Full text: Hessenland (6.1892)

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ihn zum Ehrenmitgliede, wie denn überhaupt 
auch im übrigen studentischen Leben Professor 
Melde sehr gern gesehen ist, da er es versteht, in 
fröhlicher Jugendlust auch jetzt noch mitzuthun 
und zur Entwickelung der Fidelität bei Jung 
und Alt sein Scherflein beizutragen, wobei ihm 
namentlich sein ausgezeichnetes Talent humoristi 
sche Erzählungen fertig zu bringen, zu statten 
kommt. 
Gewissermaßen als Einleitung zu unserer ge 
naueren Schilderung der eigentlichen literarischen 
Thätigkeit Melde's müssen wir zunächst hervor 
heben, daß derselbe eine hervorragende Neigung 
zu allem, was Musik heißt, stets gehabt hat. 
Mit einer ausgezeichneten Baßstimme begabt, 
konnte er schon als Sekundaner des Fuldaer 
Gymnasiums in bedeutenderen Konzerten als 
Solosänger auftreten. Noch manche Bewohner 
und Bewohnerinnen Fulda's werden sich erinnern, 
welche Anerkennung derselbe bei der unter der 
Leitung A. Henkel's erfolgten Aufführung der 
„Schöpfung", der „Jahreszeiten" von Haydn, 
des „Alexanderfestes" von Händel u. s .w. fand, 
als er den Raphael, Simon rc. sang. Seine weit 
über das gewöhnliche Maß hinausgehende Fertig 
keit auf der Guitarre unterstützte namentlich 
auch seine überall bewunderten Liedervorträge. 
Ebenso trieb er Orgelspiel und zum Theil noch 
unter HeinrichHenkeldas Klavierspiel. Früh 
zeitig beschäftigte er sich auch mit der Theorie 
der Musik und konnte bereits als Gymnasiast mit 
eigenen Kompositionen von Liedern. Märschen rc. 
hervortreten. (Wie wir hören, hat Melde in 
jüngster Zeit angefangen, eigene Kompositionen 
im Druck erscheinen zu lassen, die sich vielfacher 
Anerkennung erfreuen.) Mit Rücksicht auf seine 
Verehrung für die Fuldaer berühmte Musiker- 
Familie Henkel gereichte es ihm daher zu großer 
Freude, daß es ihm in seiner akademischen 
Stellung vergönnt war, seine Lehrer und Freunde, 
die beiden Brüder Andreas und Heinrich 
Henkel zu Oootorss musiees promoviren zu 
können. 
Hiernach war es sehr erklärlich, daß Melde 
als Physiker sich vorzugsweise der Akustik zu 
wandte. Als Privatdozent veröffentlichte er 
Abhandlungen über akustische Gegenstände, welche 
sich der vollkommensten Anerkennung des Jn- 
und Auslandes erfreuen. Zunächst erschien dann 
im Jahre 1864 eine Monographie „Lehre von 
den Schw ingungskurv en nach fremden 
und eigenen Untersuchungen, mit 
einem Atlas von 11 Tafeln" (Leipzig, 
I. A. Barth). Diese Schrift begegnete überall 
in der Gelehrtenwelt der besten Aufnahme, 
und kann man sagen, daß in ihr alles, was be 
züglich des wichtigen Zweiges der Vibrographie 
von Bedeutung ist, eine klare Darstellung in 
Wort und Bild erhielt, so daß dieselbe beim 
Studium der einschlägigen Erscheinungen vor 
allen herangezogen werden muß, zumal in ihr 
die Schwingungskurven in allgemeiner Weise 
auch eine theoretische Darstellung erfuhren. 
Seine nächste größere Schrift „Akustik. 
Fundamentalerscheinungen und Ge 
setze einfach tönender Körper" erschien 
im Jahre 1883. Ueber dieselbe bemerkt ein 
österreichischer Gelehrter in seiner Rezension: 
„Für die Schilderung der Fundamental 
erscheinungen der Akustik konnte wohl vonr 
Brockhaus'schen Verlage Niemand mehr berufen 
gefunden werden als der Verfasser, der bereits 
durch fünf Lustren in diesem Gebiete ersprießlich 
thätig gewesen ist." Die Schrift bildet den 
51. Band der bei Brockhaus erscheinenden „Inter 
nationalen wissenschaftlichen Bibliothek" und ent 
hält eine Darstellung des neuesten Standes der 
Akustik mit der dem Titel entsprechenden Be 
schränkung, indem nur einfach tönende Körper 
zur Betrachtung kamen und alles, was sich auf 
den Zusammenklang rc. bezieht, ausgeschlossen 
wurde. 
Als dritte größere Arbeit akustischen Inhalts 
führen wir sechs Abhandlungen an, welche Pro 
fessor Melde im Jahre 1890 in der „Ency 
klopädie der Naturwissenschaften, 
Abtheilung Physik" (Breslau, Trewendt) 
erscheinen ließ. Dieses große literarische Unter 
nehmen, dessen weiteres Erscheinen seit einer 
Reihe von Jahren gesichert ist, wird von 
einer Anzahl hervorragender Gelehrten heraus 
gegeben und hatte demnach sich auch Professor 
Melde der Einladung zu erfreuen, den Ab 
schnitt „Akustik" zu behandeln. In der 
vierten Abhandlung dieses Abschnitts beschäftigt 
sich der Verfasscr mit den Erscheinungen des 
„Zusammenklangs der Töne", und ist es von 
Bedeutung, daß sich derselbe nicht als Anhänger 
der v. H e l m h o l tz' schen Lehre von dem auf 
Obertöne und Kombinationstöne gegründeten 
Wesen der Konsonanzen und Dissonanzen erweist. 
Neben diesen größeren Arbeiten akustischen 
Inhalts veröffentlichte Melde eine große Anzahl 
Originalarbeiten desselben Inhalts in „Pvggen- 
dorf's Annalen der Physik und Chemie", und 
werden allein schon diese Arbeiten für immer 
ihren Verfasser als einen der namhaftesten 
Akustiker erscheinen lassen. 
Noch reihen wir hier einen interessanten Auf 
satz Melde's au, der unter dem Titel „Die 
Akustik in ihren Hauptbeziehungen 
zu den musikalischen Instrumenten" 
in dem 1883 von Professor G. Krebs heraus 
gegebenen Werke: „Die Physik im Dienste der
	        

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