Full text: Hessenland (7.1893)

96 
druck aus der Zeitschrift für die vaterländische 
Geschichte Westfalens, 48. und 49. Band. 
„Sie haben in unübertroffen objektiver Weise 
Geschichte geschrieben maxima eum diligentia et 
industria eum ingenii mira acie et sagacitate 
laudabili tandem eum veri caritate et sinceritate.“ 
In diesem Satze faßt ein hochgeschätzter und ge 
diegener Kenner der Geschichte der Grenzländer 
Hessens und Westfalens in der Richtung nach Mar 
burg und nach Berleburg hin, wo die hessischen 
Pfandschaflen lagen, sein Urtheil über das genannte 
Merkchen zusammen. — In der Spezialgeschichte 
des Verfassers wird ein bisher noch sehr im Dunkel 
liegendes Geschichtsgebiet aufgeklärt. Im Zusam 
menhange und im Rahmen der beiden großen 
kölnischen Stifts- und Successionskriege — 1474 
und 1583 — wobei die Beziehungen zwischen 
Churköln, Hessen, Waldeck iu den Aemtern Kogeln- 
berg und Volkmarsen, Medebach, Hallenberg, 
Schmallenberg und Winterberg genau erörtert werden, 
ist die Geschichte der hessischen Pfandschaften im 
Kölnischen Westfalen dargestellt. Der Verfasser 
kommt dabei zu dem überraschenden Resultat, daß 
es nämlich eine hessische Pfandschaft in dem älteren 
Sinne einer Pfandnutzung und eines unmittelbaren 
Psandbesitzes westfälischer Gebietstheile durch die 
hessischen Landgrafen am Ende des 15. und im. 
Anfange des 16. Jahrhunderts überhaupt nicht 
gegeben hat. Im Hülfsvertrag — 1473, Juni 24. 
— den das Erzstift Köln mit dem hessischen Land 
grafen abschloß, verpfändete ersterer seinem Bundes 
genossen, die genannten Burgen und Aemter für die 
Kriegskosten und die Geldsummen wofür sie an die 
jetzigen Pfandherren verpfändet worden waren. Nicht 
einmal ein Fünftel der kölnischen Schuldverschreibung 
und Verpfändungssumme wurde an Hessen bei der 
Auslösung der Pfandschaften ausbezahlt. Besonders 
interessant sind auch die Truchsessischen Wirren in 
ihrer Beziehung zu Hessen dargestellt, worin die 
Stellungnahme Landgraf Wilhelms des Weisen und 
die des hessischen Hofrichters Arnold von Viermunden 
zu derselben eingehend geschildert wird. Auch 
religionsgeschichtlich sind die kirchlichen Verhältnisse 
in den Pfandschaftsämtern sehr belehrend und auf 
klärend dargestellt. Namentlich wird die Kontra 
reformation erwähnt, welche während und nach den 
Truchsessischen Wirren eintrat. Die Bildnisse des 
Gebhardt von Truchseß und der Agnes von Mans 
feld — nach guten Originalen — sind eingefügt. 
Ebenso befinden sich in dem Merkchen die voll 
ständigen Stammtafeln der Adelsgeschlechter Vier 
munden, Winnenburg, Braunöberg und Burscheid. 
Erwähnenswerth ist, daß die Viermunden hauptsäch 
lich durch die Pfandschaften in die Höhe kamen und 
in der deutschen Geschichte dann eine große Rolle 
spielten. Das Merkchen, welches einen bleibenden 
historischen Werth immer behalten wird, bietet eine 
ebenso belehrende wie anregende Lektüre. 
Marburg, im März. 
Hustav Areiherr von Heppenheim, 
Rttmstr. a. D. 
Wir freuen uns berichten zu können, daß die von 
uns bereits angekündigte Uebertragung eines Cyclus 
von Gedichten des spanischen Dichters Gustroo 
Adolfo Becguer durch Ricardo Jordan so 
eben im Verlage von Otto Hendel zu Halle a. S. 
erschienen ist. Wir werden in einer späteren Nummer 
unserer Zeitschrift auf diese prachtvollen im Originale 
wie in der deutschen Uebertragung, formvollendeten 
Dichtungen des Näheren zurückkommen. 
Krieskasten. 
C. K. Kassel. Wir werden Ihrem Wunsche baldmöglichst 
entsprechen. 
EL 8. Hofgeismar. Sehr erwünscht. Unsern Dank im 
Voraus. 
(i. Th. D. Marburg. Wird in einer späteren Nummer 
veröffentlicht. Besten Dank und freundlichsten Gruß. 
P. W. Leipzig. Wie Sie sehen gleich benutzt. Für Ihr 
freundliches Entgegenkommen verbindlichsten Dank. 
Drucksehl er -Berich tigung. 
In der vorigen Nummer des »Hessenlandes“ muß es in 
dem Artikel „Philipp der Jüngere, Landgraf von Hessen 
zu Ryeinfels“ Seite 77, Spalte 1, Zeile 10 von unten, 
statt „vom Jahre 1762 selbstverständlich heißen „1562. 
— Ebendaselbst ist der Todestag Philipp's des Großmüthigen 
als am 11. März 1567 erfolgt angegeben. Statt 11. März 
ist 31. März zu setzen. — Seite 79, Spalte 1, Zeile 45 
muß es statt odsenum, „obsessum“ heißen. 
Inhalt des Märzheftes 1893 der „Touristischen 
Mittheilungen aus Hessen-Nassau und Waldeck“: Der Ring 
gau mit Illustration „Die Boyneburg". — Ostersonntag 
auf dem Jnselsberg. — Bericht aus Helsa — Das Jubiläum 
des Taunusclubs. — Literarisches. — Anzeigen. 
In meinem Verlage erschien soeben: 
Deutsche Klassiker 
und Romantiker. 
Aufsätze von Haus Attmätler. 
Preis 2 Mark, eleg. geb. 3 Mark. 
Für Anschaffung als höhere Unterrichtslektüre bestens 
empfohlen. 
Hochachtungsvoll 
Ernst Kühn, 
Hof-Buch- und Kunsthändler. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F.Zwengerin Fulda, Druck und Verlag vonFriedr. Scheel in Kassel
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.