Full text: Hessenland (6.1892)

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Schlammbamber") kommt mer net is Haus; 
Hä düt net gut; dos weß ich lang; 
So Volk ö Wing"), dos bleiwt mer dräuß. 
Ich dold kin Worm ö nähr kee Schlang; 
Doch es wellkomme jehrer Gast, 
So Mann hä es ö Falschheet haßt. 
Ö bär meng Brot eßt, sengt met mer, 
Ö bem dos i de Krüm net paßt. 
Demm weeß ich klipp ö klapp die Där") 
Ö gönn em Grüß net ö kee Rast. 
Meng How fall ree seng vom Gepäil"), 
Da ich seng Härr. Hürrah, die Gäil! 
Kurt Aulin. 
9 ) Scherzhafte Bezeichnung für: 1) heruntergekommene 
Menschen, 2) Champagner, w) Wein. Thür. 12) Mein 
Hos soll rein sein von Stroh- und Aehrenabfällen. Hier 
bildlich: Mein Hof soll nicht durch unordentliche Menschen 
verunreinigt werden. 
Aus Heimath und Fremde. 
Der Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde hielt am Montag, den 28. März, 
seine Monatsversammlung im Lesesaale der Landes 
bibliothek ab, welcher, da die Aula in der Realschule 
wegen des Abiturientenexamens nicht frei war, dem 
Verein vom Landesbibliothekar vr. Lohmeyer in 
freundlichster Weise zur Verfügung gestellt worden 
war. Der Vorsitzende, Major a. D. von Stam- 
ford, eröffnete die Versammlung und bemerkte, 
daß dieselbe in den Räumen tage, in welchen 
die Wiege des Vereins gestanden habe. Sodann 
machte der Vorsitzende einige geschäftliche Mittheilungen. 
Der Verein hat^danach 17 neue Mitglieder gewonnen. 
Die Mittheilungen für 1891 und der 17. Band 
der Vereinszeitschrift befinden sich im Druck, und 
werden die ersteren voraussichtlich im April zur Ver- 
theilung gelangen. Der Verein in Eschwege, wo im 
Juli die Hauptversammlung stattfindet, beabsichtigt 
anläßlich derselben eine Ausstellung von Alterthümern 
zu veranstalten. Letztere Mittheilung wurde mit 
Beifall aufgenommen. Hiernach hielt vr. W. Grote- 
fend den angekündigten Vortrag über: „Die Lage 
der Gewerbe in Hessen unter Landgraf Wilhelm dem 
Weisen". Der interessante, eine^.Fülle historischen 
Materials bietende Vortrag wurde mit großem Bei 
fall aufgenommen. (Kasseler Tageblatt.) 
Von befreundeter Seite sind wir auf einen Artikel 
in der Beilage einer früheren Nummer der „Münchener 
Allgemeinen Zeitung" aufmerksam gemacht worden, 
der, „Henriette Keller-Jordan als Er 
zählerin" betitelt, denverdienstvollen literarischen 
Leistungen dieser hochbegabten Schriftstellerin volle 
Anerkennung widerfahren läßt. Unsere Zeitschrift 
„Hessenland" verdankt ihr sehr werthvolle Bei 
träge, wir erinnern nur an die Novellen „Antigone", 
„Margarethe", „Unter dem Madonnenbilde", „Pieta", 
„Eine Winternacht", „Nur eine Nacht", den Aufsatz 
„Von Mexiko nach Paso bei Norte", und wird es 
gewiß den Lesern unserer Zeitschrift willkommen 
sein, wenn wir hier das Urtheil über Hen 
riette Keller-Jordan aus dem angezogenen Artikel 
der „Allgemeinen Zeitung" wiedergeben. Daselbst 
heißt es: „Seit einer Reihe von Jahren hat Henriette 
Keller-Jordan als Erzählerin Anklang gefunden und, 
wenn sie hiebei als Tochter Sylvester Jordan's, des 
von Freiligrath, Dingelstedt u. a. gefeierten Märtyrers, 
um so größere Beachtung auf sich lenkt, ist es desto 
erfreulicher, ihr wie eine Schuld die Anerkennung 
zollen zu dürfen, daß ihre Phantasie aus edelsten 
Trieben der Seele Kraft und Nahrung zieht und ihr 
Streben ihres Vaters würdig ist. Es ist kein kleines 
Lob, daß ihre sämmtlichen Arbeiten gleichsam ein 
Antlitz in mannigfaltig belebtem Mienenspiele zeigen 
als den unveränderlich echten Grundzug ihres Wesens. 
Unauslöschlich hat sich ihr der Ernst des Daseins 
eingeprägt und das Thema, das sie am meisten zu 
behandeln liebt, ist dasjenige der Entsagung. Ob die 
Vorfälle auf der westlichen oder östlichen Halbkugel 
sich zutragen, in der eintönig ernsten Landschaft des 
Schleswiger Moores oder in der farbenbunten Tropen 
welt, in der hessischen Heimath, in Deutschland und 
Oesterreich oder im Süden Europas, überall belauscht 
die Erzählerin den Schlag still duldender Herzen, 
die, wenn das Glück sie belohnt, sich dasselbe durch 
Ergebung verdient haben und, wenn es sich abwendet, 
mit dem Schatze ihrer reinen Seelengröße allein schon 
erfreuen und erheben." Der Verfasser bespricht dann 
verschiedene ihrer Werke, u. a. „Lebenstiefen", 
„Hacienda Felicidad", „Transatlantisches", „aus der 
Gegenwart", „die Grubers, eine Erzählung aus Kur- 
hessen", und schließt mit dem die Dichterin kenn 
zeichnenden Satze aus ihrer eigenen Feder: „Das 
Leben ist eine ernste Arbeit, die dem einen leichter- 
gemacht wird als dem andern, aber kämpfen müssen 
wir alle." (Hacienda Felicidad, S. 133.) 
Von folgenden höheren Lehranstalten Hessens 
werden die Osterprogramme wissenschaftliche Abhand 
lungen enthalten: 
1. Kassel, Wilhelmsgymnasium. H e u ß n e r, Freytag's 
Ingo im Unterricht der Prima. 
2. „ Realgymasium. Völler, Zusammenhang 
der physikalischen Eigenschaften der Krystalle 
mit ihrer Krystallform. 
3. „ Realschule 1. Heuser, Warum ist 
Schiller populärer als Goethe? 
4. Hersfeld, Gymnasium. Klipp ert, Ebene Tri 
gonometrie.
	        

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