Full text: Hessenland (7.1893)

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daß solches geschehen, würde darthun können, Er 
demselben gleich zu halten sehe." 
Abraham Behaghel kam, nachdem er wirklich 
am 19. Oktober 1726 ein entsprechendes Privileg 
erhalten hatte, diesen Bedingungen nicht nach 
und es blieb daher dem „Bürger-Meister und 
Oolonell der Neu Statt Hanau", Henrich 
Simons van Alphen, nichts übrig, als auch 
die den Behaghelschen Erben zustehende Hälfte 
der „Porcellain Backung" käuflich zu erwerben, 
„weilen", wie er später in einer Eingabe aus 
dem Jahr 1736 sagt, „meine damalige mit 
6onsorten das gantze verfallene werck nicht 
reassuwiren (?) wollen oder können, so habe 
nolens volens solches allein zu thun übernahmen 
und Ihre helsfte, weilen es sich nicht wohl theilen 
laßen theuer genug abkausfen '") und also alle 
Müh, Sorg und Kosten allein tragen, und was 
ferner zur rakünirung ersinnlich gewesen, dato 
gesuchet und noch ferner zu erfinden trachten 
müßen." Ehe wir den Fortgang der Fabrik nach 
diesem Besitzwechsel weiter verfolgen, sollen nun 
erst die beregten Fragen, und namentlich die 
nach den Produkten eingehender besprochen worden. 
Den in Vorhergehenden mitgetheilten Akten 
stücken zufolge war die Gründung der Hanauer 
Fabrik, des ersten Etablissements in 
Deutschland, welches die als „Delfter 
Waaren" bekannten, meist blau dekorirten 
Fahencegeschirre nachahmte, nicht durch „Porcelain- 
backer" von Profession erfolgt, sondern durch 2 
unternehmende „Handelsleuthe", welche Gewinn 
aus einer solchen Anlage zu ziehen hofften. 
Womit dieselben außerdem Handel getrieben 
haben, konnten wir nicht feststellen; vielleicht 
gehörte dazu auch der Import jenes hol 
ländischen Geschirrs nach Deutschland;* 3 ) dann 
war es ja für sie ein naheliegender Gedanke, 
die Herstellung solcher Sachen in der Nähe 
ihres Wohnorts Frankfurt a. M. zu versuchen. 
In einer Nachricht sind diese Gründer als 
Niederländer bezeichnet; dies ist indessen, streng 
genommen, nur für den einen von ihnen zu 
treffend. Die Behaghels waren schon in der 
W) In den „Rechnungen der Neuen Statt 
Hanau de Anno 1727" steht auf fol. 266: 
Einnahme Geld an Wehrschafften 
von fl. alb. Pf. 
Herrn Henrich Simons van Alphen des Raths 
und Colonel der Neustadt, und Herrn Abraham 
Behage!» vor sich und Nahmens Hrn. Gerhard 
Biebens zu Niederwctzel laut errichteten Kauf- 
Contracts diekorosllain fabrique cum Omnibus 
pertinentÜ8 betrf. von 1250 fl 18 22 4 
und geht daraus hervor, daß der Verkauf im Zahr 
1727 stattgefunden hat. 
2*) Noch heute existirt in Frankfurt a. M. ein 
Porzellan-Geschäft unter der Firma: I. M. Behaghel 
K Sohn, Göthestryße 1. 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Hol 
land ausgewandert und zunächst in Frankenthal 
ansässig geworden; seit 1620 erscheinen einige 
davon als Bürger von Neu-Han au. Unser 
Daniel erblickte daselbst das Licht der Welt; 
ebenda war auch seine Stiefschwester Johanna 
Simons van Alphen, die nachmalige Gattin 
des Jaeobus van der Walle geboren. 
Letzterer scheint erst in Folge dieser Heirath von 
Rotterdam nach Deutschland verzogen zu sein; 
die van Alphen dagegen gehörten, um dies 
hier gleich auch noch zu erwähnen, schon seit 
1603 zu den Bürgern von Neu-Hanau; anfangs 
führten sie den einfachen Familiennamen Simons, 
später war, wie es im vorhergehenden schon 
öfter vorkam, dabei noch der Zusatz van Alphen 
gebräuchlich, und zuletzt (etwa seit 1740) finden 
wir van oder von Alphen allein. 
Die beiden Unternehmer mußten, ehe sie im 
Jahr 1661 mit ihrem Projekt an die Oeffent- 
lichkeit traten, sich schon darüber vergewissert 
haben, daß in der Nähe von Frankfurt bez. 
Hanau die zur Fabrikation erforderlichen Roh 
materialien nicht fehlten, daß namentlich der 
Bischofsheimer Thon sich für ihren Zweck eigne?') 
Sie scheinen die Sache von vornherein großartig 
angelegt zu haben und vermuthlich gleich au der 
Stelle, wo wir im Jahre 1726 die Fabrik 
nachweisen können und wo sie bis zu ihrem 
Eingehen geblieben ist, in den zu dem von 
Francois de Bois 1602 erbauten Wohnhaus 
(jetzt Römerstr. 15) gehörigen Neben- und Hinter 
gebäuden^^) ; wie aus dem den Schluß unserer 
Mittheilungen bildenden Arbeiterverzeichniß her 
vorgeht, hatten sie außer dem Werkmeister 
Johanu Baly einige tüchtige Kräfte aus Delft 
und Rotterdam angenommen, welche in kurzer 
Zeit einen Stamm eingesessener Former, Maler 
und Brenner heranzubilden im Stande waren. 
Mit Rücksicht hierauf ist anzunehmen, daß die 
ältesten Erzeugnisse der Hanauer Manufaktur 
mit den gleichzeitigen Delfter Fabrikaten bezüglich 
der Form und des Dekors die größte Aehnlich- 
keit gehabt haben und sich ein selbstständiger 
Styl erst nach und nach entwickelt hat. 
24 ) Bischofsheim liegt ohngesähr in der Mitte zwischen 
Hanau und Frankfurt; die Transportkosten für die Erde 
wären daher dieselben gewesen, mochte die Fabrikanlage 
in Hanau oder Frankfurt gemacht werden. Häfnerei 
wurde in beiden Orten geübt; in Hanau, wo schon im 
Ansang des 17. Jhrts. Tabaksbau getrieben wurde, gab 
es viele Thvnpseifenmacher, von denen sich einzelne später 
der „Porcelainarbeit" zugewandt haben mögen. 
In den Stadtrechnungen aus dem Anfang des 
18. Jahrhunderts finden wir die „zu dem koroellain- 
Hauß gehörigen 3 Häuser" mit 15 fl. besteuert. Das an 
der Straße stehende Nebenhaus, welches auch das Waaren 
lager enthielt, gehört zur Glockengasse und hat jetzt 
Nr. 32,
	        

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