Full text: Hessenland (7.1893)

115 
bis er den Konfessionsstand des Landes durch 
die Neligions-Assekurationsakte von 1754, — 
zu Stande gekommen unter Mitwirkung von 
Kurbrandenburg, England, Holland, Schweden 
und Dänemark — sichergestellt zu haben glaubte. 
Dieselbe garantierte dem Lande die unbeschränkte 
Ausübung des evangelischen Bekenntnisses, 
entzog dem Erbprinzen Friedrich die Erziehung 
seiner Kinder und stellte namentlich seinen Sohn 
Wilhelm unter die alleinige Vormundschaft seiner 
Mutter, der englischen Prinzessin Maria, welche 
fortan von ihrem Gemahle getrennt zu Hanau 
lebte. Weiter bestimmte sie die Grafschaft 
Hanau für den jungen Prinzen nach.des Land 
grafen Wilhelm VIII. Tode mit Umgehung des 
Vaters. 
Aus diesen Zeitereignissen heraus sind die 
nachfolgenden Aktenstücke geboren, namentlich die 
in kultur-historischer Hinsicht so hochinteressanten, 
welche die Ueberreichung eines Hochzeits-Carminis 
Namens der Hanauer reformierten Geistlichkeit 
betreffen, gelegentlich der Vermählung Sr. Hoch 
fürstlichen Durchlaucht des Erbprinzen mit der 
Königlichen Erbprinzessin Wilhelmine Karoline 
zu Dänemark und Norwegen. 
Wir geben die Akten, wie wir sie gefunden 
haben, ohne unnöthiges Beiwerk, indem wir es 
für das geschmackvollste halten, sie allein reden 
zu lassen, und somit uns in der lebendigsten 
Weise in eine Zeit zurückversetzen, die in so 
mancher Hinsicht doch ganz anders geartet war 
als die nnsrige. 
I. 
Nachdem Jhro der Frau Landgräfin Regentin 
Kgl. Hohheit gnädigst befohlen, daß sobald von 
der würklich vollzogenen höchst beglückten Ver- 
niählung des Herrn Erbprinzen unsres gnädigsten 
Fürsten und Herrn Hochfürstl. Durchlaucht mit 
der Königlichen Erbprinzessin Wilhelmine 
Karoline zu Dänemark und Norwegen Hoheit 
die erwünschte Nachricht allhier eingegangen sein 
würde, solche am ersten Sonntage hernach in denen 
Städten so wohl als auf dem Lande von denen 
Predigern jeder Gemeinde öffentlich bekannt 
gemacht, anbei Gott dem Allerhöchsten vor diese 
Wohltat gedanket und dessen Segen vor das 
durchlauchtigste Ehepaar dergestalten wie ein 
jeder die Andacht seiner Zuhörer über diesen 
wichtigen Vorwurf am besten zu erwecken ver 
möge, erbeten, sodann auch das ordinäre 
Kirchengebäth auf unsere nun mehrig regierende 
gnädigste Landesfürstin nach dem zugleich an 
gefügten forrnutar mitgerichtet werden solle, 
nunmehrv aber die höchsterfreuliche Nachricht von 
dieser würklich vollzogenen höchstbeglückten Ver 
mählung eingegangen ist: 
So wird solches denen sämmtlichen unter 
diesem collegio stehenden Predigern des Endes 
hiermit zu ihrer behörigen Nachachtung bekannt 
gemacht, um den nächsten einstehenden Sonntag 
bei der Vormittagspredigt nach dem Introitu 
oder ersten Eingang der Gemeinde diesen 
wichtigen Vorfall bekannt zu machen und dabei 
besonders vorzustellen, daß gleichwie bei dieser 
höchsten Vermählung hauptsächlich auch auf den 
heilsamen Entzweck Bedacht genommen worden, 
um die protestantische Religion vornehmlich in 
diesem Lande in Sicherheit zu setzen und zu er 
halten , — also man um desto mehr Ursache 
habe wegen deren glücklichen Vollziehung dem 
Allerhöchsten nicht nur demütigst zu danken, 
sondern denselben auch von Herzen anzurufen, 
darzu seine Gnade zu verleihen, damit dieses 
durchlauchtigste Ehepaar mit allem Segen nach 
Seel und Leib reichlich überschüttet, in allem 
höchsten Wohlsein unverrückt erhalten, und durch 
höchstdieselben und dero Nachkommen unsere 
allerheiligste Religion in aller Sicherheit, und 
wir und unsere Kinder und Kindeskinder in 
aller geist- und leiblichen Glückseligkeit bewahret, 
mithin unsere herzliche wünsche und zuversicht 
liche Hoffnung erfüllet werden mögen, wonach 
dann das darauf folgende Gebäth auch ein 
zurichten, und nebst herzlicher Danksagung der 
milde seegen Gottes zu erbitten, nach der 
Predigt aber von demselben künftigen Sonnlag 
an und fernerhin in dem gewöhnlichen gebäth 
das hier beikommende Formular an behörigem 
orte einzurücken und bis auf anderweite Ver 
ordnung beständig zu gebrauchen ist. 
Oecreturn Hanau 10. 9. 1764. 
Fürstl. Ev. Reform. Cons. daselbst, 
gz. Homberg. 
II. 
Nachdem Jhro der Frau Landgräfin Kgl. 
Hohheit Dero über die Grafschaft Hanau-Münzen- 
burg glorwürdigst bishero geführte Vormund 
schaftliche Regentschaft Höchst Jhro selben ältesten 
Herrn Sohns des Herrn Erbprinzen Unsres 
gnädigsten Fürsten und Herrn Hochfürstl. 
Durchlaucht ab- und Sr. Hochfürstl. Durch!, 
diese Höchsteigene Landes - Regierung nunmehro 
würklich angetreten haben, So wird sämmtlichen 
unter der Direction dieses collegii stehenden 
Herrn Predigern angebogenes gnädigst erlassene 
Verfügungs-Patent hiermit zugefertigt, um das 
selbe am nächsten Sonntag nach dessen von denen 
Beambten geschehener.Publication von der Kanzel 
nochmals zu verlesen, und die gemeinde zur 
pflichtschuldigen Treue, Gehorsam und unter- 
thänigkeit gegen unsern Durchlauchtigsten gnädig 
sten Landesfürsten und Herrn nach einer über
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.