Full text: Hessenland (7.1893)

beschichte der Worzellainfabrik in Aku-Kanau. 
Von Professor <£. A. v. Drach. 
(Fortsetzung.) 
s aut ,Extraot Geheimen Raths Protooolli 
d. d. ^Veissenstein 48 ) d. 30. May 1786“ 
wurde „dem Supplicanten bekannt gemacht, 
daß Serenissimus nicht gnädigst geneigt sind, 
auf den angetragenen Verkauf sich einzulassen." 
Aus der Eingabe des Rocques verdient noch 
angeführt zu werden, es sei mit denen Handels- 
Büchern zu beweisen, daß die Fabriq noch hin 
längliche Commissiones und Absazz hat und 
daß der von daher ausgefallene Verdienst nach 
Abzug aller Unkosten und Arbeits-Lohnes jähr 
lich 1500 fl. Zinsen zu bezahlen im Stande 
war", sowie, daß „noch bis iezzo die Fabriq 
wegen des ermangelnden hinlänglichen Fonds im 
kleinen fortgetrieben und darin benebst einem 
Werkmeister sehr tüchtige Arbeiter unterhalten 
würden." 
Nachdem auch auf eine öffentliche Bekannt 
machung hin sich kein Käufer gefunden hatte, 
entschlossen sich die Hanauer „Handelsleute" 
Brand, Blachiere, Martin, Jassoy, Nolhac und 
Dangers, sowie der Dr. med. Jassoy und der 
Postamtsverwalter Bartels, „diese Fabrique 
durch Actien an sich zu kauffen, wenn anderst 
das der van ^.lpbi'schen Familie vorhin ertheilt 
gewesene Privilegium auf sie erneuert und mit 
noch einigen Vortheilen, die weder das Höchst 
herrschaftliche Interesse beeinträchtigen, noch daß 
Pnblienrn beschweren, erweitert würde." Die 
genannten sagen in der am 7. August 1786 
vorgelegten Eingabe weiter: „So hoffen wir, 
die wir diese immer mit beträchtlichem Risico 
gepaart gehende Entreprise ohne alles Privat 
Interesse aus bloser Vaterlandsliebe, theils um 
die dahier so lang gestandene Fabrique aufrecht 
zu erhalten, theils aber um denen vielen darin 
angestellten Arbeitern, die bey dem gäntzlichen 
Untergang alle ohne Brod und also dem Ge 
meinwesen beschwerlich seyn würden, in der 
Nahrung und dem Verdienst zu erhalten, unter 
es) So hieß damals die Wilhelmshöhe bei Kassel, 
meist Sommerresidenz der Landgrafen; erst nach Vollendung 
des neuen Schloßbaues durch Wilhelm IX. i. I. 1798 
wurde der Name verändert. 
nommen haben, um so mehr noch gnädigste Er- 
hörung, da wir immer auf die mehrere Er 
weiterung der Fabrique unser Augenwerk richten 
und uns allen Ernstes bestreben werden, aus 
einer bey Gelnhausen vorfindlichen Erde, das 
iezo so allgemein beliebte Englische Steingut 
nachzuahmen ") und also dadurch eine neue in 
hiesigen Gegenden noch gänzlich unbekannte 
Fabrique anhero zu bringen" und bitten „das 
der van Alphi’f^en Familie ertheilt gewesene 
Privilegium auf den Fall, daß wir die da 
mit begnadigte Fabrique an uns kaufen werden, 
nicht nur auf uns zu erneuern, sondern es auch 
Von 10 auf 20 Jahren und noch weiter dahin 
zu extendiren, daß in dieser Zwischenzeit 
a) Niemand in der Grafschafft Hanau weder 
dieses Porcellain, noch die Englische Stein 
. Art, wenn es uns damit glücken sollte, nach 
machen und 
b) in eben dieser Zeit kein auswärtiges 
Poreellain, das dem unserigen gleichet, 
außer denen Meßen dahier zum Verkauf 
feil getragen oder auf denen Kirchweyhen 
geftthret werden dürfe." 
Nachdem das Konsortium „das Van Alphi'sche 
Wohnhaus und Poreellaiu Fabriq durch das 
höchste Gebot! erstanden und gewährt erhalten" 
hatte, wurde demselben, als Firma: Martin, 
Dangers und Compagnie, ba§ erweiterte 
Privileg am 27. Februar 1787 auf 20 Jahre 
ertheilt mit dem Zusatz, daß „die dermahlige 
besitzer der van ^.Ipbi'schen Poreellaiu Fabrique 
in drey Jahren darthnn müßten, daß die bisher 
in schlechter Qualität und in höherem Preiß 
verfertigte Fayences der auswärtigen in Güte 49 
49) Darauf hatte schon Rocques hingewiesen, als er 
dem Landgrafen die Fabrik zum Kauf antrug; er sagt: 
„es könnte solche auch, wenn sie unter Landesherrliche 
Administration gesetzet und mit einem stärkeren Fond 
versehen würde, noch umsovielmehr verbessert und er 
weitert werden, da dem Vernehmen und denen von dem 
Schloßverwalter Merz und HofOonditor Hey damit 
angestellten Versuchen nach bey Gellnhaußen eine solche 
Erde sich vorfinden soll, aus welcher die sobekannte 
englische Stein-Art nachgemacht werden kann."
	        

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