Erlaub 
niß zur Uebersiedelung nach Basel erhielt. Dort 
.hielt er sich von politischen Agitationen anfänglich 
gänzlich fern und beschäftigte sich vorzugsweise mit 
philosophischen und naturwissenschaftlichen Studien. 
Dies bewirkte eine Aussöhnung mit seinem Bruder, 
dem Landgrafen Karl Emanuel, der ihm jetzt wieder 
die Apanage auszahlen ließ. 
Zu jener Zeit war er auch schriftstellerisch thätig, 
er gab u. a. die Zeitschrift „Le Partisan“ heraus, 
in welcher er jedem seiner Artikel die bezeichnenden 
Worte „fiat lux“ beifügte. Den Sturz Napoleon's 
und die Einsetzung Ludwig's XVIII. als König von 
Frankreich hieß er - willkommen, als aber unter der 
Regierung des letzteren die Mißgriffe sich häuften, 
sagte er die Wiederkehr Napoleon's von der Insel 
Elba voraus. Nach der zweiten Restauration er 
mahnte er das französische Ministerium zu einer 
besseren Regierung und prophezeite im entgegengesetzten 
Falle den Sturz der bourbonischen Dynastie. Dies 
reizte die französischen Machthaber und veranlaßte 
Reklamationen bei der Regierung des Kantons Basel, 
welche schließlich seine Ausw.üsung zur Folge hatten. 
Im Jahre 1817 starb zu Frankfurt a. M. seine 
jüngere Schwester, die Stiftsdame Prinzessin 
Wilhelmine von Hessen-Rotenburg. Zu ihrer Be 
erdigung begab er sich dorthin und nahm nun dauernd 
seinen Aufenthalt in Frankfurt. Nur vorübergehend 
verweilte er einige Monate in Mainz, um dortselbst 
als greiser Schüler bei dem Professor Metternich 
Unterricht in den mathematischen Wissenschaften zu 
nehmen. 
Am 19. Mai 1821 verschied er zu Frankfurt in 
seinem 70. Lebensjahre. Am Petruskirchhofe dortselbst 
hat. er seine letzte Ruhestätte gefunden. Von unbe 
kannter Seite wurde ihm ein schlichter Grabstein ge 
setzt, den eine Akazie beschattet. 
Aus Heimach und Fremde. 
Die Gedenkfeier des 50jährigen Be 
stehens der Oberrealschule zu Kassel am 
4. d. M. hat nach jeder Richtung hin einen sehr 
befriedigenden Verlauf genommen. Die Betheiligung 
an derselben war eine außerordentlich zahlreiche, und 
deutlich konnte man sehen, wie diese Anstalt mit der 
Stadt Kassel und deren Bürgerschaft auf das 
innigste verwachsen ist. Aus der Reihe der einzelnen 
Festlichkeiten wollen wir hier nur hervorheben, daß 
die Hauptfeier am 4. Mai, Vormittags 10 Uhr 
von dem Direktor der Anstalt Herrn Dr. Karl 
Ackermann durch eine warm empfundene Ansprache, 
die von Herzen kam und zu Herzen ging. eröffnet 
wurde. Sodann hielt Herr Oberlehrer Dr. Knabe 
einen eingehenden Vortrag über die Geschichte der Ent 
stehung, Begründung und Entwickelung der Realschule. 
Er schloß feine vortreffliche Rede mit dem Wunsche: 
„Der alten Schule ein trcu Gedächtniß, 
Der neuen Schule die alte Treue zum 
Vermächtniß!“ 
Es folgten die Beglückwünschungen von Seiten der 
Vertreter der Behörden, Deputationen, Freunden der 
Schule rc. rc. Zunächst nahm Se. Excellenz der 
Herr Oberprästdent Magdeburg das Wort. Er 
betonte das hohe Interesse, welches Se. Majestät 
der Kaiser an der Entwickelung des Realschulwesens 
nehme. Die Verdienste des Herrn Direktors 
Pr. Ackermann erkenne Se. Majestät besonders an 
und gebe denselben euren äußeren Ausdruck durch 
Verleihung des Rothen Adler-Ordens 4. Klasse, 
welchen er hiermit die Ehre habe zu überreichen. 
Weiter betonte Se. Excellenz, daß auch der Herr 
Kultusminister ihn beauftragt habe, der Jubilarin 
und ihrem Leiter seine Glückwünsche darzubringen, 
mit denen er die eigenen verbinde. 
Es brachten dann die Vertreter der Kollegien 
und wissenschaftlichen Vereine ihre Gratulationen 
dar, worauf die Verlesung der zahlreich von 
auswärts eingegangenen Glückwünsche folgte. Herr 
Lande^ibliothekar Pr. Brunner überreichte Au 
Widm, gsblatt des „Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde“ und gedachte dabei des großen 
Interesses, welches die ehemaligen Schüler der 
Schule den Bestrebungen dieses Vereins von jeher 
bezeigt hätten, das verdanke man wohl mit der 
Anstalt, aus der sie hervorgegangen, die ihnen die 
Liebe zur engeren Heimalh an's Herz legte, dem 
Ausgangspunkte der Liebe für das große deutsche 
Vaterland. Als letzter der Gratulanten trat Herr 
Glasermeister H. Schäfer auf, der die Glückwünsche 
der ehemaligen Schüler der Anstalt darbrachte und 
eine Stiftungsurkunde über ein von den Schülern 
gesammeltes Kapital von 40, >0 Mark überreichte, 
dessen Zinsen zur Unterstützung würdiger bedürftiger 
Schüler, ohne Unterschied der Konfession, verwendet 
werden sollen. Herr Direktor Pr. Ackermann 
sprach in bewegten Worten allen denen den tief 
gefühlten Dank aus, welche durch ihre Theilnahme 
zur Verherrlichung des schönen Festes beigetragen 
haben. Er schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät 
den Kaiser. Mit dem Chorgesang „Mein Vaterland, 
du schönes Land" endete die wohlgelungene Schulfeier. 
Von Pr. Karl A. F. Knabe erschien zu der 
Gedenkfeier unter dem Titel „Vorgeschichte und 
Entwickelung d er O berrealschule zuKassel 
(1812—1893)“ eine besondere Festschrift, auf 
die wir bei anderer Gelegenheit zurückkommen werden. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Fried r. Scheel in Kassel.
	        

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