Full text: Hessenland (7.1893)

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Mit orientalische Muster und Vorbilder nach 
ahmender Malerei dem „Delft" nahekommende 
Fayenceschüsseln, Teller und Krüge waren in der 
Umgebung von Hanau noch ziemlich häufig 
anzutreffen, es wurde auch vom Verfasser Manches 
davon erworben, jedoch hat sich bis jetzt noch 
kein Stück gefunden, bei dem durch eine Marke 
oder sonstige Anzeichen der Hanauer Ursprung 
außer Zweifel gestellt wäre. Im Nachlaßinventar 
der hessischen Landgräfin Hedwig Sophie 
aus dem Jahre 1678 findet sich eine Rubrik: 
Arm Delffish vnd Hanauischen Irden Ge 
schirren, worin verschiedene „braun, blau 
und weiße" Stücke vorkommen; es ist vielleicht 
daher die gleichzeitige Anwendung von Blau 
und Braun als Dekorationsfarben für das 
damalige Hanauer Fabrikat charakteristisch.") 
Der älteste mit Sicherheit für Hanau anzu 
sprechende Gegenstand, der zu des Verfassers 
Kenntniß gekommen, ist eine in der Sammlung 
des Herrn I. Jobst zu Hanau befindliche große, 
flache Schüssel, welche auf der Innenseite in 
Blaumalerei das Gräfl. Hanauische Wappen mit 
der darunter gesetzten Jahreszahl 1681 zeigt 
und also zu damals für die Hofhaltung ange 
fertigten Geschirren gehört. Zu denselben gehört 
ebenfalls das zweitälteste gesicherte Stück, ein im 
Besitz des Verfassers befindlicher Henkelkrug, von 
Birnenform und mit weiter Mündung; ihm ist 
auf der Bauchung, gleichfalls in Blau, dasselbe 
Gräfl. Wappen nebst der Jahreszahl 1682 auf 
gemalt. Fabrikzeichen sind nicht angebracht, der 
Scherben ist hellgelblich und die wenig glänzende 
Glasur zwar nicht von blendender Weiße, aber 
sonst fehlerlos. Durch den beschriebenen Krug 
werden zwei andere, gleichfalls dem Verfasser zu 
gehörige, auch als Hanauer Erzeugnisse aus der 
selben Zeit kenntlich; der eine davon ist dem 
Wappenkrug durchaus ähnlich, aber vorn mit 
dem Bilde des heil. Thomas") in blau mit 
braunen Konturen geschmückt, der andere mit 
26 ) Ob die in der 1675 gemachten Eingabe als in 
Aussicht genommene „Newe Invention, wodurch daß 
feinefte, dem Chinesischen nicht viel nachgebende Por- 
cellain verfertiget" werden sollte, sich auf die Masse oder 
nur aus die Dekoration beziehen sollte, muß unentschieden 
gelassen werden. Das letztere ist das wahrscheinlichere. 
Finden sich doch auch unter den Delfter Fabrikaten nur 
Stücke, die äußerlich das orientalische Porzellan nach 
ahmen. 
27 ) Zur Seite des Heiligen steht unten die Ziffer 8. 
und dürfte daher der Krug zu einem Satz von 12 
glcichgestaltetcn gehört haben, von denen jeder ein Apostel 
bild aus sich hatte. 
Kugelbauch und engem Hals trägt auf der 
Vorderseite in Blaumalerei ein Wappen mit 
einem Kranich im Schild und auf dem Helm. 
Als fünftes, nur wenig jüngeres Stück existirt 
in der Sammlung des Kunstgewerbe 
vereins zu Frankfurt a. M. ein Schreib 
zeug von der bekannten Kastenform, mit Ein- 
satzfäßchen für Tinte und Sand und Federbehälter 
davor. Außer Ornamenten in Blaumalerei, 
zeigt es in derselben Farbe ans der Rückseite 
das Erst. Hanauische Wappen und die Jahreszahl 
1687, auf den Seitenflächen biblische Darstellungen 
und im Federbehülter eine Feder, Federmesser 
und Zirkel. 
In Folge der Aehnlichkeit im Scherben und 
in der Glasur mit diesen fünf unbezeichneten ") 
Gegenständen aus der Zeit von 1680 bis 90, 
während welcher Bally das Privilegium zum 
Porzellanmachen genoß, dürfen auch einige mit 
einer aus 8 mit anhängendem 8 [= 8(ans) 
B(ally)] signirte mit um so größerer Wahr 
scheinlichkeit ihm zugesprochen werden, als dieses 
Zeichen auf Theilen eines jetzt sehr unvollstän 
digen, im Besitz des Verfassers befindlichen Speise 
services vorkommt, von dem andere einfach mit 
8 (— Banau) bezeichnet sind, z. Th. in Blau, 
z. Th. in Manganviolett. Diese Schüsseln und 
Teller zeigen am Rand ein feines filigranartiges 
Muster in blau und dunkelbraun und mitten 
eine stylisirte deutsche Blume; sie beweisen, daß 
man in der Hanauer Fabrik begann, sich von 
den holländischen Vorbildern los zu machen.'") 
Außer dem einfachen 8, welches wir der Fabrik 
als Marke bis zum Schluß des für uns jetzt in 
Betracht kommenden Zeitraums, also dem Jahr 
1726 beilegen zu müssen glauben, dürfte vielleicht 
in der Zeit von 1694 bis 1712 auch eine durch 
Kombination von 8 mit Ick (— B(anau), 
M(ünzenberg) gebildete benutzt worden sein, 
nachdem seit 1685 wieder eine Trennung der 
Grafschaft in Hanau-Münzenberg und 
Hanau-Lichten b erg zwischen den Brüdern 
Philipp Reinhard und Johann Rein 
hard stattgefunden hatte, die bis zu dem 1712 
erfolgten Tod des ersteren dauerte. 
(Fortsetzung folgt.) 
28) Es kann nicht auffallen, daß auf diesen Sachen 
noch kein Fabrikzeichen angebracht war, da sie nicht für 
den Handel bestimmt waren. 
rs) Auf einem dem Verf. gehörigen mit Ballh's 
Marke versehenen Teller findet sich auf dem Boden eine 
Darstellung, wie Simson den Löwen zerreißt und auf 
dem Rande ein an Spitzenmuster erinnerndes Ornament.
	        

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