Full text: Hessenland (6.1892)

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schildern hören. Es bestand zwischen Lehrern und 
Schülern ein gutes Verhältniß, indem einerseits 
die Schüler mit steter Achtung und Ehrerbietung 
ihren Lehrern gegenüber sich verhielten und 
andererseits auch die Lehrer ab- und zuzuthun 
wußten. wenn die älteren Gymnasiasten sich 
etwas mehr Freiheit erlaubten, als es sonst 
vielleicht hätte sein sollen. Fiel doch in diese 
Gymnasiastenzeit das Jahr 1848, das gewiß 
geeignet war, auch die jugendlichen Geister zu 
erregen. Die Lehrer Melde's am Fuldaer Gym 
nasium waren insbesondere Th. Gies, Hahn, 
W. Gies, Gegenbaur, Bormann, Volk 
mar, Weis mann und Schwa rtz, von denen 
vorzugsweise Wilhelm Gies, einer der bedeutendsten 
Lehrer und Gelehrten, welche das Fuldaer Gym 
nasium gehabt hat, auch auf das spätere Studium 
seines Schülers bestimmend einwirkte. 
Zu Ostern 1853 bestand Franz Melde 
das Maturitätsexameu und bezog hierauf die 
Universität Marburg, um Mathematik und 
Naturwissenschaften zu studieren. Seine Lehrer 
waren hier insbesondere Gerling, Knoblauch 
und Kohlrausch in Physik, Stegmann und 
Schell in Mathematik, ferner Kolbe, 
Zwenger, Hessel, Dunker, Wiegand 
und Herold in Chemie und den beschreiben 
den Naturwissenschaften. Zu Ostern 1857, 
nach wohlbestandenem Fakultätsexamen, war 
Franz Melde zunächst an dem Gymnasium 
zu Hanau beschäftigt, gab jedoch schon im Herbst 
desselben Jahres die Gymuasialstelle auf, um 
an dem mathematisch-physikalischen Institute der 
Universität Marburg unter Gerling's Leitung 
Assistent zu werden. Als solcher hatte er unter 
der besonderen Gunst seines von ihm stets hoch 
verehrten Lehrers und väterlichen Freundes Gerling 
hinreichend Gelegenheit, sich weiter in Physik und 
auch Astronomie auszubilden. Im Jahre 1859 
wurde er auf Grund seiner Dissertation „Ueber 
einige krumme Flächen, welche von 
Ebenen, parallel einer bestimmten 
Ebene, durchschnitten, als Durch 
schnittsfigur einen Kegelschnitt liefern" 
zum Doktor der Philosophie promovirt. Im Jahre 
1860, am 21. November, habilitirte er sich als 
Privatdozent für Physik mit der Abhandlung 
„UeberdieErregungstehenderWellen 
eines fadenförmigen Körpers". Er er 
öffnete seine Dozentenlaufbahn mit Vor 
lesungen über Differential- und Integral 
rechnung sowie über einzelne Theile der 
Physik. 1864 wurde er zum außerordent 
lichen Professor befördert und nach dem in dem 
selben Jahre erfolgten Tode Gerling's mit der 
einstweiligen Direktion des mathematisch-physi 
kalischen Instituts betraut. 1866 wurde er zum 
ordentlichen Professor der Physik und Astronomie 
und definitiv zum Direktor des mathematisch 
physikalischen Instituts ernannt. Hierbei heben 
wir hervor, daß Melde der Letzte gewesen ist, 
den der letzte Kurfürst von Hessen an seiner 
Landes-Universität zum ordentlichen Professor 
ernannte, und als solcher auch wohl von den 
Mitgliedern der Universität Marburg die letzte 
Audienz bei Sr. königlichen Hoheit als regieren 
dem Fürsten erhielt. 
Als Direktor des mathematisch - physikalischen 
Instituts begann Professor Melde nunmehr die 
Anstalt zu fördern, insbesondere den ganzen 
Lehrapparat nach und nach zu verbesseren und 
großenteils neu zu gestalten. Vor allem er 
warb er sich Verdienste dadurch, daß er der 
Abhaltung eines physikalischen Praktikums seine 
volle Aufmerksamkeit schenkte und so in erster 
Linie dazu beitrug, daß solche Praktika mehr 
und mehr an allen Hochschulen eingerichtet wurden. 
Ferner gründete er bereits im Jahre 1865 eine 
meteorologische Station nach dem Muster der 
preußischen Stationen und veranlaßte hiernach, 
daß solche auch in Fulda und Hanau errichtet 
wurden. Seiner Assistenten und hervorragenden 
Schüler nahm er sich stets mit Interesse und 
Wärme an, und wurde eine große Zahl derselben 
auf Arbeiten hin promovirt, welche unter seiner 
Leitung im Institute zur Ausführung gekommen 
waren. 
Diesen Leistungen gegenüber konnte es daher 
nicht fehlen, daß ihm mehr und mehr An 
erkennung zu Theil wurde. Schon als Privat 
dozent wurde er von der Wetterauischen Gesell 
schaft für Naturkunde in Hanau sowie von der 
Gesellschaft für die gesammte Naturforschung in 
Marburg zum Mitgliede ernannt. Desgleichen 
wurde er zum Ehrenmitgliede des physikalischen 
Vereins in Frankfurt a. M. und zum Mitgliede 
der kaiserl. Leopold-Carolinischen Akademie der 
Naturforscher ernannt. Im Jahre 1883 wurde 
ihm der rothe Adlerorden IV. Klasse verliehen 
und im vergangenen Jahre die Ernennung zum 
Geheimen Regierungsrath zu Theil. Ebenso 
wurde er im letztverflossenen Jahre zum Dekan 
der philosophischen Fakultät erwählt. Aus all' 
diesen Mittheilungen geht auch deutlich hervor, 
daß Melde seine Anerkennung, namentlich auch 
bei den leitenden und bestimmenden Staats 
behörden fand. 
Auch bei den Studierenden erfreut sich Professor 
Melde nach jeder Richtung hin hoher Anerken 
nung, indem er sich bei seinen Vorlesungen 
durch völlig freien Vortrag auszeichnet und ins 
besondere auch als ein vorzüglicher Experimen 
tator gilt. Der „Mathematische Verein" und die 
Studenten-Verbindung „Pharmacia" ernannten
	        

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