Full text: Hessenland (7.1893)

Geschichte der Horzellamfabrik Ln N^u-Kanau. 
Von Professor <£. A. v. Drsch. 
(Fortsetzung.) 
die Fabrikate betrifft, so lehrten die 
Hi/ von uns mitgetheilten Archivalien, daß 
nach Hans Ballt)'s Tode die Fabrik in 
Rückgang gekommen war und daß in den Jahren 
von 1725 dies in noch viel höherem Maaße der 
Fall gewesen ist; die Periode, während der Tüch 
tiges geleistet wurde, mag daher das erste 
Dezennium des 18. Jahrhunderts gewesen sein?") 
Thatsächlich sind auch unter den uns bekannten 
Stücken die mit der aus H und M gebildeten 
Marke die besten. Der Umschwung in der 
Dekorationsweise hat sich vollzogen; Buntmalerei 
in Violett, Blau, Grün uud Gelb.ävird vor 
herrschend, dem bäuerlichen Geschmacke zusagende 
Gegenstände aus dem Thier- und Pflanzenreich, 
sowie figürliche Darstellungen, namentlich aus 
der biblischen Geschichte verdrängen die orien 
talischen Imitationen?') Die Fayence fing an 
populär zu werden.* 2 ) 
Mit dem Uebergang der Fabrik an Heinrich 
Simons van Alphen, der sich im Jahre 
1726 vollzog und zu welchem der Erwerb der 
so ) Zu Frankfurt a. M. befindet sich im Besitz 
B e h a g h e l'scher Nachkommen außer der bis ins 16. 
Jahrhundert zurückgehenden Familienchronik mit ausführ 
lichen Stammtafeln u. dgl. eine Fayencefließe mit dem 
Wappen der Behaghel und der Jahreszahl 1711, 
jedenfalls ein Erzeugniß der damals von Daniel Behaghel's 
Erben mitbesessenen Hanauer Fabrik. 
31) Von hierher gehörigen Tellern verdient ein in der 
Sammlung des Verfassers befindlicher hervorgehoben zu 
werden, der in ziemlich dilettantenhafter Ausführung ein 
Bild des Königs Karl XII. von Schweden mit dem Degen in 
der Rechten und einem zu seinen Füßen ruhenden Löwen 
zeigt. Auf der Rückseite findet sich außer der Marke 8 die 
Inschrift: Cor^ Fried, vermuthlich der Name eines 
Hananers, der aus Anlaß der Durchreise des Königs durch 
die Stadt, wo derselbe auf seinem berühmten Ritt von 
Bender nach Stralsund am 21. Nov. 1714 in der Vorstadt 
im „Wols" logirte, zu dieser Kunstleistungsich aufgeschwungen 
hat. 
32) Ohne Abbildungen ließe sich eine nähere Be 
schreibung des Dekors einzelner Stücke aus dieser Perwde, 
während welcher sich ein eigenthümlicher deutscher Fayen- 
eestyl entwickelte, nur schwer geben, wir müssen uns 
deßhalb vorbehalten, bei einer anderen Gelegenheit er 
schöpfender, d. h. auch andere Fabriken als nur dre Hanauer 
berücksichtigend, auf diesen Gegenstand zurückzukommen. 
van der Walle'schen Hälfte durch den Ge 
nannten, wie oben angegeben, bald geführt hatte, 
beginnt wieder ein neuer Aufschwung derselben, 
nachdem (so sagt der neue Besitzer in seiner 
Bewerbung um Konfirmation des Privilegs) 
„seithero einige Jahren durch allerhand lata- 
litaeten und Mangel abzugs kaum der dritte 
theil arbeith gemacht worden; zu geschweigen, 
daß die Gebäude hin und wieder sehr verfallen 
und in Summa alles so gethan und beschaffen 
ist, daß nicht viel weniger Kosten mühe und 
arbeith und sorge wird angewendet werden 
müßen, als wenn das werck ernstlich von 
neuem angefangen würde, mithin ohn- 
fehlbar verschiedene Jahren hingehen werden, ohne 
daß daraus der geringste nutzen und Überfluß 
/: Es sehe denn, daß Gott der Herr die Fabrique 
sonderbahre segne:/ wird gezogen werden können." 
Van Alphen hatte die redliche Absicht und 
auch die nöthigen Mittel,^) dem Etablissement 
wieder aufzuhelfen. Er sagt in derselben Ein 
gabe (vom 8. Juni 1725), daß er „in ansehung, 
daß der liebe Gott ihn mit Sieben Söhnen 
gnädiglich gesegnet, die allhier durch seine nechste 
anverwanthen vor nunmehro 64 Jahren neu 
angerichtete porcellainfabrique und davon depen= 
dirende Handlung mit sambt allen gebüuen, 
werckzeugen, Waaren und Materialien von einem 
der bißherigen Interessenten der seeligen Frau 
Johanna van Alphen Weylandt Jacob van der 
Walle Hinterbliebenen Wittibe halbschied an sich 
erhandelt, in der absicht einen seiner Söhnen, 
so sich am besten schicken und den größesten lüsten 
darzu haben wird, dieße prolession auß dem 
Grund erlernen zu laßen, und diese Handlung 
mit Daniel Behage! Seeligen Erben, welche die 
andere Halfft possediren, dermahlen Ihme zu 
übergeben, indem er bey einer solchen anzahl 
Kinder männlichen geschlechts nothwendig aufs 
33) Dies geht u. a. auch besonders daraus hervor, 
daß am 14. Juli 1736 seitens der hochfürstl. Hessen- 
hanauischen Rentkammer bei dem „Commercien Rath und 
Colonel van Alphen“ ein mit 4% zu verzinsendes 
Kapital von 50000 fl. aufgenommen werden konnte.
	        

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