Full text: Hessenland (7.1893)

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gebäude von St. Martin in Kassel Wohnung, wo 
er auch gestorben ist. 1617 wurde ein Theil der 
sehr baufälligen Klostergebände abgebrochen. 1621 
war es mit 12 Mann besetzt, die den Angriff eines 
bayerischen Regiments abwiesen. 1636 wurde 
Hasungen vom General Götz mit seinen Kroaten in 
6 Wochen fünf Mal geplündert. Ende vorigen Jahr 
hundert- wurden die letzten Reste des Klosterbaues 
niedergelegt. Die Quadersteine wurden beim Bau 
der Dorfkirche von Burghasungen verwandt (1800)." 
Der gediegene Bortrag des Herrn vr. Brunner 
wurde mit großem Beifalle aufgenommen. — 
An Stelle des in den Ruhestand getretenen seit 
herigen Direktors des Lyceum Fridericianum Dr. 
Gideon Vogt ist der Direktor des Wilhelms-Gymnasiums 
in Kassel vr. Friedrich Heußner zum Direktor 
dieser Anstalt ernannt und an desien Stelle Professor 
vr. Christian Muff von Stettin als Direktor 
des Wilhelms-Gymnasiums berufen worden. Beide 
Herren wurden beim Beginn des Schuljahres am 11. 
April durch den Geheimen Schulrath vr. Lahmeyer 
feierlich in ihre neuen Aemter eingeführt. 
Um dem Andenken an das gesegnete Wirken des 
seitherigen verdienstvollen Direktors des Lyceum 
Fridericianum vr. Gideon Vogt einen dauernden 
Ausdruck zu geben, haben ehemalige Schüler des hoch 
verehrten Herrn und Amisgenossen desselben durch 
Beiträge ein Kapital zusammengebracht, das als 
Grundstock einer vr. Gideon Vogt-Stiftung 
dienen soll. An der Spitze der etwa 300 Spender 
steht Se. Majestät der Kaiser mit 1000 Mark. Das 
Kapital beträgt bis jetzt 375O Mark. 
Unser verehrter Landsmann und hochgeschätzter 
Mitarbeiter Carl Preser hat mit seinen 
Dichtungen den Weg übers Meer gefunden, 
denn die in New - Dark erscheinenden „Hes 
sischen Blätter, Organ der Hessen in Amerika-, 
berichten in ihrer Nummer vom 11. März Folgendes: 
»Heimathliche Bilder und Gestalten" 
nennt sich ein stattlicher Band Dichtungen des als 
Dichter in der alten Heimath weitbekannten und ge 
achteten Fürstlich Asenburgischen Kammerdirektors 
Carl Preser in Wächtersbach, Kreis Geln 
hausen. Edelglanz der Sprache und individuelle 
Eigenart werden dieser vielleicht nur mehr der engeren 
Heimath zugedachten Schöpfung des feinsinnigen 
Dichters auch den Weg ins große deutsche Publikum 
bahnen, sind doch die Hessen unserer edelsten Stämme 
einer. Der Verlag von Oskar Ehrhardt in Mar 
burg hat das Buch prächtig ausgestattet. Ferner er 
wähnen wir die vierte Auflage der Gedichte des 
genannten Kammerdirektors Carl Preser, Verlag der 
Hofbuchhandlung von Ernst Hühn in Kassel (1890), 
und »Ulrich von Hutten", ein Heldengedicht von 
demselben, gleichfalls im Verlag von Ernst Hühn. 
Herr Cgrl Preser hat mit seiner Gedichtesammlung 
einen beachtenswerthen Erfolg errungen. Dieser Er 
folg, der nicht gering zu veranschlagen ist, findet 
seine Erklärung in der erquickenden Schönheit und 
dichterischen Individualität der fruchtbaren Preser'schen 
Muse. Die vierte Auflage der Gedichte umfaßt 296 
Seiten und »Ulrich von Hutten", ein Heldengedicht, 
186 Seiten. Seine Heimath, unser schönes 
Hessen, besingt der treffliche Dichter mit warmer, 
überströmender Begeisterung. 
»Seine Heimath, unser schönes Hessen"! — 
Diese Worte wollen viel sagen, und es erfüllt uns 
mit Genugthuung, aus den »Hessischen Blättern" in 
New-Aork zu ersehen, wie sehr unsere hessischen 
Landsleute auch jenseits des Oceans noch an ihrer 
alten »schönen- Heimath hängen. Daß ihr »Organ" 
mit dem hessischen Wappen und der Königskrone an 
der Spitze ein geachtetes sein muß, erhellt, abgesehen 
von dem reichen Inhalt aus »Hessen-Nassau und dem 
Großherzogthum Hessen", auch aus dem Annoncentheil, 
denn hier bemerken wir, daß schon allein die Eigen 
schaft eines »Agenten der Hessischen Blätter" als 
Geschäfts-Empfehlung dient, während ein Wein-und 
Lagerbier-Salon von Conrad Manns sich empfehlen 
darf als »Hauptquartier des Kurhessen-Vereins 
Wilhelmshöhe." 
Wir wünschen den »Hessischen Blättern 
in New-Uork, die bereits im sechsten Jahrgange stehen, 
ein frisches fröhliches Gedeihen! 
Unsere Mitarbeiter wird es interessiren, daß nun 
mehr der 15. Jahrgang 1693 des bekannten 
»Deutschen Literaturkalenders" von I. 
Kürschner erschienen ist. Ein stattlicher und doch 
handlicher Band, der zum Hauptinhalt das alphabetische 
Verzeichniß sämmtlicher deutscher Schriftsteller (mit 
den Hauptdaten sowie sämmtlicher Werke) hat. Dabei 
enthält der Kalender aber noch andere Rubriken: so 
ein Verzeichniß der Verleger mit Angabe der 
Specialitäten des Verlags. Kurzum, der „Kürschner 
ist für den Schriftsteller ein geradezu unentbehrliches 
Buch und soll hiermit zur Anschaffung bestens 
empfohlen sein. Bemerkt mag noch werden, daß ich 
nur 140 in Kurhessen wohnhafte Schriftsteller zählte; 
manchen Mitarbeiter des »Hessenlands" vermißte ich 
denn auch. DaS ist nicht Schuld des Herausgebers, 
der sich die erdenklichste Mühe giebt, seinen Kalender 
so vollständig wie möglich zu machen. Sehr empfehlen 
möchte ich den Mitarbeitern dieser Blätter, ihren Bor- 
und Zunamen, Wohnort, Geburts-Tag und -Ort, 
Verzeichniß ihrer Schriften an den Herausgeber 
(Geh. Hofrath Prof. Josef Kürschner in Eisenach) 
I mitzutheilen. S. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in KassA^
	        

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