Full text: Hessenland (7.1893)

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Wirs!') 
(Schwälmer Mundart.) 
Bann so in Sißbüt 2 ) zu mer kemmt 
Voll Frengdlichkeet ö Schmonzeln 3 ), 
Dr Zonn 4 ) ö Gremm mich ewernemmt. 
Meng Stänn 5 ) leht sich i Ronzeln 6 ). 
Niir off dr Zong höt Sißbüt Hünk^), 
Im Häze Gest ö Gall genünk. 
Zü allem sprecht hä sißlich jo. 
Hä well kee Fleihj betriewe^), 
Ö schmonzelnd monzelnd stet hä do 0) 
Bie Jüdas ver dr Liewe. 
Hä es kin Mänsch ; hä es ee Katz. 
Mer grauwts, ö räufe mecht ich: „Kratz!" 
Jo, kratz! Dn ziehst die Kralln nur i. 
Ich mißt dich wüll") net kenne! 
Die Kralln heräus! Düh nür net schie! 
Ich kann dich Frengd ") net nenne. 
De offne Fengd") kann ich noch ehrn; 
Doch denger Frengdschofft' 3 ) muß ich wehrn. 
Ha, bann dü met mer schmonzeln wett, 
Da läw, däß ich kann lache! 
Dü gönnst mer jo de Orem") net 
häst mich gärn im Rache. 
Drem, Sißbüt, läß deng Schmonzeln seng, 
Ö näus nü, Judas, äwer schweng!" ") 
Kurt Muhn. 
i) Hinaus 2 ) Sußbart *>) Freundlichkeit und Lächeln 4 ) 
Zorn Stirne 6 ) Runzeln ') Honig 8 ) Fliege betrüben 9 ) 
lächelnd küssend steht er da 10 ) wohl n ) Freund > 2 ) Feind 
ls ) Freundschaft ") Odem > 9 ) aber schnell. 
Msdsert.') 
(Schwälmer Mundart.) 
Mel.: „Heute scheid' ich, heute wandre ich" rc. 
Nü ade, meng liewes Mäje! 2 ) 
Machs nü güt! Da ich müß sott. 
Gott behiet dich allerwäje, 3 ) 
Sei deng Schütz ö sei deng Säje! 4 ) 
Machs nü güt! Ich hal meng Wott 5 ) 
Kühl om Stohre stieh die Weihre, 
Ö im Fäld leiht rengsem Schnei. 6 ) 
Müß ich sott ööch i dos Weihre, ^) 
Flünn b) net so, ich kanns net leihre. 9 ) 
Noch demm Wenter kemmt dr Mai. 
Könn") mer ins net immer schreiwe, 
Bie es stet, ö dies ins get? ") 
Platze ööch die Fänsterschciwe, ,2 ) 
Wern mer zwec doch trei ins bleiwc. 
Gürre Nücht! Nü gieh 1S ) ze Bett. 
Doch noch eens well ich der spräche: 
Glööw u ) nür net o alle Treem!") 
Bann de Rose der wett bräche. 
Sah dich ver! Die Denner stäche.") 
x im Sommer komm ich heem. 
Kurt Muhn. 
>) Abschied 2 ) Mädchen ») Gott behüte dich allerwegen 
4 ) dein Segen 5 ) halte mein Mort 6 ) Kahl am Bache 
stehn die Weiden, und im Feld liegt ringsum Schnee. 
7) Weite-Ferne 8 ) weine 9 ) leiden >») können >>) wie es 
steht, und wie es uns geht i 2 ) Fensterscheiben IS ) geh ") 
glaube w) Träume '«) Wenn du Rosen dir willst brechen, 
sieh dich vor! Die Dörner stechen. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Die Hinrichtung des Junkers Rudolf 
vonEckardsbergamZ. Mai I615zuKassel. 
Wie der Landgraf Moritz von Hessen, der Gelehrte, un 
streitig der geistig bedeutendste unter den hessischen Re 
genten, allen Gebieten des Staatslebens seine Sorgfalt 
zuwandte, so war dies in ganz besonderem Grade auch 
bei der Rechtspflege der Fall. Mit scharfem Auge 
wachte er über dem Ruhme der fürstlichen Kanzlei 
zu Kassel und wohl konnte man derselben nachrühmen, 
daß während der fünf und dreißig jährigen Regierung 
des Landgrafen Moritz keines ihrer Urtheile von dem 
Reichskammergerichte umgestoßen worden ist. In 
einem aber vergriff sich der Landgraf. Man glaubte 
damals in Deutschland eine ganz ungewöhnliche Ver 
mehrung der Verbrechen wahrzunehmen, und wähnte 
diesem Uebelstand nicht besser entgegentreten zu können, 
als durch Verschärfung der ohnedies schon scharfen 
Bestimmungen der peinlichen Halsgerichts-Ordnung. 
Die von Philipp dem Großmüthigen im Jahre 1535 
erlassene sog. „Philippina", die der „Carolina" nach 
gebildet war, schien dem Landgrafen der zunehmenden 
Sittenverderbniß gegenüber nicht mehr auszureichen, 
und so traten denn Erhöhungen der Strafen ein, die 
geradezu an Grausamkeit grenzten. Ein Fall derart 
zog ihm nicht nur den allgemeinen Unwillen zu, derselbe 
war auch geeignet, einen sehr bedenklichen Schatten 
auf den Charakter des Fürsten, der doch sonst ein 
Mann von edelstem Streben war und der selbst die 
Anfangsbuchstaben seines Namens „Moritz, Landgraf 
zu Hessen" M. L. z. H. als „Meine Lust zum 
Höchsten" deutete, zu werfen. Diesen absonderlichen 
Kriminalfall zu schildern, ist der Zweck unseres 
Artikels. 
Am Hofe des Landgrafen Moritz von Hessen lebte 
ein Hofjunker Rudolf von Eckardsberg, der einem 
alten Geschlechte aus Meißen entstammte. Der 
junge, schöne, aber auch eitle und leichtfertige Junker 
stand bei der Landgräfin Juliane in hoher Gunst. 
Das machte ihn übermüthig, und in seiner Unbe- 
besonnenheit ließ er sich hinreißen, die Fürstin zu 
umarmen und zu küssen. Der Hofmarschall und
	        

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