Full text: Hessenland (7.1893)

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und Preiß gleichstehe" und wurden „denenselbeu 
wegen der vorhabenden Anlage einer Englischen 
Steingnth Pabriqne gleiche Vortheile auf den 
Fall zugesagt, wenn sie innerhalb gleicher Frist 
von drey Jahren hinlänglich bescheinigen, daß 
sie solches in untadelhafter Güte zu verfertigen 
im Stande sind." 
Am 15. September 1794 wurde dieses er 
weiterte Privileg auf den Handelsmann Daniel 
Vvussaint von Neuhanau, nachdem er die 
Fabrik nebst dem dazu gehörigen Wohnhaus 
erkauft hatte und sie ihm gerichtlich gewährt 
worden war, transskribirt. Toussaint behielt 
indessen die Fabrik nicht lange, denn schon am 
17. April 1797 ging bei der hessischen Regierung 
ein Gesuch des Jakob Achilles Leisler ein 
folgenden Wortlauts: 
„Der Jnnhaber der van ^Ixbi'schen Por- 
eellain Pabriqne, Handelsmann Daniel 
Toussaint hat ohnlängst diese Madrigne mit 
dem dabey befindlichen Wohnhauß an meine 
Mutter des Neuhanauer Szmäioi Leisler 
Witwe Verkauft, welche mir solche zu meinem 
Dtablissernent bestimmt und übergeben hat. 
Da ich nun in der kurzen Zeit, als ich solche 
besize, Viel Verbessert habe, ja! wirklich in der 
Verfertigung des Stein Guts nach Englischer 
Art begriffen bin, so habe hiermit unterthänig 
bitten wollen 
nicht nur das Privilegium, womit gedachte 
Pabrique versehen ist, und wie solches unterm 
27. Febr. 1787 und letzlich unterm 15. Septbr. 
1794 bestätiget worden, auf mich gnädigst zu 
trausoribireir, sondern auch solches zugleich 
auf anderweite 20 Jahr zu erstrecken." 
Beides wurde am 7. Aug. 1797 vom Land 
grafen Wilhelm IX. gewährt und so finden wir 
in Gädecke's Fabriken-Lexikon (Weimar 
1799) im 1. Theil a. S. 109 unter Fayence: 
Hanau, Jakob Leisler. Wie lange unter 
ihm die Fabrik noch bestanden hat und ob that 
sächlich darin zuletzt auch Steingut 
fabrizirt worden ist, konnten wir nicht 
feststellen. Im März 1810 sollen die Waren 
bestände der „Porcellanfabrik“, wie sie immer 
genannt wurde, obschou niemals wirkliches 
Porzellan darin hergestellt worden war, zur 
Gant gekommen sein. Vermuthlich hatte der 
Betrieb schon geraume Zeit vorher aufgehört. 
Den nachstehends folgenden Mittheilungen 
über Erzeugnisse der Hanauer Fabrik nach dem 
Uebergang an Heinrich Sim ons van Alphen 
bis zu ihrem Eingehen muß der Verfasser die 
Bemerkung vorausschicken, daß sein Wissen da 
von arges Stückwerk ist. Wie schon angegeben 
wurde, ist von schriftlichen, auf den eigentlichen 
Geschäftsbetrieb bezüglichen Dokumenten nichts 
erhalten, aber auch von anderen Schriftstücken 
oder Drucksachen, wie z. B. Preislisten, wodurch 
doch wenigstens eine Uebersicht über die herge 
stellten Waaren im Allgemeinen ermöglicht würde, 
ist nichts zur Kenntniß gekommen. Auch be 
züglich der Erhaltung ihrer, allerdings ge 
brechlichen Monumente, scheint die Hanauer 
Fabrik weniger vom Glück begünstigt zu sein, 
als manche andere unbedeutendere Etablissements; 
die vom Verfasser gesammelten und ihm sonst 
bekannt gewordenen Fayencen Hanauischen Ur 
sprungs entsprechen der Anzahl nach durchaus 
nicht den Erwartungen, die man normaler 
Weise stellen dürfte, sie genügen in keiner Weise, 
um danach ein auch nur einigermaßen voll 
ständiges Bild alles dessen, was in Hanau 
fabrizirt worden ist, zu geben. Es müßten ins 
besondere viel mehr wirklich feine und künstlerisch 
vollendete Sachen existiren, da bei dem redlichen 
und auch erfolgreichen Streben der Besitzer, das 
Werk in die Höhe zu bringen und der fremd 
ländischen Konkurrenz die Spitze zu bieten, 
vorauszusetzen ist, daß neben der Massenwaare, 
welche dem Volk aus den Märkten und Messen 
geboten wurde, auch fortwährend besseres Tafel 
geschirr und theuere Prunkstücke für die Wohl 
habenden und Reichen hergestellt worden seien. 
Ein inl Jahr 1757 dem Landgrafen Wilhelm 
VIII. nach Kassel für 1400 Thaler gelieferter 
Prachtofen 50 * ) beweist, daß die Fabrik auch in 
dieser Branche vorzüglich leistungsfähig gewesen 
ist, zumal es sonst naheliegender für den ge 
nannten Fürsten gewesen wäre, das Stück in 
seiner herrschaftlichen Fayencefabrik zu Kassel 
herstellen zu lassen, auch einige alsbald zu be 
sprechende , mit in der Muffel eingebrannten 
Schmelzmalereien verzierte Stücke sind sicher 
nicht so vereinzelt hergestellt worden, wie man 
aus dem jetzigen seltenen Vorkommen von solchen 
Hanauer Fabrikaten anzunehmen geneigt sein 
wird. 
Bei den ältesten hierher gehörigen Sachen 
finden sich die inehr oder minder durchsichtigen 
Emailfarben in merklicher Dicke auf die Glasur 
aufgetragen; es sind Schüsseln und Teller mit 
5ft) In dem „Zur Interims Cabinets Administration 
Oassa gehörigen Liquidationsbuch v. 1759", welches 
sich im Kgl. Staatsarchiv zu Marburg befindet, liest man 
darüber a. S. 204. 
Den 3. April 1757. 
Dem Porcellain-Fabricanten Hrn. v. Alphen zu 
Hanau vor ein von porcellain anher gelieferten Ofen auf 
beiliegenden gnädigsten Befehl laut Quittung gezahlt — 
1400 Thlr. Frkftr. Courant thut in hiesiger Niederhessischer 
Währung 1312 Thlr. 16 alb. 
Vielleicht ist der Ofen für das damals im Bau be 
griffene Lustschloß Wilhelmsthal bestimmt gewesen und 
daselbst noch vorhanden.
	        

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