Full text: Hessenland (7.1893)

Ill 
allerhand ehrliche Handthierungen, damit sie 
, dermahlen tüchtige Bürger und Unterthanen 
abgeben können, sehen müße" und bittet außer 
der Bestätigung der alten Freiheiten um Be 
freiung von den „in hiesiger Neu-Statter 
Rentherei zu bezahlen habende schätzung und 
andere bürgerliche oriera" , sowie, daß ihm das 
zur Fabrik „nöthige Saltz, so sich jährlich auff 
30 biß 40 achtel belauffen wird, auff Ew. hochgr. 
gnd. Saltzwerck") jedesmahl um den nemblichen 
preiß, wie denen außländischen Saltzparthierern 
solches verkaufst wird, gegen bahre bezahlung 
verabfolget" zu bekommen. 
Nachdem am 28. Aug. 1725 seitens der 
Rentkammer die Sache, da „Er auch gesinnet 
wäre, alle erforderende Mühe, Fleiß und Kosten 
anzuwenden, damit diese kabrigne wieder gäntzlich 
hergestellet, und womöglich noch beßer und stärker 
als jemahlen getrieben werden möge" und auch 
zu wünschen wäre, „daß diese Rabrique wieder 
in ihren alten vorigen guten Stand, bey welchem 
öffters 40 bis 50 Menschen, und zwar meist 
haußgeseßcne Bürger, ihre Nahrung reichlich 
gefunden, und die herrschaftlichen Schuldigkeiten 
richtig abgetragen, bald wieder gelangen möge", 
befürwortet war, erhielt unter dem 15. Nov. 
1726 van Alp Heu auf 12 Jahre „das den 
28. Jan. 1713 der Poroellainkabriqne allhier 
ertheilte privilegium" nicht nur für sich und 
seine Erben bestätigt, sondern auch ferner gnädigst 
verwilligt,^) „daß, wenn Er und dieselbe solchem 
nachleben, derjenige so als Principal die kabriqne 
führet, von denen in Unserer Neustatt herge 
brachten Real- und Personal-oneribus, außer 
denen accissen, als welche jedermann zahlen 
muß, befreyet sein solle. So viel aber das 
Saltz.anbetrifft, hätte Er solches, wie bishero 
entweder aus Unserer Saltz-Cammer allhier, oder 
auf der Saltz Soden zu Nauheim ablangen zu 
S4 ) Hiermit ist die Salme Nauheim gemeint, welche 
im Zahr 1590 in herrschaftlichen Besitz gelangt war und 
von der es in Engelhard's Erdbeschreibnng von 
Hessen-Kassel (Th. II. S. 786) heißt, daß sie „durch ver 
schiedene, sowohl unter dem letzten Grafen Johann 
Reinhard zu Hanau, als vornämlich unter der 
Regierung Herrn Landgraf Wilhelms VIII. als 
Grafen zu Hanau, angebrachte und in der Folge noch weiter 
vermehrte künstliche Werke dergestalten einträglich gemacht 
worden ist, daß, ungeachtet des dasigen Holzmangels, 
dennoch viele tausende Achtel Salz jährlich gesotten und 
wegen dessen besonderer Stärke und Güte weit und breit 
gesucht und verführet werden." 
35) Laut Rathsprotokoll vom 5. Dez. 1726 „produzirte 
damals Hr. Bürgermeister v. Alphen die von Ilustrissimi 
Hochgräfl. Gnd. gnädigt verliehene Freyheit von wegen 
der koreellainen-Backerey. Ist also dem Hr. Bürger 
meister v. Alphen darzu allerseits gratuliret worden und 
zweifelt man nicht, es werde das gnädigst verliehene 
privilegium zur auffnahme der I'ahriHue und sämptlicher 
statt bestem gereichen." 
laßen, und in demjenigen Preiß, wie andere 
unsere Unterthanen auch thun müßen, zu be 
zahlen." Gleichzeitig wurde dem Abraham 
Behag Hel „doch in der Hoffnung, daß Er 
vor das Künfftige die fabrique mit mehreren: 
Ernst und fleiß treiben werde", das alte Pri 
vilegium aus 12 Jahre vrolongirt. Wir haben 
bereits mitgetheilt, daß oerselbe für sich und als 
Vertreter der Behaghel'schen Erben diesen Be 
dingungen nicht nachkam und in Folge dessen 
van Alphen die Fabrik ganz übernehmen mußte. 
Wer damals und während der Zeit, bis van 
Alphen's Sohn H i e r o n h m n s, 86 ) der nach 
des Vaters Tod (1740) die Fabrik übernahm, 
diesen Platz ausfüllen konnte, der technische Leiter 
des Etablissements gewesen ist, wissen wir nicht; 
ebensowenig konnten wir Näheres über Art und 
Größe des Betriebs, sowie den unzweifelhaft 
erfolgten Aufschwung der Fabrik ermitteln. Für 
Letzteres spricht zunächst die Herstellung eines 
Glasurgangs in der herrschaftlichen Kanalmühle, 
für den der Beständer jährlich 12 Gulden be 
zahlen mußte",) außer den in den alten Pri 
vilegien schon normirten Abgaben von jährlich 
20 fl. zur Kammerkasse; dann die Errichtung 
einer Niederlage in Frankfurt a. M. Andernfalls 
wäre auch die Regierung dem Besitzer nicht mit 
weiteren Vergünstigungen entgegen gekommen. 
Zunächst wurde ihm am 12. Sept. 1731 ge 
stattet, auch Sonntags an Fremde zu verkaufen, 
damit diese nicht auf der Weiterreise sich mit 
Frankfurter Fayence zu versehen genöthigt 
würden,^) und dann wurde, als van Alphen 
nach dem Anfall von Hanau an Hessen sich um 
die Verlängerung des Privilegiums bewarb und, 
damit er „nicht mit allerhand ohnangeseßene Junge 
und fremde Leuth, welche bald hier bald dahin * 37 38 * * * * 
äs) Dem Taufbuch zufolge war er 1714 geboren; seine 
Mutter war Sara Jacoba, die Tochter des Raths 
herrn und Bürger-Eolonels der Neustadt Hendrik van 
der Wall. Hieronymus v. A. hat zu Anfang des 
Jahres 1734 den Bürgereid geleistet und sich bald darnach 
mit Susann« Barbara van der Laher verheirathet. 
37) Das Zerkleinern der zur Glasurherstellung er 
forderlichen Materialien geschah vorher in der Fabrik 
selbst und mit Pferdebetrieb: die neue Einrichtung datirt 
vom 27. Juli 1734. 
38) Van Alphen hatte am 3. Sept. 1731 ausgeführt, 
daß „in Sommerß Zeichen öffters hohe Standespersohnen, 
oder dero Bedienthen auch zuweilen auff Sonn- und 
Feyertagen hindurch nach den Bädern rc. reyßen und en 
passant zu dero Gebrauch etwas poreellain kauffeu 
wollen, auch öffters oberländische Schiffleuth auff Sonntag 
hier vorbey fahren und aus der Fabrique was mit zu 
nehmen begehren, weilen Sie aber nicht auff dergl. Täge 
accoinniodiren darfst so wenden Sie Sich nacher Franck- 
furt, wodurch Mihr dann nicht nur der Verkaufs entzogen, 
sondern auch umb so mehr schaden geschiehet, alß öffters 
bey dergleichen durch Reyßen fernere Bestellungen zu ge 
schehen pflegen".
	        

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