Full text: Hessenland (7.1893)

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lauffen, sich behelffen müße, sondern auch frembde 
künstlern dadurch animirt mögten werden anhero 
zu ziehen" und er „die fabrique durch würckliche 
Bürgere oder häußlich niedergeseßene Schutz 
verwandte stärcker sortsetzen könnte" erbat, daß 
hiesigen und ausländischen „korcellain Drehern, 
Mahlern, Stöckern und Formern, als Künstlern 
die ksrsonalfreyheit möchte aceoräirt werden", 
dies am 18. Mai 1736 zugestanden und zugleich 
auch verordnet, „daß Ihnen dasjenige Saltz, so 
zum Behufe der fabrique erforderlich ist, in 
eben demjenigen Preiß, wie es die Franckfurther 
bezahlen, aus den Saltz Magazinen verabfolgt 
werde". Dieser Bescheid, welcher damit schließt, 
daß „auf sein des supplicanten begehren über 
die Ihnen hierinnen aeeoräirts puncten bey 
unserer nachgesetzten Fürstl. Regierung der 
sreyheits-Brief in forma extenta ausgefertiget 
werden könne", datirt aus Philippsruhe den 18. 
May 1736. Ziemlich gleichzeitig damit scheint 
den Hanauer Rathsprotokollen zu Folge vau 
Alphen zum Kommerzien-Rath ernannt worden 
zu sein, eine in Anerkennung seiner Verdienste 
um Handel und Gewerbe ihm seitens des neuen 
Landesherrn erwiesene Gnadenbezeugung. Es 
verdient erwähnt zu werden, daß damals einige 
Jahre hindurch Philipp Friedrich Lay^) 
als Brenner in der Fabrik beschäftigt war, weil 
derselbe 1739 zu Offenbach a. M. eine 
Konkurrenzfabrik anlegte und damit der Hanauer 
viel zu schaffen machte.") Nachdem van Alphen 
ss) Er wurde am 10. Sept. 1736 Bürger in der 
Neustadt und steht in den Rezeptionsprotokollen über ihn 
Folgendes: „ein koreellainbrenner von Wallrabenstein; 
52 Jahr alt; evangelisch er ist 30 Jahre von Hause weg, 
binnen welcher Zeit er zu Franckfurt in dem dasigen ?or- 
eellain-Hauß gewesen, den 13. Juni 1736 ist er in die 
hiesige Fabrique gekommen, wo er noch arbeitet ; Rath van 
Alphen attestirt, daß Lay ein wohl bemittelter Mann ist." 
Ueber die A n l a g e der Offenbacher Fabrik spricht 
sich v. Alphhen in einer Eingabe v. 21. Sept. 1739 solgender- 
maßen aus: „auch hat der bey Mihr in Dienst stehende 
Brenner Philipp Friedrich Leyh von dem Herren 
Graffen von Birstein ein sehr Favorables Privilegium 
zu Offenbach dem Vernehmen nach bekommen. Wie er 
dann Würcklich in dem Bauen begriffen", während der 
jüngere Alphen im Jahre 1770 über ihren Untergang 
meldet: „das reiche Carthäußer Closter bey Mayntz hat 
bereits eine gleiche Manufaktur zu Flörßheim 
errichtet und durch diese bereits die Offenbacher Fabrique 
zum stillstand gebracht." 
40) Es war nicht allein der Wettbetrieb im Handel, 
sowie die heimliche Einführung der Offenbacher Fabrikate 
in Hanau, welche Beschwerden hervorriefen, auch wegen 
einer Sandgrube bei Büdingen entstanden Streitigkeiten. 
Letztere, von der v. Alphen sagt, daß „ohne den in ged. 
Grube befind!. Sand Niemand in hiesiger Nachbarschafft 
Porcellain fabriciren kann", war vom Grafen von 
Isenburg-Büdingen dem Hanauer Fabrikanten am 
1. Okt. 1738 auf 8 Jahre verpachtet worden und wurde 
trotzdem auch daraus nach Offenbach Sand abgegeben. 
im Jahre 1738 „die Fabrique sehr starck ver 
ketzert und ein starckes Capital darin verbauet" 
hatte/') konnte er im Jahr darauf von derselben 
rühmen, „datz, Watz dermahlen Fabricirfc wirdt, 
das vorhin tabricirte sehr Vieles bißhero noch 
übertrifft", und hinterließ also, als er zu Anfang 
des Jahres 1740 mit dem Tode abging, seinen 
Erben die Manufaktur und Handlung in bestem 
und blühendstem Zustande. Der dritte, damals 
26 Jahre alte Sohn aus zweiter Ehe, Hiero 
nymus mit Namen, übernahm die Weiterführung; 
wir dürfen wohl annehmen, daß er, den früher 
mitgetheilten Intentionen seines Vaters ent 
sprechend, die Fayencefabrikation gründlich er 
lernt und die Fabrik schon vorher dirigirt hatte. 
Hieronymus van Alphen blieb bis zu 
seinem 1775 erfolgten Tode, also über 34 
Jahre lang Leiter und Besitzer der Fabrik; er 
war fortwährend bestrebt, dieselbe in die Höhe 
zu. bringen und darauf zu erhalten. Das 
Privilegium wurde ihm und seinen Erben am 
6. Mai 1748 auf 12 Jahre, am 24 März 
1757 wiederum auf 12 Jahre, von 1760 an 
zu rechnen, und endlich am 28. Juni 1773 
abermals auf dieselbe Dauer erneuert. Als 
besondere ihm seitens des Landgrafen Wilhelms 
VIII., der „bey Höchst Dero Hierseyn und 
öfterer Besuchung der Fabrique Mündlich die 
Gnädigste Zusicherung gethan, daß Höchst- 
dieselben fortfahren wolten ihm bey jedem 
Vorfalle Protection und Gnade zu verleyhen",^) 
erwiesene Gunst ist zu erwähnen, daß van 
Alphen durch Reskript vom 28. Oktober 1748 
„ins Künfftig gleich anderen Privilegien 
Persohnen nur unter der hiesigen Hochfürstlichen 
Regierung und Hoffgericht immediate und nicht 
unter den Rath der Neuen Statt" gestellt wurde; 
später wurde er auch Commerciena88e88or. Daß 
ihm jedoch bei der letzten Privilegirung im 
Jahr 1773 der Alleinhandel mit Fayence in 
der Stadt und Grafschaft Hanau, welcher seit 
her nur durch die Meßfreiheit beeinträchtigt war, 
nicht mehr zugestanden wurde, indem „auch 
anderen der freye Handel mit dergleichen Por 
cellan in und außer Meßzeiten in Stätten und 
auf dem Lande von nun an hinwiederum ver 
stattet und in diesem Stück das vormahlen für 
die Fabrique ertheilt gewesene privilegium 
exclusivum hierdurch zurückgenommen seyn solle", 
brachte der Fabrik empfindlichen Schaden, zumal 
sie schon längere Zeit hindurch, was den Export 
handel betraf, mit inzwischen enstandenen, theils für 
4') Vermuthlich wurden damals die ganzen Fabrik 
gebäude erneuert und blieb nur das Wohnhaus in seinem 
alten Zustand. 
42) V. Alphen erwähnt dies in seinem Gesuch um Er 
neuerung des Privilegs v. 19. Okt. 1773.
	        

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