Full text: Hessenland (6.1892)

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Wissenschaft, der Kunst und des praktischen 
Lebens" in Stuttgart bei Enke erschien. 
Ferner gehören noch hierher zwei „akustische 
Briefe", welche im fünften Jahrgang der 
Zeitschrift „Humboldt" im Jahre 1886 erschienen, 
und die ebenfalls von Krebs bei Enke heraus 
gegeben werden. 
Ferner muß hier noch auf die Schrift Melde's: 
„Chladni's Leben und Wirken" hingewiesen 
werden, über die wir bereits früher im „Hessen 
land" berichteten. Dieselbe erschien 1888 bei 
Elwert in Marburg in zweiter Auflage. In 
ihr hat der Verfasser dem großen Akustiker 
Chladni ein schönes Denkmal gesetzt. Sodann 
gehören theilweise hierher noch zwei ebenfalls 
bei Elwert 1864 erschienenen Vorträge, welche 
Melde in den Jahren 1863 und 1864 in den 
am 20. August, dem Geburtstage des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm von Hessen, veranstalteten 
öffentlichen Festsitzungen der Marburger natur 
forschenden Gesellschaft hielt, und von denen der 
eine von dem „Monochord" und der andere 
von dem „Farbenspektrum" handelte. 
(Schluß folgt.) 
Her Hlaubensbole. 
(Eine (Erzählung aus dem achten Jahrhundert von Franz Treller. 
(Fortsetzung.) 
^nter dem Volkshaufen nach Süden zu machte 
sich eine lebhafte Bewegung bemerklich, die 
Leute standen aus und liefen zu Haus. 
Bald gewahrten Childerich und die Anderen 
um ihn, drei Männer, welche langsam, geführt 
von einem Boten des Grafen, unter den finsteren 
Blicken des Volkes einherschritten. 
Unwillig nur wichen die Männer und maßen 
die Fremden mit drohendem Auge. 
Voran ging im dunklen Priesterkleid des 
Christengottes eine markige Gestalt, deren ernstes 
wohlgeformtes Antlitz langes braunes Haar und 
Bart umrahmten, unter starken Brauen glänzten 
ein Paar dunkelgraue Augen, welche die Feuer 
seele verkündeten, die im Busen des Mannes 
wohnte. Ruhe lagerte auf der breiten Stirn, 
und gemessen ging er einher, würdevoll wie ein 
Herzog, wenn er vor allem Volke erscheint. 
Es war Winfried, der Angelsachse. 
Ihm folgten zwei gleichgckleidete Männer. 
Der eine, den sie Sturm nannten, war breit 
in Schultern und blickte aus gebräuntem An 
gesicht kühn in's Volk gleich einem Kriegsniann. 
Neben ihm ging Wilbod einher, mit freund 
lich lächelndem Antlitz, wohlthuend dem Auge. 
Sie schritten unter drohendem Schweigen der 
Menge ruhig heran und kamen auf Chil 
derich zu. 
Von allen Seiten drängten die Menschen 
herbei, die Kühnen zu sehen, welche die Götter 
lästerten und doch dem heiligen Haine an einem 
solchen Tage zu nahen wagten. 
Unruhig blickte Childerich um sich, denn wenig 
behagte ihm die Ankunft der fremden Männer beim 
Feste, da er bei ihrer Verwegenheit blutigen Streit 
voraussah, und seine Pflicht es war, diesen zu 
verhüten und sie zu schützen. 
„Ich grüße Dich, Childerich!" sprach Winfried 
vor ihn tretend. 
„Ich kann Dich nicht willkommen heißen, 
Angelsachse," sagte der Alte ernst, „denn ich 
fürchte, Unheil kommt aus Deiner Anwesenheit 
und schwerlich kann ich Dich schützen." 
„Uns schützt ein Anderer, Mächtigerer als Du, 
Childerich," entgegnete ihm Winfried. 
„Ich weiß —, Frankengraf —, ich wollte, er 
wäre hier." 
„Noch mächtiger ist der, der uns beschützt, und 
Könige sind Staub vor seinen Füßen. — Sei 
ohne Sorge, Herr, — wir stehen in Gottes Hut." 
Er stellte ihm seine Begleiter vor. Wilbod 
reichte der Alte die Hand mit freundlichem Blick 
und schüttelte sie, warnend sagend: „Nicht über 
all ist Childerich so mächtig als an seinem Herde." 
„Dort wie hier, Herr," sagte der Jüngling 
sanft, „stehe ich unter gleichem Schutze." 
Er trat zu Hilda, deren Blicke halb freudig, 
halb ängstlich an ihm hinge», und grüßte sie. 
Dann streckte er die Hand nach Heribert aus; 
fest — mit tiefernstem Blicke ergriff der Recke 
sie, sah dem jungen Glaubensbotcn in's Auge 
und sagte: „Ich bin bei Dir, wenn Gefahr 
droht." 
Wilbod deutete auf den Himmel, sprechend: 
„Dort ist Schutz und Schirm." 
Winfried, der bislang mit Childerich geredet, 
trat jetzt auf eine nahe Erderhöhung, so daß 
er weithin sichtbar war, er winkte, daß man 
um ihn Raum geben sollte, und wurde darin 
durch seine vom Grafen geschickten Begleiter
	        

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