Full text: Hessenland (7.1893)

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den Verkehr, theils für die Beschaffung des Brenn- 
Materials günstiger gelegenen ähnlichen Etablisse 
ments zu kämpfen hatte; als solche giebt van 
Alphen in einer Beschwerde besonders „die 
Flörschheimer Fabrik im Chur Maintzi 
schen, die Hessen-Darmstättische, die 
Holländische, die Franckfurther, Offenbacher 
und in Francken die Marckbreiter und 
Onolzbacher, dann die Sä ch fische, Hessen - 
Casselsche, Hannoverische nndElsasser 
Fabriquen" an.") 
Hieronymus van Alphen hatte nach dem 
Tode seines Vaters sich sogleich vorgenommen, 
„die subrigue starck zu ponssiren"; er ließ zu 
dem Ende in Bischofsheim mit großen Kosten 
eine Menge Erde ausgraben, sodaß 1770 noch 
ein Vorrath für 30 Jahre vorhanden war und 
verlegte die Schlemmerei von dort nach Hanau; 
er sparte weder Kosten noch Fleiß, wobei er 
„sehr vieles Geld, ja gantze Capitalien auf 
wandte, „um neue Wiffenschafften zu kauffen 
und durch Proben auszufinden, dadurch die 
Fabrique in solchen Stand zu setzen, als wohl 
wenig Fobriquen sich leicht finden dörffen." 
Aber, obschon er von seiner Waare behaupten 
konnte, „daß man der besten Fayenee Trotz 
biethen kann", so mußte er doch schließlich sagen 43 44 ): 
43 ) Ueber die hier genannten Fabriken könnte bei den 
bekannten nur schon Bekanntes, bei den anderen Nichts 
mitgetheilt werden, es sei daher zur Erläuterung nur 
bemerkt, daß mit der Hessen-Darmstädtischen Kelsterbach 
a. M. gemeint ist und unter den Sächsischen wohl Coburg 
und Erfurt, unter den Hannöverischen Münden 
und Wrisbergholtzen, unter den Elsässer Straß - 
burg und Niederweiler zu verstehen sind. 
Ebenso wie die van Alphen'sche Fabrik für die 
Gralschaft Hanau privilegirt war, genossen auch die 
sonstigen Manufakturen durch Einfuhrverbote fremder Er 
zeugnisse Schutz in den Territorien, zu denen sie gehörten; 
sie waren aber zugleich alle bestrebt auf dem Wege der 
Schmuggelei außerhalb derselben Absatz zu gewinnen und 
unterließen es daher häufig aus diesem Grunde auf der 
Waare Fabrikzeichen anzubringen; ein Umstand, welcher 
auch jetzt noch das Auseinanderhalten der Fabrikate oft 
erschwert. 
Auch in allernächster Nähe von Hanau versuchte 
man Konkurrenzfabriken zu schaffen; so im Jabre 1752 
zu Hochstadt, einem etwa 1 Stunde entfernten im 
hanauischen Gebiete gelegenen Dorfe und, als dies nicht 
gestattet wurde in dem etwas entfernteren, unter Grfl. 
Jsenburgischer Hoheit stehenden Rückin g en. An ersterem 
Orte war es ein gewisser Joh. Jacob Stein, der sich 
anheischig machte, ein „Bourcelain zu fabriziren, welches 
nicht alleine dem Hanauer gleiche, sondern noch weit 
feiner alß daselbige sei", jedoch keine Konzession zu der 
Anlage einer Fabrik erhielt. In Rückingen möchte jedoch 
die von dem daselbst begüterten Hessen-DarmstÜdtischen 
Geheimen Kriegsrath von K a m e tz k y- E st i b o r und 
zwei Frankfurter Kaufleuten unterstützte Gründung, wenn 
auch ohne dauernden Bestand, wirklich erfolgt sein. Es 
finden sich mit R bezeichnete und den Hanauer Fabrikaten 
sehr ähnliche Fayencen, welche dort entstanden sein könnten. 
44 ) In einer Eingabe vom 11. April 1770. 
„daß ohnerachtet aller meiner Mühe und sorgfalt 
ich würcklich schon in zwei Jahren hier nicht 
soviel als sonsten nur in einem habe debitiren 
können, und dabei kann eine Manufactur, wie 
die meinige, die vor anderen ein großes Capital 
allein in räumliche Gebäude erfordert, die viele 
Arbeiter erhalten, ihre Künstler auswärtig her 
durch accorden kommen laßen, sie starck be 
zahlen , und ihnen wenigstens ihre bestimmte 
Zeit aushalten muß, ohnmöglich bestehen." Die 
Fabrik ging zurück und zählte gegen Ende der 
sechziger Jahre statt der früheren 40 Arbeiter 
deren nur noch 18; nur durch das Verbot aller 
auswärtigen Fayence in der Grafschaft glaubt 
van Alphen die Fabrik halten zu können. Er 
motivirt beim Landgrafen die Sache und schreibt 
weiter: „In dieser äußersten Verlegenheit habe 
ich hülffe nöthig, an meinem wenigen Orte habe 
ich gethan, was man mit recht von mir erfordern 
kann, ich habe die kunst der Fayence, die an 
der schönheit und dauer, womit frembde Fabriquen 
in neuern Zeiten die meinige übertroffen, durch 
anwendung alschon beträchtlichen Capitals er 
forschet, wie beygehende proba zeiget, und frembde 
Arbeiter mit schweren Kosten neuerdings herbey- 
zuziehen gesucht. Dieses ist aber nicht genug, 
und es kann diese tabrique niemand, als Ewer 
Hochsürstl. Durchlaucht vom verderben retten" 
durch Gewährung des Monopols, wie van 
Alphen im Weiteren ausführt. Ob indessen eine 
solche Maßregel den gewünschten Erfolg gehabt 
hätte, muß dahin gestellt bleiben; die Zeit der 
i Fayence, des früheren „Forcellains", eilte ihrem 
Ende entgegen: durch Konkurrenz und Ueber- 
produktion wurden die Preise gedrückt, aber es 
war trotzdem kein Absatz zu finden, da die 
Bemittelten schon längst das echte oder feine 
Porzellan, welches, seit Böttger's Masse, kein 
Geheimniß mehr war, nun an vielen Orten her 
gestellt wurde, vorzogen, und in neuerer Zeit 
auch beim eigentlichen Volke das verhältnißmäßig 
billige sogen. Steingut in Mode zu kommen 
begann. 45 ) 
Trotz dieser Ungunst der Verhältnisse gaben 
nach dem Tode des Hieronymus van 
4 5) Als bald vor seinem Ende v. Alphen die Ein 
führung eines Zolles von 10 Prozent auf ausländische 
Fayence und namentlich das Englische Steingut beantragt 
hatte, wurde am 23. Sept. 1774 auch dieses mit folgender 
Begründung abgelehnt: ,Allprmaßen aber dieses ander 
weite Gesuch gleich den verschiedenen vorigen auf' ein den 
freyen Handel und Wandel stöhrendes Monopolium ab 
zahlet, da inmittelst die Waaren in der hiesigen 
Fabrique von schlechterer Glasur als ehemal 
verfertiget und doch theuer verkaufst werden 
wollen: So ist die Regierung des untertänigst ohn- 
maßgebenden erachtens. daß dem Suplicanden auch darin 
nicht zu äekeriren stehe."
	        

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