Full text: Hessenland (7.1893)

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er genannt wurde, als Richter fungirte. Die Fragen, 
welche derselbe zu stellen hatte, und die Antworten, 
welche darauf erfolgten, sowie die Förmlichkeiten, die 
dabei herrschten, mögen heute wohl ein gewisses 
Lächeln Hervorrufen, damals wurden sie aber für ein 
wesentliches Erfordern iß zur Gültigkeit der Verhand 
lung selbst gehalten Sie lauten nach der uns vor 
liegenden Druckschrift wie folgt: 
„I. Erstlich fragt der Richter. 
Ob es auch an der rechten Tagzeit sey, daß man 
deß Hochwürdigen vnsers Gnädigen Fürsten vnd 
Herren von Fulda, Ihrer Fürstl. Gnaden Alten- 
höffischs Gericht besetzen, halten und Hägen möge? 
Antwort der Schöpffe. 
Ja es sey wol an der rechten Tagzeit, daß man 
deß Hochwürdigen vnsers Gnädigen Fürsten vnd 
Herren von Fulda Ihrer F. G. Altenhöffischs Gericht 
besetze, halte vnd Häge, doch so fern man nachkomme, 
wie recht, vnd von Alters Gewohnheit und Her 
kommen ist. 
II. Zum andern wird gefragt. 
Wie soll man dann solches Altenhöffischs Gericht 
Hägen, damit es Krafft vnd Macht habe, vnd zum 
Rechten beständig sei? 
Antwort. 
Man soll dieses Gericht Hägen bey des Hoch 
würdigen vnsers Gnädigen Fürsten vnd Herrn von 
Fulda Bann, vnd bey deß Herrn Marschalcks Bann, 
auch bey deß Herrn Hoffmeisters Bann, so wol auch 
bey der Schöpffen Bann, vnd bey deß Schultheisen 
Bann, ja bey deß Altenhoffs Recht, Freyheit vnd 
Gerechtigkeit, wie von Alters an diß Gericht 
kommen ist. 
Hierauff spricht nun der Richter. 
Wolan so wird auch hiemit alsobald verbotten, 
daß keiner ein oder auß der Lücken trette, er habe 
dann erst Erlaubnuß. Es soll auch keiner dem andern 
in sein Wort fallen, er habe dann Erlaubnuß. Es 
sollen auch sonsten allerhand ungeschickte, unnütze vnd 
unzüchtige Wort, so hieher vnd für diß Gericht nicht 
gehören, verbotten seyn, vnd was sonsten von Alters 
vnd löblicher Gewohnheit ist verbotten, solches auch 
anjetzo soll verbotten seyn. 
III. Zum dritten wird gefragt. 
Ob dann nun das Gericht genugsamb gehägt sey. 
daß es Krafft vnd Macht habe, vnd zum Rechten 
beständig sey? 
Antwort. 
Ja es sey zum Rechten genugsamb gehägt, wo 
fern man nur nachkomme, wie von Alters Her 
kommen, vnd bräuchlich ist. 
IV. Zum vierdten wird gefragt. 
Wie viel ein Hoffmeister Jährlich Gericht zu 
machen habe, vnd zu welcher Zeit. 
Antwort. 
Ein Hoffmeister hat in einem Jahr drey Gericht 
Macht zu halten, nemblich das erste auff S. Walt 
burgis, das ander auf S. Michaelis, das dritte auff 
S. Petri, vngefehrlich vierzehen Tage zuvor oder 
darnach, vnd so offt es dem gemeinen Mann von 
nöhten ist, einem Belehnten vmb zwey, und einem 
Vnbelehnten vmb vier Schocke. 
V. Zum fünfften wird gefragt. 
Warüber ein Hoffmeister deß Altenhoffs zu richten 
habe? und dessen er ein Richter sey? 
Antwort. 
Vber Schuld und Schaden, über Eig und Erb, 
auch über kündlich und müglich Gebott. 
VI. Zum sechsten wird gefragt. 
Wer dann solches Gericht zu besuchen schuldig? 
Antwort. 
Alle die jenigen, so Erb und Eigen haben, so vom 
Altenhoff belehnt, und ihme Zinßbar seyn. 
VII. Zum siebenden wird gefragt. 
Wann nun derselben einem vorgebotten würde, 
vnd der erschiene nicht, ob er dasselbige nicht ver- 
büssen soll, und wie hoch? 
Antwort. 
Welchem zum Gericht gebotten wird, vnd erscheinet 
nicht, der soll das verbüssen, nemblich der gemein 
Mann mit sechshalben Pfenning, und ein Schöpff 
noch so hoch, er habe dann redliche Ursach die jhnen 
entschuldigen möge. 
VIII. Zum achten wird gefragt. 
Ob sich nun Mängel, Fehl und Gebrechen, auff 
den Althöffischen Gütern zugetragen hätten, oder noch 
zutrügen, wie man solches erfahren soll? 
Antwort. 
Man soll dem gemeinen ein Rüge geben, damit 
wird man erfahren was vonnöthen ist. 
IX. Zum neundten wird gefragt. 
Wie man die Rüge geben soll, damit sie Krafft 
und Macht habe, und zum Rechten beständig sey? 
Antwort. 
Man soll die Rüg geben dem Richter auff ein 
Eyd, den er unserm Gnädigen Fürsten und Herrn 
zu Fulda gethan hat, den Schöpffen auff ein Eyd,
	        

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