Full text: Hessenland (7.1893)

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Historiker Professor M. Lenz in der Biographie 
Feige's,*) der wir hier zumeist gefolgt sind, be 
hauptet, einen weiten politischen Horizont nicht 
besessen, sondern nur eifrig und voll Hingebung 
die Absichten seines Herrn ausgeführt hat, so soll 
uns das in dem Urtheile nicht beirren, daß er 
ein aufrichtiger Anhänger der neuen Lehre, die 
er einmal für die rechte erkannt hatte, ein 
durchaus ehrenhafter Mann, ein unermüdlicher 
Arbeiter, ein treuer Diener seines Herrn gewesen 
ist. Wie sehr übrigens den in geistiger Beziehung 
so hoch stehenden Staatsmann die Tugend der 
Bescheidenheit geziert hat, geht schon aus dem 
Umstande hervor, daß er von den Vorrechten, die 
ihm die Erhebung in^den Adelstand durch Kaiser 
Maximilian im Jahre 1517 verliehen waren, nie 
mals Gebrauch gemacht haben soll. Johannes Feige 
starb am 20. März 1543. Melanchthon richtete 
am 28. März an den Landgrafen Philipp einen 
Trostbrief, in welchem es heißt; „Das der 
Ewige Gott E. F. Gnaden Canhlern Herrn 
Johann Feigen den weißen und ehrlichen Mann 
auß disem Elend in das ewige Leben erfordert, 
wie wol er nu jn ewiger ruhe ist, so ist doch 
solcher tod zu klagen, das ein solcher nutzer 
Mann auß der Regirung weg ist, und man 
*) S. Allgemeine Deutsche Biographie, 6. Band S. 
600. flg. Leipzig. 1877. 
sihet, wie wenig tüchtiger leut in allen landen 
zu finden." 
Zum Schlüsse möge es uns gestattet sein, noch 
einmal der Beziehungen zu gedenken, in denen 
Johannes Feige zu den Gelehrten, namentlich zu 
unseren hessischen neulateinischen Dichtern Eobanus 
Hessus und Euricius Cordus, stand. Er schätzte 
und beschützte dieselben. Eobanus Hessus, der sich 
in allen Angelegenheiten an ihn wandte, wid 
mete ihm zum Danke seine Bucolica und sein 
Lobgedicht auf den Württembergischen Sieg des 
Landgrafen „Philippi Magnanimi“. Daselbst 
sagt der Dichter von ihm: „Verus musarum 
semper amicus eras“. Und Euricius Cordus 
dichtete folgendes Epigramm auf ihn: 
Editus ex atavis Maecenas regibus olim 
Se dignas habuit, principe dives, opes. 
Utque tui iam nunc te cernimus esse Philippi, 
Caesaris ille sui gratus amicus erat. 
Cum multis tamen hoc aliorum millibus aevo 
Lethaeis tacitus forte lateret aquis, 
Ni sacri meritum celebrassent carmine vates 
Esset et Aoniis condita fama libris. 
Perge igitur profugas, Ficine, iuvare 
Camoenas. 
Quaeque novae datus es siste columna 
scholae. 
Sic ultra supero quod divus in aethere vives, 
Hic tuus aeterna laude vigebit honor. — 
— 
Kine Ukbensgeschichte. 
Von Gottfried Ludwig. 
„Kassel, den II. März 1848. 
Mein lieber Henkel. 
Nach acht Tagen bringen Sie mir die 
Effekten wohlbehalten wieder zurück und nehmen 
Sie den Weg über Halle, Eisenach nach Kassel. 
Sollte der Legations-Sekretair früher Sie an 
sprechen nach Kassel zu reisen, indem er mit 
Ihnen fahren würde, so lassen Sie, wie es 
sich von selbst versteht, den Leibjäger mit dem 
Hoflakay auf dem Bocke fahren. 
Jn der Bank können die Effekten nicht de- 
ponirt werden, vergessen Sie aber nicht, daß 
außer den vier Koffern auch die zwei Chaisen 
kasten mit Werthgegenständen gepackt sind, 
also in Sicherheit gebracht werden müssen. 
Auf baldiges Wiedersehen. 
Friedrich Wilhelm." 
Der Oberhofintendant Henkel, an den dieses 
eigenhändige Schreiben des Kurfürsten gerichtet 
war und das ihm dieser wohl als kurze Ver 
haltungsvorschrift 'mit auf den Weg nach Berlin 
gab, verließ den letzteren Ort wieder am 
17. März des verhängnißvollen Jahres 1848 
gerade noch rechtzeitig genug, um dem am 
folgenden Tage daselbst zum Ausbruch gekom 
menen Aufstande ausgewichen zu sein. Für- 
wahr eine verantwortungsvolle Aufgabe, in 
solchen Zeiten mit derartig großen Beständen 
an Geldeswerth auf Reisen zu gehen und bei 
deren Sicherung ausschließlich aus den Beistand 
von zwei Hofbediensteten angewiesen zu sein; 
denn nur innerhalb der kurhessischen Grenzen 
waren Henkel zwei berittene Gendarmen als 
Begleitung zugestanden worden und auch dieses 
lediglich auf sein dringendes Verlangen, das er, 
nicht zur besonderen Zufriedenheit seines Fürsten, 
geltend gemacht hatte. 
Karl Ludwig Henkel war der zu Lüders- 
bach, Amt Netra, am 27. März 1815 geborene 
Sohn des Raths und ehemaligen Friedensrichters
	        

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