Full text: Hessenland (6.1892)

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ruhig zu Roß dort hielt, sein ernstes Auge auf 
die Priesterschaar richtend. 
Zu seiner Seite, ihn noch überragend, ward 
Childerich auf seinem Stuhle gesehen, den vier 
kräftige Männer ans den Schultern trugen. 
Neben Childerich standen wie vorhin Heribert 
und Hilda und unweit Winfried mit seinen Be 
gleitern, hinter diesen die kleine Schaar der 
Bekenner des Heilands. 
Als der Priesterzug in die Nähe des Grafen 
kam, rief dieser: „Halt, Ihr Diener Donar's," 
und hob gebietend seinen Stab. 
Der Zug stand, und die Blicke der fanatischen 
Priester richteten sich finster auf den Störer der 
heiligen Handlung. 
„Warum stört des Königs Graf unsere Feier ?" 
fragte Libes in entschlossener Haltung. 
„Was soll mit dem gebundenen Mann ge 
schehen?" 
„Er soll nach altem Brauch an Donar's 
Altar sterben, Herr." 
„Es wird nicht geschehen, Priester, — der 
König wehrt's." 
Der zum Tode bereite Gefangene horchte hoch 
auf, in der Menge aber erhob sich ein drohen 
des Murren. 
„Nicht kann der ferne König wehren, was 
der Dienst der Götter fordert, Herr," entgegnete 
Libes ruhig. „Es ist uralt heiliger Brauch, 
dem Gott das Herz des Kriegsgefangenen an 
diesem Tag zu geben, daß sein Segen ruhe auf 
Haus und Feld." 
„Mich deucht, Libes," ließ sich Childerich's 
tiefe Stimme vernehmen, „Donar hat zwanzig 
Sommer Haus und Feld gesegnet ohne solches 
Opfer —, Widderblut genügte ihm. Laß ab," 
sagte er mahnend, „mächtig ist der König —, 
sein Graf trägt hier das Zeichen seiner Macht." 
„Hält Childerich sich zu den Verächtern des 
alten Glaubens", sagte in leidenschaftlicher Er 
regung der Priester, „und zu den Verehrern 
des neuen Gottes?" 
„Du weißt sehr gut, Libes, daß ich am alten 
Glauben halte," sagte Childerich ganz ruhig, 
„aber Donar bedarf des Menschenblutes nicht, 
er hat's gezeigt." 
„Und, Priester," nahm Graf Chlodwig von 
Neuem das Wort, „willst Du uns durch Dein 
Opfer die wilden Sachsen in's Land rufen und 
diesen Boden in Feuer und Blut versenken?" 
„Wir sind die Männer, ihnen zu wehren. Herr," 
entgegnete der immer erregter werdende Priester, 
„und dieses Opfer, lange versäumt, ist nöthig 
in dieser Zeit, wo Eulen einherschleichen und 
Gift in das Ohr und das Herz von Männern 
und Weibern gießen. Das Opfer wird voll 
bracht, kein König hat an dieser Stätte zn 
gebieten." 
Er stimmte wieder seinen Gesang an, die 
anderen Priester fielen ein, und schon wollte sich 
der Zug in Bewegung setzen, als Winfried neben 
dem Roß des Grafen rasch hervortrat, den Ge 
fangenen an der Schulter nahm, ihn aus der 
Reihe der Priester riß und hinter sich schob. 
Starr standen einen Augenblick Alle bei der 
raschen kühnen That. 
Libes aber, dem die Zornader mächtig schwoll, 
riß unter seinem Mantel ein blankes Beil her 
vor, schwang es mit wildem Blick empor, rufend: 
„Stirb, fremder Hund!" 
Doch Winfried, stark von Leibe und ruhig 
und kühn, faßte schnell und kräftig des Priesters 
erhobenen Arm und entriß ihm das Beil. 
An seine Seite sprangen Sturm und Wilbod. 
(Schluß folgt.) 
In freier Kur. 
(Schwälmer Mundart.) 
Ich seng in freier Schwälmer Bür, 
Hon eej'nen How ö Howgebrüch.') 
Meng Etikett es ahnersch nür, 
Äs bie bei How. — Ee besche rüct) 2 3 ) 
Es ööch ineng Hahnd, ö so im Gänze 
Seng ich kin Frengd vo vcele Fänze. 8 ) 
Meng Wott es Wvtt; ich hal es ööch '), 
Hon Gott im Häz, net of dr Zong. 
l) Habe eignen Hof und Hofgebrauch. ") rauh. 
3) Ich bin kein Freund der Schönthuerei und närrischen 
Ö steiht aus mengen: Schonstee Rööch"), 
Da kocht eS ööch, meng liewer Jong. 
Meng Gäul es immer, bie hä cs. 
Ich stonker net; dos es geweß. 
Meng Gäldkatz es kee Forkeldock °); 
Doch es see voll, ö Gold cs drenn. 
Meng Kerrel') trotzt beirrn: beste Rock; 
Ö schlicht ö eefach seng meng Kenn"), 
Geröd ö wohr ö stark ö stolz 
Ö biwelfest ö net vo Holz. 
Komplimente. 4) Mein Wort ist Wort; ich holte es auch, 
b) Und steigt aus meinem Schornstein Rauch. 5) Meine 
Geldkatze ist kein Btutterschwein. 7 ) Kittel. 8 ) Kinder.
	        

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