Full text: Hessenland (7.1893)

— 116 
diesen Hochwichtig- und erfreulichen Vorwurf zu 
haltenden schicklichen Predigt mit gehörigem 
Nachdruck und anständigkeit ernstlich zu ver 
mahnen. 
veoreturn Hanau 17. 8M? 1764. 
F. Ev. R. Co. 
gz. Homberg. 
III. 
(Vertraulich.) 
Denen sämmtlichen Ev. Rek. Predigern hat 
zur Nachachtnng hiermit bekannt gemacht werden 
sollen, daß dieselben bei Ablesung des Notifications 
Patents wegen Uebernehmung und antretung der 
Landes - Regierung Jhro Hochfürstl. Durchlaucht 
des Herrn Erbprinzen zu Hessen unsers gnädigsten 
Fürsten und Herrn, und in der auf diesen hoch 
wichtigen und erfreulichen Vorwurf gerichteten 
Predigt des Uebergangs Jhro Hochfürstl. Durchl. 
des Herrn Landgrafen zu Hessen Kassel zur 
Römisch Katholischen Religion und derer durch 
die ^ssecurations-Akte dagegen gemachten Vor 
kehrungen gar nicht gedenken, noch viel weniger 
aber deshalben die mindesten Anzüglichkeiten ge 
brauchen mögen. 
Hanau eoäew. 
gz. I. G. Schiede. 
IV. 
Hochwürdige, Hochgelahrte, 
besonders Hochgeehrteste Herrn Amtsbrüdcr! 
Nachdem man bei letzterem Convent in Er 
wägung gezogen, ob es nicht schicklich und dem 
ministem anständig bei schier bevorstehender 
Rückkunft unsers Durchlauchtigsten Fürsten und 
Herrn mit dessen Frau Gemahlin Kgl. Hohhejt 
mittels Darreichung eines eanninis devotest 
Wegen glücklich vollzogener Vermählung Glück 
zu wünschen, und sämmtlich damals gegenwärtige 
Herrn Amtsbrüder in Rücksicht daß ein gleiches 
1736 geschehn, und in Betrachtung daß der 
Durchlauchtigste Prinz zu gleicher Zeit die Re 
gierung würklich antreten wird, einhellig be 
schloßen , auch höhern Orts genehmigt worden; 
demzufolge solches gedicht bei dem Herrn Secretnir 
Scheel zu Frankfurt bestellet, auch dessen Ansatz 
von Herrn Consistorial Rath und Inspector 
Schiede approbieret und bereits dem Druck über 
geben worden. 
Als sollen wir Ew. Hochehrwürden die schuldige 
Nachricht nicht weniger davon geben, als da ein 
allgemeiner beifall keinem Zweifel unterworfen, 
zur Bestreitung derer Kosten aber baare Aus 
lagen erforderlich, inmaßen der Dichter nicht 
lange borgen, die zur Decke nötige Stoffe a conto 
zu nehmen ebenso unschicklich sein würde, dieser 
wegen werden unsere Hochgeehrteste Herrn 
Brüder und jeder insonderheit hiermit ersucht, 
zwey Gulden an uns desto zeitiger einzuschicken 
als die ankunft des Durchl. Ehepaars innerhalb 
20 Tagen vermutet wird; sobald soll diese 
Sache nicht zu Ende sein als eine specifique 
Berechnung dem ganzen Ehrw. ministem p. 
circ. soll vorgeleget und mit den Original 
Quittungen bescheinigt werden, die wir mit aller 
Hochachtung bestehen 
Windecken am 25. 7M 1764 
Ew. HochEhrw. 
ergebenste Diener 
I. M. Kochendörfer. 
I. A. Agri cola. 
Einer der Herren Amtsbrüder fügt dem 
Zirkularschreiben folgende Betrachtung hinzu: 
„Bei der hohen Vermählung, bevorstehendem 
Einzug und Antrettung der gedachten Landes- 
Regierung Ihrer Kgl. Hohheit unserer Durchl. 
Gnädigsten Landesfürstin mit dem Durchl. 
unserm Gnädigsten Erbprinzen und Landesfürsten 
ist das frohe und schuldigste Vorhaben wegen des 
quaestionierten Carminis allerdings ein Gefolg 
unserer tiefsten unterthänigkeit, Liebe und Freude, 
so in den Hertzen der ministerii membrorum 
vorzüglich muß gegründet sein und gegründet ist, 
auch dem meinigen. Dahero mich auch der 
Hochgeneigten Verfügung des Herrn Consistorial 
Rath und Inspectoris Schiede gehorsamst und 
freudigst füge. Gebe aber zugleich den Herrn 
Deputierten zu überlegen, ob es nit füglich sei, 
entweder ohnnötige Unkosten oder andere Weit 
läufigkeit zu vermeiden, oder auch die Abgabe 
zu fördern, daß zu Hanau, dem allen und 
jedem gelegensten ort, bei einem tertio als 
Herrn Gerstung oder Herrn Registrator Bromrell 
ein jeder sein ratnm abgeben und dieses durch 
ein anderes Circulare dem Ministerio forder- 
sambst bekannt gemacht werde." — 
Theobald, Pfarrer zu Niederrodenbach, ist's, 
der die intendierte Haupt- und Staatsaktion 
des reformirten Ministerii mit diesen loyalen 
Betrachtungen begleitet. Wie der weitere Fort 
gang der Sache zeigt, waren nicht alle Hoch- 
ehrw. Herren Amtsbrüder so wie er durchdrungen 
in tiefster Unterthänigkeit, Liebe und Freude von 
der Bedeutung des quaestionerten frohen und 
schuldigsten Vorhabens. Das freiwillig er 
zwungene, auf Bestellung gearbeitete Hochzeits- 
Carmen war für die damaligen kargen Be 
soldungsverhältnisse der Hanauer Landpfarrer 
eigentlich doch auch etwas zu theuer, wie sich 
später herausstellte.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.