Full text: Hessenland (7.1893)

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fürt länger ohnbezahlt stehen bleiben, oder wohl 
gar zu Hanau desfalls Erinnerung geschehen sollte, 
als ersuchen wir unsere Hochgeehrteste Hrn. Amts 
brüder sambt und sonders mit ihrem beitragen 
in guten ohnverrufenen Münzsorten so zu eilen, 
daß in Zeit und Tagen alles berichtiget und 
wir nach Verfließung dieser Zeit nicht nötig 
haben wegen ein und des andern Saumseligkeit 
höhere autoritaet zu implorieren, die wir mit 
aller Hochachtung beharren 
Windecken, am 5. 8L? 1764 
Ew. Hochehrw. 
Ergebenste Diener 
I. M. Kochendörsfer. 
Das Carmen bei Ankunft höchster Durch!. 
Landes-Herrschaft, so nomine ministerii ist über 
reichet worden, kostet Einem jeden Herrn Pfarrer 
4 fl. 6 alb., die ganze Summa ist 210 fl. 
I. M. Kochendörsfer. F. A. Agricola. 
Es hat nicht nur die vorstehende Rechnung 
ihre Richtigkeit, sondern es ist daraus auch zu 
ersehen, daß außer einigen besondern Kosten, die 
ich gehabt aber nicht angerechnet, sowohl ich als 
die andern drei hiesigen Prediger ein jeder sein 
Antheil bezahlt haben. Da nun die Ehre des 
ministerii insgemein und eines jeden Glieds 
desselben insbesondere erfordert, daß die sämmt 
liche Kosten fordersamst bezahlt werden, so wird 
ein jeder Herr Prediger angelegentlich ermahnet, 
seinen antheil ohne einigen anstand aufs schleunigste 
an die Herrn Deputierte in gutem Eckietmäßigen 
Gelde einzusenden. 
Hanau, den 5. 1764. 
I. G. Schiede, 
Superintendent. 
VII. 
Verzeignüß, 
was das bei Höchster Landes-Herrschaft nomine 
ministerii allerunterthänigst überreichte Glück- 
wünschungsgedicht gekostet. 
Dem Dichter lt. Quittung 
DemBuchdruckerBrammer 
vor Drucken und Papier 
Dem Buchbinder Zilger 
die 6 Haubtexemplare in 
Estoflen, 75 in Gold 
papier und 225 einzu 
binden und zu vergulden 
An Hrn. Vorstadt vor 
Sammt, Mohr, Atlas 
und goldne Fransen 
Das Küssen zu machen 
Die Kutsche vor die De 
putierten 
Dem Althauß vor seine 
Bemühung die Exem- 
plaria an gehörige orte 
zu tragen .... 
Vor gleiche Bemühung 
Botenlohn und Trankgeld 
40 fl. 
47 „ 25 alb. 
40 „ 13 „ 4 bllr. 
64 „ 12 4 „ 
3 „ 15 „ „ 
4 u 4 4 
" a 20 „ „ 
— 210 fl. — alb. 4 bllr. 
Leider ist das so vielfach ciuaestionierte 
Glückwünschungs-Carmen selbst nicht aufzufinden 
gewesen trotz aller angewandten Mühe des 
Suchens und Forschens, was wir in seinem wie 
in unser aller Interesse nur auf das Lebhafteste 
zu bedauern vermögen. Man hat ihm vergeb 
lich nachgespürt, nicht nur in Pfarrei-Archiven, 
sondern sogar im Staats-Archiv zu Marburg, 
an welches die alten Akten des vorhinnigen 
Konsistoriums zu Hanau abgegeben worden sind. 
Es wird wohl mit der guten alten Zeit für 
immer verschwunden sein. 
Marburg. 
Mit seinen stolzen Zinnen 
Ragt Marburg hoch im Land, 
Darum die Wellen spinnen 
Der Lahn ihr Silberband, 
Und rings im grünen Kranze 
Die waldbedeckten Höh'n 
Im hellen Sonnenglanze. 
Wie ist die Welt hier schön! 
Der Geist der Musensöhne, 
Der Jugend Muth und Kraft, 
Und seiner Töchter Schöne 
Zum Paradies es schasst. 
Geleert wird mancher Ganze 
Beim lauten Festgetön; 
Doch erst beim heitern Tanze 
Wie ist die Welt hier schön! 
Du Musenstadt in Hessen, 
Wer hier geweitet hat, 
Wird nimmer je vergessen 
Die liebe alte Stadt. 
In der Erinnerung Kranze 
Als schönste Blüthe steh'n 
Wird sie im Sonnenglanze. 
Wie war die Welt hier schön! 
$. Sievert.
	        

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